Das Internet ist ein tückisches Medium. Ich meine, jetzt mal aus der Sicht eines Regimes betrachtet. Ist doch nervig, wenn sich die Bürger austauschen und informieren können. Wenn Sie Behauptungen in Frage stellen dürfen – oder sogar Fotos, Videos oder Augenzeugenberichte unter Umgehung der üblichen staatlichen Zensur öffentlich machen können. Das Internet macht so etwas möglich. Und das finde ich klasse. Auch wenn im Web nach meinem Geschmack ein bisschen viel genörgelt und besserwisserisch herumgepöbelt wird, immer noch besser, als wenn es nicht möglich wäre. So etwas hält eine freie Gesellschaft nicht nur aus, es macht sie aus.

Deshalb finde ich es immer bedenklich, wenn eine Regierung es für nötig hält, den freien Informationsfluss zu bremsen und zu stören. Wie bekanntlich in China.  Da entwickelt sich halt Manches zum Guten, aber dann gibt es immer wieder Rückfälle. Herbe Rückfälle. Wie wenig selbstbewusst ist es, wenn im größten Land der Erde (jetzt mal von der Bevölkerung her gesehen) ein komplettes Portal wie Youtube einfach so vom Netz genommen wird, weil es dort Videos zu sehen gibt, die einem nicht passen? Gut, das hat in China quasi Tradition. Aber das ist ja kein Argument. Schließlich öffnet man sich in Richtung Westen, den Kapitalismus hat man vielerorts mehr als nur verinnerlicht – aber wenn es um Presse- und Redefreiheit geht, ist Schluss mit Lustig.

Dabei hat das doch alles keinen Sinn. Natürlich werden die Fotos und Videos aus Tibet die Runde machen. Denn natürlich finden Touristen, Ausländer und sicher auch einige Chinesen einen Weg, Bilder und Informationen ausßer Landes zu schmuggeln. Und natürlich werden die Bilder und Infos früher oder später auf Webseiten und in Blogs landen, die noch nicht zensiert sind. Aber die breite Masse wird sie natürlich nicht finden – weil auch die Suchdienste mitmachen und nicht finden, was man nicht finden darf. Google, Yahoo und Co. bekleckern sich da nicht gerade mit Ruhm.

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  1. […] schieb.de – China sperrt Youtube wegen Tibet Doch China geht noch viel weiter. Um die eigene Stabilität durch den Konflikt nicht zu gefährden, setzt China an der Basis an – an der Informationsbasis. So wird beispielsweise der gesamte Internetverkehr gescanned und zensiert. Es gibt exklusiv für diesen Zweck erstellte “Badwords”-Listen. Sobald ein Begriff oder ein Zusammenhang mit denen der Badwords-Liste übereinstimmt, so wird der Zugriff darauf blockiert oder die Inhalte nur teilweise bzw. bereinigt angezeigt. Zudem unterhält China wahre Heerschaaren an Cyber-Polizisten, die – top ausgestattet und geschult – das Internet gezielt nach staats- und insbesondere auch politik-”feindlichen” Inhalten suchen. Im Klartext: China toleriert nur eine Meinung – die eigene. Interessierte Chinesen haben nicht einmal die Möglichkeit, sich über die Tibet-Politik zu informieren und somit ihre Meinung in den politischen Prozess mit einfließen zu lassen. Millionen Webseiten werden daher gesperrt, gefiltert und zensiert. Unbelastete, objektive Information und Kommunikation ist von China aus fast unmöglich – wenn doch (z.B. durch Einloggen via Proxies im Ausland), dann werden die Beteiligten schnell denunziert, verhaftet, angeklagt oder (meist bei Publizisten der Fall) als politischer Häftling inhaftiert. Ein Massenbetrug an der Gesellschaft – eine zum Standard gewordene manipulative Einrichtung – eine Außerkraftsetzung der Persönlichkeitsrechte – wie auch immer man die Handlungen Chinas bezeichnen mag – das Fazit ist und bleibt das gleiche: China muss aus Tibet ausmarschieren und sich dem Willen der Bevölkerung beugen. China muss die Menschenrechte der Tibeter anerkennen und die der Chinesen. Die Welt muss aufhören wegzuschauen. Politiker müssen sich einschalten und nicht vor der ach so relevanten Weltmacht China winselnd den Schwanz einziehen oder gar schweigen! […]

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