Wie viel Privatsphäre soll sein, wie viel muss sein? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, vor allem nicht in sozialen Netzwerken. Denn hier gehen die Bedürfnisse weit auseinander: Die einen wollen gut gefunden werden und sind sehr freizügig mit Fotos und Informationen, andere sind lieber zurückhaltend und wollen ganz genau kontrollieren, wer was sehen darf.

Datenschützer haben sowieso immer Magenschmerzen, sobald überhaupt Daten um die Welt gehen. Darum muss jeder selbst entscheiden, was über ihn online steht. Bei Facebook ist es jetzt einfacher geworden, die eigene Privatsphäre zu schützen, bei Google+ war es von Anfang an einfach. Aber auch an Google+ gibt es Kritik. Unser Internetexperte Jörg Schieb erklärt uns, wie wir in den sozialen Netzwerken unsere persönlichen Daten verwalten.

Einfache Handhabung bei Google+

Wie gut, dass Facebook endlich Konkurrenz bekommen hat. Denn bei Google+ ist vieles deutlich einfacher als bei Facebook. Zum Beispiel festzulegen, mit wem man im Internet eigentlich etwas teilen möchte: Bei Google+ legt man dazu Kreise an. Diese Circles zu verwalten ist wirklich einfach, das kapiert jeder. Freunde lassen sich einfach mit der Maus in die passenden Kreise ziehen. Fertig. Bei Facebook hingegen muss man mit sperrigen Listen operieren…

Der Wettbewerb zwischen Google+ und Facebook, der ist anscheinend für alle gut. Google hat sich schon Gedanken gemacht, wie User ihre Daten besser schützen und kontrollieren können – und es auch umgesetzt. Facebook muss sich diese Gedanken jetzt machen, durch den Konkurrenzdruck, ist also quasi gezwungen, in diesem Punkt besser zu werden.
Verbesserungen bei Facebook

Und siehe da: Facebook hat tatsächlich nachgebessert und nun vieles einfacher und besser gestaltet. Facebook-Benutzer können jetzt einfacher kontrollieren, welche Fotos von ihnen veröffentlich werden, in welchen Fotos sie markiert sind und wer was über sie in Facebook lesen darf.

Mehr Kontrolle über die eigenen Inhalte

Dadurch wird vieles besser, man hat als Benutzer mehr Kontrolle über die eigenen Inhalte. Auch die Standardeinstellungen sind besser geworden, zurückhaltender: Dadurch landen deutlich weniger Infos und Fotos im Netz als vorher, zumindest ungewollt. Beispiel: Wenn ich nicht möchte, dass mich jeder in einem Foto markieren kann, damit andere wissen, dass ich darauf zu sehen bin, kann ich das in den Einstellungen abschalten.

Ich kann auch eine vorhandene Markierung jederzeit entfernen. Außerdem kann ich auch festlegen, dass jedes Foto von mir erst genehmigt werden muss… Nicht schlecht: Macht mehr Arbeit, ist aber sinnvoll.

Die neuen Einstellungen sind gut versteckt

Wie immer verbergen sich diese wichtigen Einstellungen im Menü „Privatsphäreeinstellungen“. Es lohnt sich, sich mit den neuen Möglichkeiten vertraut zu machen. Praktisch: Ich kann hier sehen, wer mich in Fotos oder Videos markiert hat und im Einzelfall entscheiden, ob ich das möchte oder nicht. Ich kann auch problematische Fälle melden.

Auch beim Posten, beim Schreiben von Nachrichten und Infos haben Facebook-Benutzer jetzt mehr Möglichkeiten. Es lässt sich einfacher festlegen, wer die Nachrichten und Postings sehen kann. Großer Vorteil zu früher: Man kann auch nachträglich korrigieren, wer eine Information in Facebook zu Gesicht bekommt. Das war vorher nicht möglich.
Kritik an Google

Klarname oder Pseudonym?

Es ist also vieles besser geworden in Facebook, muss man deutlich sagen. Viele Datenschützer sind zwar immer noch nicht zufrieden, vor allem was die Verwaltung von Fotos anbelangt, aber man hat definitiv mehr Kontrollmöglichkeiten als vorher. Die Handhabung finde ich bei Google+ trotzdem nach wie vor besser. Einfacher. Aber auch an Google+ gibt es Kritik. Und zwar, weil Google verlangt, dass sich jeder mit seinem richtigen Namen bei Google+ anmeldet.

Eine weitere Diskussion ist die um Klarnamen und Pseudonyme. Google+ schreibt vor: Wer mitmachen will, der muss sich schon beim richtigen Namen nennen lassen. Eine Regel, die durchaus umstritten ist. Einige Netzaktivisten und Politiker fordern Google gemeinsam in einem offenen Brief dazu auf, sich von diesem Klarnamenzwang zu trennen. Die Begründung: Wenn ausnahmslos der echte Name verwendet werden muss, kann das auch Nachteile haben. Denn es gibt Situationen, da möchte man nicht von anderen gefunden oder erkannt werden.

Die Diskussion ist im Grunde genommen uralt. Auf der einen Seite ist es gut, wenn man mit seinem richtigen Namen einsteht und jeder weiß, mit wem er es zu tun hat. Doch nicht überall auf der Welt kann man frei seine Meinung sagen. Oder man möchte einfach nicht erkannt werden – auch ein gutes Recht. Google+ erlaubt das derzeit nicht – Facebook schon.

Es gibt klare Argumente für und gegen die Klarnamenregelung. Wir wollen wissen: Wir finden Sie das? Sollte man mit Klarnamen im Internet unterwegs sein – oder eher nicht? Oder mal so, mal so? Uns interessiert Ihre Meinung. Diskutieren Sie mit uns, im Facebook-Forum.

1 Antwort
  1. Rieke Angelika
    Rieke Angelika sagte:

    Ich denke jeder sollte für sich entscheiden wie oder womit er sich anmeldet. Es gibt immer Positive und Negative Situationen, egal ob der Name echt ist oder nicht.

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