Endlich haben wir Sommertheater. Wenn eine CSU-Politikerin wie die bayerische Justizministerin Beate Dingsbums – Moment, ich schaue schnell mal nach, es ist Beate Merk -, es mit geradezu lächerlichen Äußerungen wie den Vorwürfen in Richtung FDP in die Presse schafft, dann muss einfach Ferienzeit sein.

Niemand wundert es, wenn die CSU die Internetsperre will – auch wenn das gegen jede Vernunft spricht, eigentlich längst durchdiskutiert ist und nicht ohne Grund im Koalitionsvertrag anders vereinbart ist. Zum gefühlt hunderttausendsten Mal also verlangt eine konservative Politikerin/ein konservatiber Politiker alle vernünftigen Argumente ignorierend die Internetsperre, also das Sperren von Webseiten mit kriminellen Inhalten. Dabei ist längst entschieden: Es wird gelöscht statt gesperrt. „Reicht nicht“, meint Beate Merk – und verlangt eben (auch?) nach den Sperren, und es ist ihr nicht mal peinlich, der FDP vorzuwerfen, für die Verrohung der Jugend verantwortlich zu sein, eben weil sie (die FDP) gegen die Internetsperre ist.

Wie das eine (Verrohung der Jugend) mit dem anderen (Sperren von Webseiten mit Kinderpornografie) überhaupt in einem Satz untergebracht werden kann, ohne vor Schamesröte anzulaufen, ist mir ein Rätsel. Denn selbst wenn es stimmen sollte, dass die Jugend verroht, dann sicher nicht, weil Kinderpornografie im Netz zu finden ist – nur wenige Jugendliche interessieren sich für solche Inhalte.

„Wenn man sich ansieht, welche Folgen der Konsum von schädlichen Videos haben kann, ist die Laissez-faire-Politik der FDP bei Kinderpornos im Netz grob fahrlässig“, sagte die stellvertretende CSU-Vorsitzende (auch das noch) Merk am Donnerstag in München. Die Äußerung ist meiner bescheidenen Meinung nach an Dummheit und Dreistigkeit nur schwer zu übertreffen – und wirft kein gutes Licht auf die Personalwahl der CSU im Allgemeinen und die Sachkenntnis der CSU bei Medienthemen im Besonderen.

6 Kommentare
  1. Chekotay
    Chekotay sagte:

    Da bin ich ganz der Meinung von Herr Schieb. Einfach nur sperren hat keinen Sinn, löschen und die Verantwortlichen für solche Seiten mit sehr hohen Strafen belegen ( am besten Haftstrafen ) könnte da mehr bewirken.

  2. Ubuntu-User
    Ubuntu-User sagte:

    @Gebele: Schieb hat nicht behauptet, dass man kriminelle Inhalte im Web behalten sollte, im Gegenteil; bloß ein Vorhand in der Form einer Sperre bringt einfach nichts, außer dass es Ressourcen (Geld und Mannkraft) bindet die besser eingesetzt werden könnten. Löschen ist der einzige Weg, der nachhaltig sein kann, die Quelle muss versiegen, man kann vor so was nicht einfach die Augen verschließen bzw. verschließen lassen und tatsächlich glauben, dass die echten Pedokriminellen sich vor mit einer eindeutig nicht wirkungsvollen (da sehr leicht zu umgehenden) Sperre von ihrem Tun abhalten lassen werden.

  3. franky4you
    franky4you sagte:

    Könnten ja erst mal mit den Abzockersites anfangen, da verschwinden zig Millionen im Nirwana und der Staat incl. Justiz bekommts nicht die Bohne gebacken (oder wollen es nicht), bevor die deutschen IT-Helden es mal wieder mit der ganzen Welt aufnehmen wollen.

  4. Jörg Schieb
    Jörg Schieb sagte:

    Hier wird aber eine Menge durcheinander geworfen: Demokratie. Auf eine Stufe stellen. Dummheit vorwerfen… Meine Güte. Ich kann leider keinen roten Faden erkennen…

    Um es noch mal deutlich zu machen: Ich bin, wie alle vernünftigen Menschen, dafür, Webseiten mit kriminellen Inhalten zu ENTFERNEN. Nur das ist sinnvoll. Außerdem sollten die Straftäter verfolgt werden. Eine Sperre aber ist NICHT SINNVOLL, da nicht effektiv. Es ist nur wie eine spanische Wand. Die kriminellen Inhalte sind dann immer noch da, auch wenn SIE sie vielleicht dann nicht sehen. Sie fühlen sich dann vielleicht besser – ich nicht.

    Deshalb sollte man den Weg der Vernunft gehen, und nicht den Weg des Populismus. Der Weg der Vernunft, das zeigen nahezu alle Untersuchungen, ist: Quelle stilllegen. Also abschalten, löschen. Aber nicht sperren. Das ist ein Feigenblatt.

    Was das mit „Schuster, bleib bei Deinen Leisten“ zu tun haben soll, ist mir ein Rätsel. Als Fachmann habe ich nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, andere darauf hinzuweisen, wenn sie etwas verlangen, was sinnlos und falsch ist. Im Interesse aller.

  5. Gebele
    Gebele sagte:

    Sehr geehrter Herr Schieb, wenn Sie der Meinung sind, dass man Internetseiten die sich kriminell darstellen, im Netz behalten sollte, dann haben Sie in der ersten Stunde der Demokratie geschlafen. Wer sich öffentlich brüstet, man sollte kriminelle Seiten nicht sperren dürfen, der brüstet sich, dass er sich mit denjenigen auf eine Stufe stellt, die unsere Heranwachsenden zu kriminellen Handlungen animiert. Wer Recht nicht von Unrecht unterscheiden kann, sollte sich mit solchen Äußerungen nicht auch noch profilieren wollen. Und wer andere (Politiker) als dumm bezeichnet, sollte sich selbst mal an die Nase fassen, wenn er solches Zeugs verbreitet! Ich sage nur: Schuster bleib bei deinen Leisten ! MFG Gebele

  6. Hollywooth
    Hollywooth sagte:

    Selbstverständlich gehört alles, was der CSU schaden könnte , verteufelt und im Internet gelöscht. Es gibt eben verschiedenen Menschenrassen speziell auch die bairische Rasse. Es ist eigentlich die Zeit gekommen, für diesen Freistaat eine eigene Währung einzuführen. Eine eigene Sprache ist ja bereits vorhanden.

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