Das Netz und Karl-Theodor zu Guttenberg… Was für eine ambivalente Beziehung. Ohne das Internet, da sind sich alle einig, wäre der Druck auf den Ex-Bundesverteidigungsminister wohl kaum so groß gewesen, er hätte zumindest nicht so lange angehalten. Und ohne GuttenPlag hätte sich auch nicht so schnell herumgesprochen, wie viele geklaute Stellen es in der Doktorarbeit von zu Guttenberg gibt. Erst durch die gemeinsame Recherche im Wiki ist das deutlich geworden – überdeutlich.

Deswegen: Das Netz hat schon eine gewisse Rolle gespielt in der Affäre, hat den Fall der einstigen Lichtfigur erheblich beschleunigt.

Nun ist zu Guttenberg zurückgetreten – und der umgekehrte Fall tritt ein. Die spontan gegründet Facebook-Gruppe “Wir wollen Guttenberg” zurück hat wenige Tage nach Gründung bereits über 550.000 Fans.

Karl-Theodor zu Guttenberg hat viele Fans in der Bevölkerung. Und die drü-cken in der Facebook-Seite nicht nur ihr Bedauern aus, dass zu Guttenberg gegangen ist, sie wollen ihn eindeutig zurück und organisieren über die Plattform sogar Demonstrationen im echten Leben.

Das Internet, die sozialen Netzwerke sind bei den Menschen angekommen: Sie nutzen sie, um ihre Meinung zu sagen, politisch aktiv zu werden, etwas zu bewegen – und das ist nicht nur richtig, sondern auch gut so.

7 Kommentare
  1. krischan
    krischan sagte:

    Tja, entweder haben da ein paar Leute aus Spaß ein bisschen viel herumgeklickt oder eine größere Gruppe von Internetusern kapiert noch immer nicht die Relevanz von Guttenbergs Betrug.
    Nun ja, was erwartet man von einer Internet-Bevölkerung, der das Eigentum (auch das der Vervielfältigung) so ziemlich schnurz ist, denen es egal ist, ob sie einen Komponisten oder Sänger um ihr Brot bringen, wenn sie einen Song einfach mal so schnell bei youtube hochladen oder als torrent zum Selbstklau zur Verfügung stellen. Oder ob sie andere schädigen, wenn sie Raubkopien von Filmen weitergeben.
    Klar, dass da ein Guttenberg sehr viel Sympathien weckt, vergleicht man seinen Betrug mit dem Schummeln oder Abschreiben bei einer Klassenarbeit – auf diesem Niveau scheint es bei den Befürwortern zu gehen.
    Ich möchte mal diejenigen sehen, wenn jemand ihnen ihre CD-Sammlung (so sie eine solche überhaupt legal besitzen) wegnimmt oder gar den PC mit all den Raubkopien.
    Nein, ich kann diese Internet-Fans von Guttenberg nicht ernst nehmen, weil die noch nicht in der Welt der Erwachsenen angekommen zu sein scheinen, sondern noch auf der pubertären Idol-Ebene stehen geblieben sind. Tja, und so verstehen sie nicht, was an der “Arbeit” von Guttenberg so strafbar ist.
    Hätte Guttenberg den Tante Emma-Laden um die Ecke bestohlen (oh, da habe ich ja den Käse, die Kaugummis, die Milch und die Uhr aus Versehen nicht bezahlt), dann sähe die Sache gewiss anders aus.

  2. Hollywooth
    Hollywooth sagte:

    Sorry, durch einen “Fehlklick” steht der Hinweis unter dem Artikel Smartphone etc.. Nehme also alles zurück und bestellte den Newsletter wieder. Ein geknickter Hollywooth…

  3. Hollywooth
    Hollywooth sagte:

    Zensur auch hier? Gutmensch Guttenberg wohl eine Heiligenfigur auch bei Schieb? Erwarte eigentlich von diesem Newsletter interessante Tipps, keine Politik. Bestelle also den Newsletter ab.

  4. Berlin2011
    Berlin2011 sagte:

    Ich verstehe gar nicht, dass das Interesse an der “Buyreuth-Affäre” derart nachlässt, dass scheinbar niemanden mehr interessiert, dass

    – zu Guttenberg bei der Vergabe der Anzeigen-Kampagnen des BMVg an die Bild-Zeitung in einem objektiven Interessenkonflikt stand

    http://berlin2011.wordpress.com/2011/02/27/beschaftigt-die-bild-zeitung-einen-verwandten-zu-guttenbergs/

    – die Universität Bayreuth einen ehemaligen CSU-Generalsekretär als Leiter des “Career-Service” beschäftigt

    http://berlin2011.wordpress.com/2011/02/26/uni-bayreuth-beschaftigt-csu-lobbyisten/

    – und von der Familienunternehmung der zu Guttenbergs prompt 750.000 € “Anschubfinanzierung” entgegennahm, wären deren Spross um ein “summa cum laude” buhlte”:

    http://berlin2011.wordpress.com/2011/02/24/zu-guttenberg-lies-uni-bayreuth-bezuschussen/

    Der Spiegel titelte in den 80er Jahren im Zuge des Flick-Skandales mit “Die gekaufte Republik”. Dabei passt die Überschrift heute mindestens ebensogut, denn Friede Springer argumentiert heute genauso wie im Flick-Skandal dereinst Eberhard von Brauchitsch:

    Welt am Sonntag, 23.01.2011
    Friede Springer – “Der Staat kann nicht alles”

    http://www.friedespringerstiftung.de/WamS%20-%20Friede%20Springer.pdf

    Im Kuratorium der Friede-Springer-Stiftung: Kanzlergatte Joachim Sauer.

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