Google Earth hat den Globus in Rente geschickt. Mittlerweile lassen sich einzelne Städte sogar in 3D-Ansicht bestaunen – auch bei Microsoft.

Nur selten gelingt es einer Software, derart schnell ins Bewusstsein der Allgemeinheit vorzudringen wie im Fall von Google Earth. Wohl jeder kennt den geschmeidigen Gleitflug à la Superman über die Erde am PC-Bildschirm. Viele nutzen das Programm, um Geschäftstermine oder Urlaubsreisen vorzubereiten. Das alles sieht derart schick aus, dass sogar immer mehr Nachrichtensendungen den Effekt verwenden. Besser bekommen das die Grafiker der Sender auch nicht hin.

Keine Frage: Google Earth ist gut gelungen. Klasse Software, und dann auch noch kostenlos. Doch auf den Lorbeeren ausruhen kann sich Google nicht. Denn Microsoft hat mit der völlig zu Unrecht weitgehend unbekannten Software Virtual Earth ein exzellentes Konkurrenzprodukt herausgebracht. Unter maps.msn.com kann sich davon jeder leicht selbst überzeugen, allerdings derzeit nur auf der amerikanischen MSN-Seite und unter Windows. Wer neben dem üblichen Kartenmaterial auf „3D“ klickt, bekommt die Software „Virtual Earth 3D“ zum Download angeboten.

Das Angebot sollte man annehmen. Denn wer das Programm installiert, kann wenig später atemberaubende 3D-Ansichten vieler US-Städte auf den eigenen Rechner holen. Ob Los Angeles, San Francisco, New York, Seattle, Philadelphia: Der Benutzer hat beim Besuch dieser Orte die Qual der Wahl aus 2D-Stadtplan, Satellitenaufnahmen und beeindruckender 3D-Ansicht. In der 3D-Ansicht ist jeder Hügel zu erkennen, Gebäude und Sehenswürdigkeiten bekommen Konturen, berühmte Gebäude lassen sich zweifelsfrei erkennen. Der Benutzer kann mit der Maus in der Hand durch die Straßenschluchten fliegen, um Gebäude herum segeln oder sich die Umgebung seines Hotels aus der Nähe betrachten.

Nach und nach sollen alle großen US-Städte, später auch Städte anderer Länder in das Programm aufgenommen werden. Der Aufwand, eine komplette Stadt in 3D virtuell nachzumodellieren, ist enorm. Microsoft geht diesen kostspieligen Weg, um Google Earth etwas entgegensetzen zu können. Mit dem für Benutzer kostenlosen Virtual Earth ist das gelungen. Allerdings braucht es einen schnellen Rechner mit 3D-Karte und eine flotte DSL-Leitung, damit der 3D-Stadtbummel nicht zur Tortur wird.

Auch Google setzt auf 3D. Allerdings indirekt. Während Microsoft seine 3D-Modelle in Eigenregie entwickelt, setzt Google auf die Usergemeinde. Längst gibt es Dutzende von 3D-Modellen, die Google-Earth-Benutzer aus dem Netz laden können und nahtlos in die Optik von Google Earth integriert werden. Ob einzelne Gebäude oder komplette Straßenzüge: Dank des offenen Standards von Google Earth lässt sich quasi alles modellieren und in Google Earth einbauen. In jeder beliebigen Detailtiefe. Einziger Nachteil: Google Earth findet solche Erweiterungen nicht selbst, wenn es sie gibt, anders als Virtual Earth. Der Benutzer muss sie sich bei Interesse gezielt aus dem Netz laden.

Ein eindrucksvolles Beispiel ist die 3D-Nachbildung von Berlin. Die Stadt hat 44.000 Gebäude der Metropole als 3D-Drahtgittermodell ins Netz gestellt. Der Google-Earth-Benutzer kann den neuen Hauptbahnhof besuchen und sogar in das Gebäude hinein gehen. Die Außenfassade des Reichstags ist perfekt nachgebildet, auch hier ist ein Besuch im Gebäude möglich. Es macht einfach Spaß, eine virtuelle Sightseeing-Tour durch Berlin zu unternehmen. Einfach das 3D-Paket unter springhin.de/berlin laden, danach wird automatisch Google Earth gestartet und es geht los. JOERG@SCHIEB.DE