Alle paar Minuten signalisiert ein Vibrieren an der Gürtelschnalle diskret: „Sie haben Post!“ Ein Griff zum rund 140 Gramm leichten Gerät, einmal am Rollrad gedreht, schon erscheinen die neuen Nachrichten im Display. Sollte es dringend und eine unverzügliche Antwort nötig sein, ist die schnell geschrieben: Die eingebaute Miniklaviatur mit 34 Tasten erlaubt, selbst längere Texte verhältnismäßig bequem einzutippen.

Für jeden Buchstaben eine eigene Taste: Diesen Komfort bieten reguläre Mobiltelefone nicht. Da muss für manchen Buchstaben drei oder vier Mal dieselbe Zifferntaste gedrückt werden. Doch der Eingabekomfort ist wohl nur ein Grund, weshalb sich mobile Organizer mit „Blackberry“-Schriftzug wachsender Popularität erfreuen.

Vor allem wollen immer mehr Menschen auch unterwegs nicht mehr auf den Austausch von E-Mails verzichten. Ein Blackberry informiert seinen Besitzer komfortabel über eintreffende E-Mails und erlaubt, mit dem Absender sofort in Kontakt zu treten – per E-Mail, SMS oder durch einen Anruf.

Technisch betrachtet ist ein Blackberry eine Kombination aus PDA und Handy, die Funktionen des Organizers stehen allerdings eindeutig im Vordergrund. Blackberry ist aber vor allem ein Konzept, das sich der kanadische Hersteller „Research in Motion“ (RIM) ausgedacht hat. Mobilgerät und Server arbeiten Hand in Hand, um einen optimalen Datenaustausch zu gewährleisten. Optimiert auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten unterwegs.

Spezial-Server überwachen den elektronischen Postverkehr und machen den PDA in der Hosentasche quasi zur Außenstation des eigenen E-Mail-Briefkastens. Eintreffende Post wird unverzüglich über mobilen Datenfunk – in der Regel GPRS –zugestellt.

Zwar können auch handelsübliche Handys heute in der Regel mit E-Mails umgehen, allerdings im „Pull“-Prinzip: Die Post muss abgeholt werden. Beim Blackberry landet sie automatisch im Gerät. Außerdem gehen Blackberry-Geräte effektiv mit Speicherplatz und Bandbreite um. Übertragen werden immer nur die jeweils zwingend nötigen Daten. An eine E-Mail angehängte Dateien beispielsweise verbleiben zunächst auf dem Mail-Server.

Möchte sich der Benutzer den Anhang anschauen, reicht ein Knopfdruck: Word-, Excel-, PDF- oder Text-Dokumente werden in kleinen Einheiten vom Server an den Blackberry geschickt. Der Benutzer kann im Display bequem Kapitel oder Seiten im Anhang auswählen. Der Mail-Server extrahiert die jeweils relevanten Informationen und verschickt nur diese. Das reduziert das zu übertragende Datenvolumen enorm und damit auch die Übertragungskosten.

Es findet also eine ausgeklügelte Kommunikation zwischen Mail-Server und Blackberry-Gerät statt. Größere Unternehmen können ihren Mail-Server um Blackberry-Funktionen erweitern, indem sie über ihren Mobilfunkanbieter bei RIM die entsprechende Software lizenzieren. Die arbeitet dann mit dem eigenen Mail-Server Hand in Hand. E-Mails landen dann genauso schnell auf dem Blackberry wie auf dem Schreibtisch-PC. „Bei der Enterprise-Lösung von Blackberry stellen wir die E-Mails unverzüglich zu“, erklärt Heiko Witzke von Vodafone.

Kleine und mittelständische Unternehmen sowie Privatleute, die keinen eigenen Mail-Server betreiben, wickeln die E-Post über ihren Mobilfunkprovider ab: T-Mobile, Vodafone und O2 unterstützen die Blackberry-Technologie. Der Kunde kann auf einer Webseite sein Blackberry-Konto beliebig konfigurieren. Bis zu zehn Postfächer lassen sich so überwachen.

Der Mail-Server des Providers überprüft alle 15 Minuten, ob neue Post eingetroffen ist und holt die Nachrichten dann dort ab. Anschließend werden die Mails automatisch aufs Gerät geschickt. Die Übertragung vom Server auf das Endgerät dauert nur wenige Sekunden und wird über GPRS abgewickelt.

Blackberry-Benutzer müssen für den Extra-Service bezahlen. Neben den Lizenzgebühren für den Mail-Server sind das vor allem die anfallenden Kosten für den mobilen Datenverkehr. Die Mobilfunkprovider bieten Komplettpakete an, die ab 17 Euro im Monat kosten – je nach Datenvolumen. „Selbst Power-User verbrauchen allerdings selten mehr als sechs MByte im Monat“, weiß Witzke. Dafür wäre dann schon das Paket mit 10 MByte Freivolumen im Monat nötig, das 25 Euro monatlich kostet. Die Preise bei den anderen Anbietern sind ähnlich.

Längst gibt es Blackberry-Geräte, die aussehen wie normale Telefone – mit deutlich weniger Tasten als im Ur-Blackberry. Das erschwert zwar das Eintippen längerer Texte, erleichtert aber das Telefonieren. Die anderen Vorteile der Blackberry-Technologie bleiben erhalten. Nokia und Siemens bieten mit den Modellen 6810, 6820 und SK 1 ebenfalls bereits einige Handys an, die Blackberry unterstützen.

Wer sich Gedanken über die Datensicherheit macht: „Die über die Luft verschickten GPRS-Datenpakete werden mit der üblichen Verschlüsselung übertragen“, erklärt Witzke. Mehr Sicherheit bietet die Enterprise-Version von Blackberry. Denn dort besteht die Möglichkeit, die Daten zusätzlich per Triple-DES-Verfahren zu verschlüsseln – und damit nahezu unknackbar zu übertragen. Schließlich möchten viele nicht auf die gewohnte Datensicherheit verzichten, bloß weil sie unterwegs sind.