Es ist schon erstaunlich, was Software heutzutage alles zuwege bringt. Computerprogramme können zum Beispiel Gesichter in der Menge erkennen, sie sortieren faule Tomaten vom Fließband, helfen beim Retuschieren von Fotos oder wehren Eindringlinge aus dem Internet ab. Software hat durchaus etwas Magisches, vor allem für Menschen, die nicht programmieren können und daher auch nicht wissen, welche Aufgabe für ein Computerprogramm eine richtig schwere Nuss ist – und was quasi nur eine Fingerübung.

Ein Lied zu erkennen, das jemand vorsingt oder summt, ist jedenfalls eine echt harte Nuss. Nicht nur für Software. Auch ein Mensch erkennt nicht ohne weiteres, was gemeint ist, wenn andere ein paar Takte eines Songs vorsingen oder leise vor sich hin summen. Schon allein deswegen, weil die meisten Menschen einigermaßen unmusikalisch sind, allzu oft nicht den richtigen Ton treffen und auch den Text des Songs nicht beherrschen.

Songs erkennen, diesen Job übernimmt jetzt eine Webseite. Midomi.com ist sozusagen die erste Suchmaschine für Lieder. Die Webseite findet heraus, um welchen Song es sich handelt. Einfach zum Mikrofon greifen, die Webseite http://www.midomi.com aufrufen, das Logo mit dem Mikro anklicken und los singen. 20 Sekunden reichen schon, mehr werden aber gerne genommen. Danach analysiert das Computerprogramm das Gesungene und spuckt eine Liste mit möglichen Treffern aus.

Wer sich ein bisschen Mühe gibt und keine ausgesprochen seltenen Titel vorsingt, wird verblüfft sein, wie gut Midomi funktioniert: Die Trefferquote ist erstaunlich hoch. Einige Tausend Musikstücke sind bereits in der Lieder-Suchmaschine gespeichert. Midomi wird nicht etwa von der Musikindustrie bereitgestellt, sondern ist eine neue Web-2.0-Anwendung. Und das bedeutet: Jeder kann mitmachen. Das Portal verdankt sein „Wissen“ der Internetgemeinde. Je mehr Leute den Musik-Suchdienst nutzen und Lieder vorsingen, umso besser werden die Ergebnisse.

Midomi lernt also bei jeder Liedersuche dazu. Jeder kann zum Mikro greifen und ein Lied trällern. Der Server nimmt alles, egal ob schräg gesungen – oder mit einer Stimme, die das Zeug zum Superstar hat. Es macht rein gar nichts, wenn man selbst nicht singen kann, völlig unmusikalisch ist oder keinen Ton richtig trifft. Denn so geht es schließlich den meisten.

Genau hier liegt das Geheimnis des Erfolgs: Da wahrscheinlich viele „Umbrella“ von Rihanna ähnlich grauenvoll und schräg singen wie ich, hat Midomi kein Problem damit, meinen Gesang einzuordnen. Der Verkäufer im CD-Laden hätte wahrscheinlich seine Stirn in Falten geworfen. Zu Hause am PC muss auch niemand allzu viel Mut aufbringen, etwas vorzusingen. Da hört erst einmal keiner zu.

Wer bei Midomi richtig mitmachen will, registriert sich bei midomi.com und füttert unentwegt die Datenbank. Der besondere Charme dabei ist, dass man sich anhören kann, wie andere ein Lied gesungen oder gesummt haben. Da sind viele dabei, die durchaus Talent besitzen, aber auch viele, bei denen es eher so klingt wie bei einem selbst.

Und noch eine weitere Suchmöglichkeit bietet Midomi: Wenn man bereits den Songtitel oder den Interpreten eines Liedes kennt, kann man auch ganz gezielt danach suchen – ohne selbst vorsingen zu müssen. Erinnert man sich an einzelne Liedzeilen, gleicht Midomi diese Fragmente mit den Beiträgen aus der Gesangs-Community ab. Sehr praktisch.

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