Chrome Logo Googles Chrome-Browser mischt das Web derzeit ganz schön auf. Zuerst riesige Begeisterung für Technik und Tempo, dann eine Watsche nach der anderen wegen möglicher Datenrisiken. Und jetzt also warnt das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) vor Google Chrome. Nicht etwa offiziell, sondern nur in einem Interview, aber immerhin.Fakt ist: Google Chrome ist noch im Betastadium. Auf diesen Aspekt ist sicher oft nicht deutlich genug hingewiesen worden – da fasse ich mir auch selbstkritisch an die eigene Nase. Betaversionen eignen sich grundsätzlich nicht dazu, in sicherheitsrelevanten Bereichen eingesetzt zu werden. Muss man so deutlich sagen … Auf der anderen Seite: Bei Google sind so ziemlich alle angebotenen Dienste offiziell noch im Beta-Stadium. Das verwässert den Begriff “Beta” ein wenig.

Betaversionen erheben traditionell einige Daten, um sie im Falle eines Fehlverhaltens an die Entwickler senden zu können – zwecks Analyse. Dabei fallen Daten an. Das ist das Wesen einer Betaversion. Zweifellos richtig ist, dass Google auf diesen Aspekt viel deutlicher hinweisen sollte, damit auch unerfahrene User Bescheid wissen – und niemand nachher verwundert ist, wenn Daten gesammelt werden. So viel Transparenz muss sein.

Weiteres Stichwort: Entdeckte Sicherheitslücken. Es gibt keine Software ohne sie, ob Beta oder Alpha. Da macht Chrome keine Ausnahme.

Wem das Thema Sicherheit wirklich wichtig ist, der wartet selbstverständlich eine Weile ab, bevor er Chrome tatsächlich verwendet.

Derzeit eignet sich Chrome vor allem zum Ausprobieren und Kennenlernen.

Stichwort Datensicherheit und Datenschutz. Da ist die Diskussion in Deutschland schon sehr speziell, muss ich sagen. Manchmal wird schon fast hysterisch argumentiert und nur das Schlimmste befürchtet (oder unterstellt). In den USA hingegen ist das alles kein Thema. Das ist schon erstaunlich – unterschiedlicher könnte man damit kaum umgehen.

Bitte nicht missverstehen: Natürlich muss das Thema Datenschutz auf den Tisch, eben weil in den USA ein relativ unbesorgter Umgang mit Daten üblich ist. Aber mancher Artikel erweckt den Eindruck, als könnten die Google-Gründer praktisch direkt auf die Festplatten aller User schauen – und hätten auch noch ausdrücklich Spaß daran. Man sollte sich immer vor Augen führen, dass jeder tatsächliche Datenmissbrauch einen erheblichen Ansichtsverlust von Google zur Folge hätte.

Was nicht bedeuten soll, dass das Thema nicht wichtig wäre. Im Gegenteil. Allerdings sollte die Diskussion anders geführt werden. Ich finde: Google muss endlich mal aus der Deckung. Google muss sich erklären, muss erläutern, welche Daten erhoben und gespeichert werden (und wie lange) und welchem Zweck all diese Daten dienen. Antworten auf diese Fragen hat eigentlich jeder Google-Benutzer verdient – bekommt sie aber nicht.

Und das macht misstrauisch – verständlicherweise.

2 Kommentare
  1. Klaus Hage
    Klaus Hage sagte:

    Lieber Herr Schieb,
    zuweilen habe ich den Eindruck, dass Sie mit Google etwas zu vorsichtig umgehen (habe ich mich diplomatisch genug ausgedrückt?).
    Man sollte das Potential, das dieser Moloch zu entwickeln bereit ist, nicht unterschätzen.

    Klaus Hage, der manchen Dienst von Google regelmäßig und gerne nutzt.

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