Nun hat auch Adobe eine eigene Online-Textverarbeitung: Mit Buzzword lassen sich komfortabel Texte schreiben, gestalten und ausdrucken – kostenlos.

Der Softwaremarkt ist im Umbruch. Immer mehr klassische Desktop-Anwendungen wandern ins Internet. Und das bedeutet konkret: Der PC-Benutzer kann online Aufgaben erledigen, für die bis vor kurzem zwingend eine teure Spezial-Software nötig war. Egal, ob man Texte schreiben, Zahlen verwalten oder Fotos bearbeiten möchte: Im Internet gibt es exzellente Onlineanwendungen, die alles erledigen – und das in der Regel kostenlos.

Der Trend hat an Fahrt gewonnen. Zwar haben Online-Anwendungen nicht nur Vorteile. Stichwort: Datensicherheit. Doch wer als Softwareschmiede nicht aufpasst und den Trend verschläft, steckt schon bald in ernstes Schwierigkeiten. Das begreifen immer mehr Anbieter, jetzt auch Adobe. Bereits Anfang März hatte Adobe angekündigt, das ehrwürdige Photoshop komplett ins Web zu bringen. Das Ziel: Eine werbefinanzierte Foto-Software, die auf jedem PC mit Internetanschluss zur Verfügung steht, aber trotzdem den Komfort einer Profisoftware bietet.

Nun hat Adobe überraschend die Online-Textverarbeitung Buzzword von Virtual Ubiquity gekauft. Damit hat sich Adobe eine hervorragende Software gesichert, die in Fachkreisen großen Respekt genießt. Vor allem, weil Buzzword äußerst schnell ist und darüber hinaus eine exzellente Benutzeroberfläche bietet. Buzzword setzt auf die kostenlos erhältliche Browser-Erweiterung Flash. Alles, was man braucht, um mit Buzzword Texte zu erstellen oder zu bearbeiten, ist ein Browser mit Onlinezugang.

Damit tritt Adobe in direkte Konkurrenz zu Google. Doch Buzzword kann es mühelos mit Googles Textprogramm “Google Text” aufnehmen. Zwar befindet sich Buzzword im Augenblick noch im Betastadium. Doch das soll sich schon bald ändern. Unter http://www.getbuzzword.com können sich Interessenden anmelden. Sie müssen allerdings warten, bis eine Freischaltung erfolgt.

Buzzword ist eine Textverarbeitung, die in die moderne Zeit passt. Durch die zunehmende Vernetzung übers Internet stellen Benutzer heute andere Anforderungen an eine Textverarbeitung als früher. Es kommt im Zweifel nicht mehr unbedingt darauf, dass ein eingetippter Text perfekt zu Papier gebracht werden kann. Oft werden Texte gar nicht mehr ausgedruckt, sondern im Web veröffentlicht. Deshalb sind viele Funktionen, die in einer guten, klassischen Textverarbeitung erwartet werden und auch enthalten sind, in einem Online-Textprogramm eher überflüssig.

Buzzword bietet bislang deutlich weniger Funktionen als zum Beispiel Microsoft Word. Für viele Aufgaben reicht das Onlineprogramm aber dennoch schon heute völlig aus. Die Möglichkeiten zur Textgestaltung sind nicht nur ausreichend, sondern exzellent – das gilt vor allem für Texte, die fürs Internet gedacht sind. Ausdrucken lassen sich die Textdokumente natürlich trotzdem.

Die große Stärke von Online-Textprogrammen wie Buzzword ist, dass die Texte auf Wunsch im Netz gespeichert werden und mehrere Personen darauf zugreifen können, etwa Kollegen. Das erleichtert kollaboratives Arbeiten, etwa die gemeinsame Entwicklung eines Konzepts. Jeder kann Korrekturen vornehmen, jeder Kommentare eintragen. Doch während ein Word-Dokument jedes Mal per E-Mail verschickt werden muss, lagern Textdokumente bei einer Online-Textverarbeitung irgendwo im Netz. Bei Bedarf, passwortgeschützt. Ideal für Teamarbeit.

Buzzword ist anderen Online-Textprogramme wie Google Text außerdem in einem wichtigen Punkt überlegen: Einmal installiert, lässt sich Buzzword auch offline benutzen, etwa unterwegs mit dem Notebook. Es ist also nicht zwingend eine Verbindung ins Internet nötig. Ungewöhnlich für eine Online-Anwendung. Möglich macht das die neue “Adobe Internet Runtime” (AIR), die beim ersten Aufrufen von Buzzword automatisch auf dem PC eingerichtet wird. Buzzword kann Dokumente im Internet speichern, aber auch auf Festplatte.

Adobe will es allen potenziellen Umsteigern leicht machen: Buzzword kann nicht nur mit Microsoft Word gespeicherte Dokumente laden, sondern importiert ebenso mühelos auch das Richt-Text-Format (RTF) oder XML-Dateien. PDF und das “Open Document Format” (ODF) werden derzeit noch nicht unterstützt, doch das soll sich rasch ändern.

Der zunehmende Druck auf Microsoft Office hat durchaus Folgen. So hat Microsoft jetzt den Preis für seine Home & Student Edition von Microsoft Office 2007 auf 139 Euro gesenkt. Darin enthalten: Word, Excel und Powerpoint, allerdings noch als klassische Desktop-Anwendung. Die Programme dürfen im Privatbereich auf bis zu drei Rechnern installiert werden. Doch auch Microsoft plant, Office als webbasierte Lösung anzubieten. Allerdings gegen Bezahlung.