ServerEs ist schon erstaunlich: Wenn der Nationaltrainer der deutschen Kicker die Flinte ins Korn wirft, wenn irgendeine verdrehte Type bei “Deutschland sucht den Superstar” aufmuckt oder wenn wieder mal ein halbes Dutzend C-Promis in ein Dschungelcamp einziehen, regt sich die halbe Nation auf. Der Blätterwald rauscht. Die elektronischen Medien quellen über. Doch wenn relevante Dinge passieren, die unsere Zukunft betreffen – oder sogar unsere Grundrechte -, rührt sich kaum jemand. Gemeint ist die Vorratsdatenspeicherung, die uns demnächst wohl ins Haus steht.

Heute (Dienstag, 06.11.2007) sind einige Tausenden Menschen auf die Straße gegangen. Immerhin. Aber fragt man eben dort jemanden, den durchschnittlichen Bundesbürger, was denn unter der Vorratsdatenspeicherung wohl zu verstehen ist und was er davon hält, kriegt man in der Regel nur ein Achselzucken zu sehen. Kaum einer weiß überhaupt, was gerade vor sich geht.

Ich finde es ehrlich gesagt bedenklich, wie unverfroren derzeit in Regierungskreisen das Recht auf Datenschutz mit Füßen getreten wird. Niemand scheint sich Gedanken über Missbrauchsmöglichkeiten zu machen. Jeder redet nur über die Möglichkeiten, Kriminellen das Handwerk zu legen. Aber dass dadurch der Grundstein für einen Schnüffelstaat gelegt wird, scheint bei den Verantwortlichen niemanden zu interessieren. Ich möchte freilich niemandem unterstellen, dass er den Schnüffelstaat tatsächlich will. Aber wenn wir alles bekommen, was derzeit angedacht und geplant ist, dann ist der Schnüffelstaat, der Alles-überwachende-George-Orwell-Staat nicht nur denkbar, sondern auch machbar. Und zwar ohne weiteres. Alles eine Frage von Rechnerkapazitäten. Und die sind heute so günstig wie nie.

Wie beim Bundestrojaner gilt auch bei der Vorratsdatenspeicherung: Ich frage mich, was das soll. Wer kriminell unterwegs ist, wird seine Surfspuren sowieso verwischen. Das ist ein Klacks, kostenlose Software wie Torpark samt entsprechender Dienste im Web erledigt das.  Also, wozu das alles? Warum nicht auch endlich alle Briefe scannen, die jeden Tag verschicktund zugestellt werden. Ließe sich problemlos einrichten, dass die Post Absender und Adressat scannt und in Datenbanken speichert. Dann wüsste man, wer, wem, wann Postkarten, Ansichtskarten, Briefe und Päkchen schickt. Wäre das nicht fein? Ließe sich doch wunderbar unter dem Stichwort “Vorratsdatenspeicherung” packen. Und wer weiß, früher oder später geht einem ein Krimineller ins Netz – und schon hat man eine Rechtfertigung für den Aufwand.

Es ist wirklich … zum Mäusemelken.

5 Kommentare
  1. Hasenpups
    Hasenpups sagte:

    Entschuldigung. Mische mich mal hier in die Diskussion zum Thema Sicherheit im Netz. Millionen User sind täglich freiwillig bereit sehr viele sensible Daten preiszugeben. Man denke nur an das Anlegen von Favoritenlisten, das Hochladen von Bildern und Videos, das Vernetzen mit Gleichgesinnten. Es wäre mal an der Zeit, dass die Nuitzer selbst sich an die Nase greifen. Die Security Agency (ENISA) beschäftigt sich unlängst mit den Gefahren der Verdichtung versch. Daten aus unterschiedlichsten Quellen zu einem Profil. In einem aktuellen Report geht es um die Netzwerkgefahren, die sich aus Social Networking etc. ergibt. Bitte mal lesen (auf der Site Internet World herunterzuladen unter Benutzung des Webcodes 0723034).

  2. M. Fisch
    M. Fisch sagte:

    habe von dem neuen gesetz so am rande gehört. doch würde mich das als mündiger bürger mal interessieren wie das gesetz lautet und wann es genau rauskam. na dann sind doch sicher viele neue arbeitsplätze geschaffen worden, wenn man bei 80 mill. menschen in dl alle über pc und tel/handy kontrollieren will…smile
    thx im voraus für die info. mfg

  3. K. Wehrmann
    K. Wehrmann sagte:

    Es ist leider richtig, dass dies einfach so akzeptiert wird. Vor allem da man die Terroristen und Kriminellen damit sowieso nicht verfolgen kann. Es ist einfach ohne weiteres möglich, auf andere Art und Weise bzw. unentdeckt zu kommunizieren. So nutzen Terroristen neuerdings einen gemeinsamen Email-Account und speichern die Mails nur mehr als Entwürfe, welche dann von den anderen gelesen werden. Was hilft dann die Vorratsdatenspeicherung?!

    Es wird so kommen, dass die Daten für ganz andere Dinge genutzt werden und man deshalb auch als Privatperson dies zu beachten und ebenfalls Vorkehrungen bei der Online-Nutzung zu gehen.

  4. W.Hollmann
    W.Hollmann sagte:

    sorry , wer Fremdworte nutzt, sollte sie richtig schreiben- desaströs- nicht “desantrös”
    W.H.

  5. W.Hollmann
    W.Hollmann sagte:

    Wir haben unsere Metzger,die uns schlachten selbst gewählt. Da wir Deutsche sind, sind wir mit Geduld gesegnet, denn Ruhe scheint erste Bürgerpflicht zu sein. Der Michel ist halt Blöd. Nur wenn der Deutsche einen “Führer” hat, der uns den Weg zeigt, folgen wir blind. Ich selbst bedauere, ein Deutscher zu sein, der von der Indusrie gelenkten und teils von Vorsorgungsunternehmen gesponserten Politikern gegängelt wird. Unsere Führungskaste ist desantröes.
    Wolfgang Hollmann

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