Es gibt nur wenige Anwendungen mit „Wow“-Effekt. Google Earth gehört zweifellos dazu. Denn kaum jemand kann sich der Faszination der beeindruckenden 3D-Anflüge auf die Erde entziehen, die Google Earth bietet. Allerdings setzt nach einer Weile eine gewisse Gewöhnung ein – und man findet nichts mehr dabei.

Dann muss etwas Neues her. Mein Vorschlag als Anwendung mit derzeit größtem Wow-Effekt: Google Earth fürs iPhone. Seit Anfang der Woche können iPhone-Benutzer im App Store kostenlose eine Version von Google Earth laden, die speziell für Apples Handy entwickelt.

Eleganter Globus mit 3D-Ansicht

Wer ein iPhone oder einen iPod Touch benutzt, sollte die Software gleich mal ausprobieren, denn nur wenige Anwendungen nutzen die Möglichkeiten von iPhone und iPod Touch derart konsequent und elegant aus wie Google Earth. Das Laden und Installieren der Software funktioniert gewohnt einfach und unkompliziert. Nach dem Start ermittelt das Programm per GPS, GSM oder WLAN die aktuelle Position. Erstaunlich: Selbst wenn GPS ausgeschaltet und die Mobilfunkfunktion deaktiviert ist, ermittelt Google Earth den aktuellen Aufenthaltsort erstaunlich präzise. Die IP-Adresse im WLAN reicht dafür aus. Mit GPS lassen sich natürlich die besten Ergebnisse erzielen.

Dank Touchscreen kann man besonders elegant navigieren: Ein Fingertippen reicht, um eine bestimmte Position anzufliegen. Wer mit seinem Finger über die Karte fährt, kann bequem die Position verändern. Besonders beeindruckend ist aber, wie sich Google Earth den in iPhone und iPod Touch eingebauten Bewegungssensor zunutze macht: Durch Kippen des Geräts lässt sich nahezu stufenlos der Blickwinkel verändern. Aus einer Draufsicht wird eine Ansicht mit Perspektive.

3D-Panorama inklusive

Höhenunterschiede lassen sich in der Ansicht recht gut erkennen. Wer ein Gebirge ansteuert (einfach „Matterhorn“ in die Suchfunktion eingeben) und das Bild kippt, hat fast den Eindruck, im Display ein 3D-Panorama geboten zu bekommen.

Google füttert das übliche Satelliten-Bildmaterial auf Wunsch mit den üblichen Daten und Informationen an, etwa Ortsangaben, Ländergrenzen und einiges mehr. So lassen sich mit iPhone und iPod Touch auch verknüpfte Wikipedia-Artikel oder georeferenzierte Fotos aus dem Google-Fotodienst Panoramio abrufen. Wer das nicht braucht, kann diese Extras natürlich auch abschalten.

Eine schnelle Datenverbindung ist Voraussetzung, um bei der Nutzung des neuen Dienstes keinen Frust aufkommen zu lassen. Mit WLAN und UMTS funktioniert es prima. Wer nur eine langsame Edge-Verbindung nutzen kann, wird allerdings keinen Spaß am neuen Google Earth haben. Auch merkt man deutlich, dass Googles neue Software den Apple-Geräten Höchstleistungen abverlangt. Es ruckelt und zuckelt mitunter.

Navisysteme der Zukunft

Aber dafür wird man Zeuge, wie Navigationssysteme der Zukunft aussehen könnten: Sie bilden die Umgebung, in der wir uns gerade befinden, nahezu perfekt ab. Das ist wirklich beeindruckend – und kann auch sinnvoll sein, spätestens dann, wenn man im Handy nicht nur die Adresse des gesuchten Restaurants sieht, sondern den kompletten Straßenzug samt Gebäude. Die Fortschritte, die Google Earth macht, sind wirklich verblüffend.

Es gibt natürlich einen weiteren Nachteil, der die Freude erheblich trübt: Das mobile Google Earth saugt den Akku im Rekordtempo leer. Denn wer solch riesige Datenmengen überträgt, GPS und Bewegungssensor benutzt und auch noch Höchstleistungen vom Display verlangt, darf sich nicht wundern, wenn der Akku unter der Belastung ächzt. Schade, denn es macht richtig Spaß, unterwegs das neue Google Earth zu benutzen.