Gestern Abend hat Apple den Vorhang gelüftet: Es wird kein iPhone 5 geben, sondern stattdessen nur ein iPhone 4S. Genau das hatten einige Blogger schon vorausgesagt, zumindest dass es auch ein 4S geben gibt. Auch viele technische Details, etwa die Kamera oder Spracheingabe betreffend, wurden von Bloggern korrekt vorhergesagt.

Da gibt es Firmen wie Apple, die alles geheim halten wollten, und Blogger wie Josh Ong, die in ihren Blogs vorab vermeintliche Firmengeheimnisse verraten. Nicht immer einfach, denn bei Apple dringt nie auch nur die kleinste Kleinigkeit über mögliche neue Produkte nach draußen, egal ob iMac, Mac, iPod oder iPhone. Alles unterliegt strengster Geheimhaltung, über nichts wird vorher gesprochen. Steve Jobs, der jetzt krankheitsbedingt die Bühne bei Apple verlassen hat, hat diese extreme Geheimhaltung eingeführt. Wer auch nur eine Andeutung gemacht hat, der ist geflogen, und zwar sofort und ohne Wenn und Aber.

Die Folge: Es entsteht ein ungewöhnliches Info-Vakuum. Bei emotional belegten Produkten wie den Apple-Geräten ist das ein prima Nährboden für Gerüchte, denn natürlich überlegen die Leute: Wie geht’s weiter, wann kommen neue Geräte, wie werden die aussehen, was werden die können? Denn daran hängen auch Entscheidungen, etwa, ob man sich jetzt im Laden mit neuen Geräten eindeckt oder besser wartet.

Bestens informiert: Der Blogger Josh Ong

Das Blog www.appleinsider.com ist schon seit Jahren eins der am besten informierten Webangebote. Appleinsider.com weiß Sachen, die wissen selbst Apple-Mitarbeiter nicht. Hier werden Infos von Insidern aus aller Welt gesammelt, mit viel Sachkenntnis ausgewertet, fachmännisch analysiert und dann veröffentlicht. appleinsider.com ist deshalb schon lange eine der ersten und wichtigsten Infoquellen für alle, die sich für Apple-Produkte interessieren. Der Blogger Josh Ong ist bestens informiert und liefert solide Infos.

Josh Ong, ein in den USA geborener Chinese, ist der Mann hinter appleinsider.com, sitzt aber nicht etwa im Silicon Valley, da wo die großen IT-Firmen ihre Zentralen haben, da wo man beim Cappuccino die neuesten technischen Details bespricht, sondern in China. Eigentlich auf den ersten Blick ja keine gute Position, um einen Blog wie appleinsider.com zu betreiben – aber eigentlich doch. Ong hat zum Beispiel richtig vorher gesagt, wann es das iPad 2 zu kaufen gibt und wie es technisch ausgerüstet ist. Er hat auch viele Details des neuen iPhone-Modells korrekt vorhergesagt, etwa die Spracheingabe. Allerdings hat er auch ein anderes Design versprochen – das hat sich nicht bewahrheitet.

Solche Infos bekommt Ong aus China. Praktisches alles, was Apple verkauft, wird in China gebaut, verschraubt, verpackt und in die Welt geschickt. Angesichts der ungeheuren Stückzahlen, die Apple baut, zeichnet sich schon Wochen vor der Einführung eines neuen Geräts ab, dass sich was ändert. Fabriken, die Displays bauen oder Kameralinsen oder sogar die Endgeräte selbst, müssen ihre Produktionsstraßen umstellen und fangen auch irgendwann mit der Produktion selbst an. Hier gibt es immer undichte Stellen, Informanten, die Ong dann mit Infos versorgen.

Josh Ong spricht fließend Kantonesisch und Mandarin, Englisch sowieso. Er kann mit allen sprechen, und macht das auch. Die Firma Foxconn zum Beispiel beliefert Apple im großen Stil, baut die meisten Geräte, die Apple verkauft. Bei Foxconn arbeiten in China rund 400.000 Menschen. Nicht alle halten dicht. In der Regel wissen die Beteiligten Menschen zwar nicht, woran sie arbeiten, denn die Geheimhaltung ist vor der eigentlichen Markteinführung auch in den Fabriken hoch. Aber sie nehmen Veränderungen an der Produktion wahr.

Ong trägt solche Informationen zusammen und rechnet eins und eins zusammen. Wenn der Hersteller von iPhone-Plastikhüllen zum Beispiel plötzlich andere Hüllen produziert, liegt die Vermutung nahe, dass sich die Bauweise des Smartphones verändert. Wenn ein Hersteller von Kameralinsen, die in iPod und iPhone verbaut werden, plötzlich von fünf auf acht Megapixel umstellt, ist das zumindest ein Hinweis, dass demnächst die Auflösung der Kamera besser wird. Ong betreibt detektivische Kleinarbeit, kennt die Geräte über die er schreibt hervorragend, er weiß, wo in China was hergestellt wird und kann solche Details dann entsprechend bewerten. Er liegt mit seinen Vermutungen oft genau richtig.

Wie Apple mit Bloggern umgeht

Apple sind Webseiten und Blogs wie appleinsider.com ein Dorn im Auge, zumindest offiziell. Jeder, der vorab Informationen preisgibt, wird von Apple verfolgt, oft auch juristisch. Ong selbst zum Beispiel musste das auch schon am eigenen Leib erfahren: Apple hatte 2004 mehrere Blogger verklagt, die vorab Infos veröffentlicht hatten. Apple wollte die Quelle ermitteln, die undichten Stellen, und hat die Blogger vor den Kadi gezerrt. Doch ein US-Gericht entschied 2006, dass auch Blogs Quellenschutz genießen, die Blogger mussten ihre Quelle nicht verraten.

Blogger werden von Apple auch heute noch nicht mit Samthandschuhen angefasst, sondern mitunter rüde behandelt. Allerdings muss man sagen: Sie sind wichtiger Bestandteil der Gerüchteküche. Denn sie sorgen im Vorfeld der Produkteinführungen für Spekulationen, das heißt die emotionale Stimmung enorm auf, und davon profitiert Apple letztlich, das dürfte zum Gesamt-PR-Konzept von Apple gehören.