Damit hat wohl keiner gerechnet: Nachdem Wikileaks quasi auf allen Kanälen angegriffen wurde, haben sich innerhalb kürzester Zeit überall auf der Welt Sympathisanten eingefunden. Sie untersützen Wikileaks – direkt und indirekt. Die einen spiegeln die Inhalte und sorgen so dafür, dass auch unter erschwerten Bedingungen die Inhalte nicht verloren gehen. Die anderen „bestrafen“ die Firmen, die Wikileaks im Regen haben stehen lassen – allen voran Mastercard, Paypal, Visa und Amazon.

Auch Amazon? Wer Amazon nur als Onlineshop kennt, mag das nicht verstehen. Aber Amazon ist einer der größten und wichtigsten Anbieter von Webspace und Web-Servern für Unternehmen jeder Größe. Nirgendwo sonst kann man derart schnell und einfach verlässlich Kapazitäten buchen und nutzen wie bei Amazon. Nun ist Amazon Anfang Dezember dadurch aufgefallen, dass das Unternehmen Wikileaks einfach vor die Tür gesetzt hat: Wikileaks durfte vom einen auf den anderen Tag seine Inhalte nicht mehr bei Amazon „hosten“, also speichern.

Die Strafe: Hacker in aller Welt haben versucht, Amazon durch eine „Denial of Service“-Attacke in die Knie zu zwingen. Bei Mastecard ist das geglückt – bei Amazon erst mal nicht. Aber am Sonntag ging auch bei Amazon für knapp eine Stunde gar nichts mehr, zumindest in Europa. Die Webseiten des Onlineshops waren in vielen europäischen Ländern nicht erreichbar, auch in Deutschland nicht.

So ein Ausfal ist für den Onlinehändler ein Desaster, schließlich wird in der Vorweihnachtszeit so kräftig eingekauft wie nie. Jede Offlineminute bedeutet kräftige Umsatzverluste, daher war der Ausfall ein teurer Spaß für Amazon.

Amazon selbst erklärt, es habe sich um einen „Hardwarefehler“ gehandelt. Doch diese Erklärung ist unglaubwürdig, denn Amazon ist einer der am besten organisierten Anbieter für Webspace überhaupt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein simpler Hardwarefehler die gesamte Infrastruktur eines Kontinents stört, ist sehr gering. Wahrscheinlicher ist da wohl, dass hier WikiLeaks-Sympathisanten aktiv waren. Die hatten ohnehin angekündigt, Amazon zu attackieren, so wie vergangene Woche Mastercard, Visa, Paypal und andere.

Anfang Dezember hat Amazon WikiLeaks dann überraschend gekündigt. Offiziell wegen Verstoßes gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Inhalte auf WikiLeaks seien illegal. Allerdings kann das offensichtlich nicht ganz stimmen. Denn in Wahrheit mühen sich Politiker und Strafverfolgungsbehörden ab, ein Gesetz zu finden, gegen das WikiLeaks-Gründer Julian Assange oder WikiLeaks selbst verstoßen haben könnten – und finden keins. Daher ist es mehr als überraschend, dass Amazon derart argumentiert. Eine Grundlage gibt es dafür derzeit nicht.

Es wäre viel besser gewesen, Amazon hätte es darauf ankommen lassen und ein Gericht angerufen. Das hätte dann in aller Ruhe entscheiden können, ob WikiLeaks mit seinem Portal tatsächlich gegen geltendes Recht verstößt. Diese Frage zu klären wäre spannend geworden.

Doch darauf hat sich Amazon nicht eingelassen. Jetzt steht Amazon da als ein Unternehmen, das zwar Bücher verkauft, aber sich nicht für die freie Rede einsetzt und auf gewisse Weise sogar Zensur betreibt, so interpretieren es zumindest die Sympathisanten von WikiLeaks. Keine gute PR.

1 Antwort
  1. Quaxxx
    Quaxxx sagte:

    Schöne Darstellung mit hilfreicher Argumentation.
    Amazon hat von mir umgehend eine E-Mail bekommen.

Kommentare sind deaktiviert.