Das Enthüllungsportal Wikileaks ist längst mehr als nur eine Webseite, auf der man diskret und anonym vertrauliche Dokumente veröffentlichen kann. Wikileaks ist zu einem Politikum geworden – weltweit. Die einen wollen Wikileaks unterstützen, die anderen möglichst schnell kaputt einstellen. In einem Punkt sind sich allerdings beide Seiten einig: Sie kämpfen mit extrem harten Bandagen.

Die US-Regierung versucht, Wikileaks mit allen Tricks kleinzukrie-gen. Da werden US-Firmen unter Druck gesetzt, damit sie Wikileaks kündigen, etwa Provider wie Amazon oder Zahlungsanbieter wie Mastercard, Visa oder Paypal. Der Wikileaks-Gründer Julian Assan-ge wird weltweit gejagt, wenn auch wegen merkwürdiger Gründe. Und die Wikileaks-Seite wird attackiert, im Netz angegriffen… Alles keine sauberen Methoden.

Umgekehrt greifen auch die Wikileaks-Sympathisanten zu unlaute-ren Mitteln. Sie legen die Server von Firmen wie Mastercard lahm, weil sie Wikileaks kein Geld mehr überweisen, sie attackieren die Webseiten von Unterstützern der US-Regierung. Ebenfalls nicht legal – eher eine emotionale Reaktion. Keine vernünftige.

Wikileaks stellt eine Menge auf den Kopf. Geheimnisse sind plötzlich nicht mehr geheim, selbst Supermächte, große Firmen und Institutionen müssen befürchten, die Kontrolle über den Informationsfluss zu verlieren. Einfach nur Kontrolle und Druck ausüben zu wollen, so wie im analogen Zeitalter, ist jedenfalls keine Lösung. Die Öffentlichkeit hingegen muss sich fragen, ob sie wirklich alles wissen will, um jeden Preis. Wir alle müssen uns mit Wikileaks auseinandersetzen.