Nirgendwo sonst lassen sich leichter Massen mobilisieren als im Netz. Und diese Massen können eine ganz schöne Wirkung entfalten… Heute wird nicht mehr mit den Füßen abgestimmt, sondern per Mausklick. Das Unternehmen möchte ich sehen, das sich ungerührt zeigt, wenn Nörgeleien und Kritik im Netz plötzlich explosionsartig zunehmen. Da werden dann schon mal geplante Änderungen an den AGBs zurückgenommen, „missverständlich“ formulierte Nutzungsbedingungen angepasst oder Angriffe auf Online-Magazine relativiert. Derzeit bekommt es vor allem Spieleschmiede Electronic Arts knüppeldick ab. Aktueller Aufreger ist das neue Computerspiel Spore. Viele Käufer beschweren sich darüber, dass es in dem Spiel einen neuen, besonders unerfreulichen Kopierschutz gibt. Der erlaubt es nämlich nur drei Mal, das Spiel zu installieren – danach ist erst mal Schluss.

Klar, der Hersteller will damit Raubkopien vorbeugen – gerade bei Games ein riesiges Problem. Und nüchtern betrachtet muss man sagen: Ein Spiel drei Mal zu installieren, das müsste eigentlich in 99% aller Fälle reichen. Wer hat schon mehrere PCs zu Hause?

Aber darum geht es nicht. Es geht ums Prinzip. Die Kritik bezieht sich auf das „Digital Right Management“ (DRM) im Spiel. „Der ehrliche Kunde ist der Dumme“, heißt es in Internetforen. Und das stimmt: Der ehrliche Kunde muss sich mit Beschränkungen rumschlagen, während der Unehrliche, der sich das Spiel auf andere Weise „besorgt“, sich keine Gedanken darüber machen muss, wo und wie oft er die Software installiert. Gecrackte Software kennt nunmal kein DRM.

Weiterer Kritikpunkt: Bei der Installation des Spiels wird – ungefragt! – eine unschöne Software in den Tiefen des Systems installiert, die nur eine Aufgabe hat, nämlich darüber zu wachen, dass das Spiel eben nicht zu oft installiert wird. Eigentlich sollte sich doch mittlerweile herumgesprochen haben, dass solche Einschränkungen und Gängeleien beim Kunden nicht gut ankommen. Während die Musikindustrie zurückrudert und Musik immer öfter ohne irgend welche Beschränkungen anbietet, betritt die Software-Industrie nun genau dieses verminte Gelände. Das kann ich nicht verstehen – auch wenn ich grundsätzlich Verständnis dafür habe, dass man versuchen möchte, Raubkopierern das Leben schwer zu machen. Nur: So klappt das eben nicht….

Das Ganze geht nun nach hinten los, könnte sich zu einem PR-Desaster entwickeln. Denn die liebe Kundschaft vergibt im Rezensionsbereich von „Amazon“ massenweise schlechte Bewertungen für das Spiel. Dabei ist gar nicht mal das Spiel selbst gemeint, sondern eher der Kopierschutz – aber das bekommt der eilige Online-Shopper vielleicht gar nicht mit. Der sieht nur: Oh, das Spiel kommt aber schlecht weg. Und kauft womöglich nicht.