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Ein neuer Browser stellt Webseiten und Suchergebnisse als frei schwebende 3D-Objekte dar: Eine ganz neue Art, im Web zu surfen oder Suchergebnisse präsentiert zu bekommen.

Das Auge isst bekanntlich mit. Oder anders gesagt: Es spielt schon eine gewisse Rolle, ob eine Benutzeroberfläche gelungen ist. Wenn es Spaß macht, ein Programm zu bedienen, wenn alles aufgeräumt wirkt und der Benutzer sich gut und leicht orientieren kann, dann lassen sich bessere Ergebnisse erzielen und Ziele schneller erreichen. Liegt eigentlich auf der Hand. Entwickler in aller Welt sind daher unentwegt auf der Suche nach neuen Ideen und Bedienkonzepten. Microsoft betreibt eigens ein „Usability Lab“, in dem neue Bedienkonzepte an Probanden ausprobiert werden.

3D statt Tabbed Browsing

In der Regel werden jedoch nur kleine Fortschritte gemacht. In der Welt der Browser zum Beispiel hat sich in den letzten Jahren das „Tabbed Browsing“ durchgesetzt. Alle Browser bieten diesen Service mittlerweile an, selbst der Internet Explorer. Tabbed Browsing erlaubt, mehrere Webseiten gleichzeitig zu laden und sie alle in einem Browser-Fenster zu verwalten. Durch Anklicken der Register („Tabs“) kann der Benutzer jederzeit schnell und bequem zwischen den offenen Webseiten wechseln.

Doch nun gibt es eine neue Möglichkeit, elegant mit mehreren Webseiten zu jonglieren. Das amerikanische Softwarehaus SpaceTime hat eine Art 3D-Browser entwickelt, der angesteuerte Webseiten und Suchergebnisse als frei schwebende Objekte darstellt. Den neuen 3D-Browser gibt es kostenlos unter http://www.spacetime.com, derzeit allerdings nur für Windows-Rechner. Nach der Installation, die nur einige Sekunden dauert, kann der Benutzer den 3D-Browser starten und die ersten Webseiten ansteuern. Sind erst mal mehrere Webseiten geladen, kann man sich wie in einem Videospiel frei zwischen den Fenstern bewegen, einzelne Fenster heranzoomen – oder auf Knopfdruck ganz normal weitersurfen.

Derzeit nur für Windows

Die optische Anmutung erinnert an den „3D Flip“ genannten Effekt im neuen Windows Vista. Hier lässt sich durch Drehen am Mausrad zwischen den offenen Anwendungen auswählen, die Vista als optisch ansprechenden 3D-Stapel präsentiert. Die nächste Version von Mac OS X bietet ähnliche Effekte. SpaceTime hat diesen Effekt konsequent weiterentwickelt: Die Software erschafft quasi einen virtuellen 3D-Raum für Webseiten. Wer mag, kann virtuell zwischen den Fenster umher wandern, kann einzelne Webseiten heranzoomen und sich auch wieder entfernen, Blickwinkel oder Perspektive verändern. Das ist ein optischer Leckerbissen. Wer sehr viele Webseiten geöffnet hat, kann auf diese Weise durchaus für eine gewisse Ordnung sorgen.

Natürlich ist auch ganz normales Surfen möglich: Ein Doppelklick auf das gewünschte Fenster, und der Browser wechselt von der 3D-Darstellung in die gewohnt 2D-Darstellung. Danach lässt sich die Webseite wie in jedem anderen Browser benutzen und bedienen. Ein Klick auf „Go Back“ (der Spacetime-Browser ist derzeit nur mit englischer Benutzeroberfläche zu haben), und das 2D-Fenster fügt sich wieder in die 3D-Welt ein. Der Flug durch die 3D-Webseiten geht weiter.

Auch eBay, Google-Ergebnisse und flickr

Der SpaceTime-Browser hat aber noch mehr zu bieten, vor allem wenn es darum geht, etwas zu suchen. Wer zum Beispiel mit SpaceTime eine Google-Anfrage durchführt, bekommt nicht nur die Google-Ergebnisseite präsentiert, sondern auch gleich die ersten zehn Trefferseiten. Ähnliches gilt für Bildrecherchen: Spacetime durchforstet auf Wunsch die flickr-Bilderdatenbank und präsentiert nach Eingabe eines Suchbegriffs die ersten zehn Fotos als 3D-Galerie. Das Online-Auktionshaus eBay lässt sich auf ganz ähnliche Weise durchstöbern.

Über einen Zeitstrahl am unteren Bildschirmrand kann der Benutzer jederzeit die verschiedenen Suchanfragen ansteuern, quasi die vierte Dimension bei dieser Art, das Internet zu nutzen.

Die Entwickler haben nach eigenen Angaben mehrere Jahre Arbeit in die Darstellungstechnologie gesteckt. Die Anzeige erfolgt erstaunlich schnell, auf modernen PCs lässt sich 3D-Welt ruckelfrei durchwandern, selbst wenn sehr viele 3D-Fenster geöffnet sind. Das macht Spaß – und kann durchaus sinnvoll sein, allerdings nicht in jedem Fall. Letztlich ist es auch eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob einem eine derartige 3D-Oberfläche gefällt oder nicht. Ausprobieren kostet aber nichts: Der 3D-Browser lässt sich kostenlos laden, testen und nutzen.

Wer die neuen 3D-Effekte nutzen möchte, braucht allerdings einen schnellen Rechner und eine 3D-Grafikkarte mit wenigstens 128 MByte Arbeitspeicher, besser mehr.