Derzeit in aller Munde: Acta – das internationale Handelsabkommen zwischen USA, Kanada, EU, Australien und einigen anderen Staaten. Eine neue verbindliche Regelung für Urheberschutz, auch und vor allem im Netz. Die Kritik an dem weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelten Vorlage ist in den letzten Tagen enorm gewachsen. Viele Menschen sind auf die Straße gegangen – und mittlerweile wird Acta, das bis vor kurzem als Durchwinkeposten gehandelt wurde, sogar in der Politik kontrovers diskutiert. Ein bisschen spät – aber immerhin.

Derzeit verweigert Deutschland dem Acta-Abkommen die Unterschrift. Die Justizministerin erwartet von der EU Aufklärung. Die EU wiederum zeigt sich von den Protesten und Widerständen in vielen Mitgliedsstaaten unbeeindruckt, man hält weiter an Acta fest, zeigt sich nicht mal bereit zu diskutieren.

Eine gefährlich Einstellung. Die Damen und Herren in Brüssel haben offensichlich noch nicht begriffen, welche Macht das Internet entfalten kann. Wenn man sich hinsetzt und arrogant die aktuelle Diskssussion abtut, zeigt das nur eins: Dass man nicht bereit ist, demokratische Prozessre zu akzeptieren – oder sich daran zu beteiligen.

Während also in der EU-Politik nicht so gerne diskutiert wird, ist das im Netz ganz anders. Da prallen Acta-Gegner und -Befürworter aufeinander (ich gebe zu, es gibt wenige eindeutig erkennbare Befürworter, aber immerhin gibt es mittlerweile Menschen, die Acta gelassener sehen als die Kritiker.

Bekannt und auch relativ gut gemacht ist diese Video, das Acta erklären will:

Auch in deutsch gibt es mittlerweile Aufklärung von Kritikern:

Die Videos dienen dem Verständnis, sind aber alles andere als objektiv. Vor allem die bedrohlich wirkende Musik, die mühelos auch Gruselszenen in HorrorVideos unterlegen könnte, stört mich. Mittlerweile gibt es auch eine – gelassene – Kritik auf die Kritik, und das finde ich im Rahmen einer ausgewogenen Auseinandersetzung mit dem Thema sehr interessant und fast auch schon erfrischend:

3 Kommentare
  1. Diether Sieghart
    Diether Sieghart sagte:

    Lieber Stefan, die Musikproduktionen meines Sohns, sind nicht normale Musik-CD’s sondern nach didaktischen Regeln und für alle Tonarten produzierte Playalongs, also CD’s in die mehr Zeit und Geld investiert werden muß, als in eine normale Musik-CD. Natürlich werfe ich nicht alle , die meine Meinung nicht teilen in einen Topf. Ich habe jene gemeint, die sich im Fernsehen und in der Presse recht radikal geäußert haben und auf Rechte pochten, die ihnen nach meiner Meinung nicht zustehen. Um Gerechtigkeit zu erzielen, muß man differenzieren und nicht vereinfachen. Ihre Vorschläge passen zur normalen Musik, aber nicht für mit hohem Aufwand produzierte pädagogische Produkte, die auch nicht in großen Mengen abgesetzt werden können, sodaß „downloadflats“ dafür leider keine Alternative wären. Alle Beteiligten sollten an einem Tisch Lösungen für unterschiedliche Urhebergruppen erarbeiten, nicht mit dem Rasenmäher arbeiten. Dank für Ihre guten Wünsche.

  2. Stefan
    Stefan sagte:

    Lieber Herr Sieghart,

    es tut mir Leid vom schrecklichen Schicksal Ihrer Schwiegertochter und Ihres Sohnes zu hören.
    Nicht desto trotz bezweifle ich, dass illegale Kopien bzw. Verbreitung die Existenz von Kleinunternehmern bzw. kleinen spezialisierten Musikproduktionen bedrohen. Kann ich natürlich nicht ausschließen, Ausnahmen gibt es immer. Ich möchte hier aber noch hinzufügen, dass ich mich gegen die illegale Verbreitung von geistigen Eigentum ausspreche.
    Aber: Bitte werfen sie nicht alle, die nicht Ihrer Meinung sind in einem Topf (siehe „wilde[n] Internetfreaks“).
    Und wenn sie von Anderen „fair play“ erwarten, dann sollten sie sich auch selbst an Ihre Prinzipien halten. Die Einschränkung von Rechten einer Gruppe führt nicht zu Gerechtigkeit. Wenn Sie faire Vorschläge erwarten, dann bringen Sie bitte selbst auch faire Lösungsmöglichkeiten mit ein. Inwieweit ACTA Ihnen hilft bzw. die Freiheiten/Rechte von Individuen einschränkt weiß ich nicht und obige Videos (die ersten beiden conACTA das dritte „con conACTA“) helfen mir dabei auch nicht.
    ——
    Ganz abseits von ACTA o.Ä.:
    Wie verhindere ich die illegale Verbreitung von Material?

    Durch Restriktionen, Kopierschutzmechanismen, Überwachung? -> Nein, es wird immer Möglichkeiten geben diese Maßnahmen zu umgehen.

    Wie wäre es Alternativen zu schaffen, um ehemalige „Raub“kopierer zu überzeugen legal downzuloaden? -> Weniger Kopierschutzmechamisem, bessere/günstigere Angebote, evtl. vernüftige Downloadflats.

    iTunes hat es vorgermacht:
    Musik ohne jegliche Restriktion (wie absurde 3 mal kopieren, nur auf geeigneter Hardware usw.). Was kam dabei raus? Ein grandioser Erfolg. Ich frage mich, warum da große Musikverwerter nicht anknüpfen wollen!?

    Nun gut, der Vorschlag meinerseits betrifft nur Musik auf größeren Onlineportalen (wie z.B. Musicload, Napster,…). Ihrem Sohn wird das weniger helfen, sofern er als kleiner Unternehmer seine Musikproduktionen unabhängig von großen Musikportalen anbietet. Diese besitzen meines Wissens sowieso nie Kopierschutzmechanismen und Restriktionen (gut). Aber dies sollte auch nur ein Beispiel meinerseits sein, wie man eine faire Lösung des Problems erreichen könnte.

    Natürlich wird sich das mutwillige Potential Musik usw, illegal zu laden nie ganz verhindern lassen (außer vllt. durch absolute Überwachung haha), aber zumindestens könnte man es durch attraktive Alternativen auf einen winzigen Prozentsatz minimieren.

    Abseits jeglicher Diskussionen wünsche ich Ihrem Sohn und seiner Frau alles erdenkliche Gute und auch wenn es nicht gut läuft nicht die Hoffnung zu verlieren.

    Mit besten Grüßen,

    Stefan

  3. Diether Sieghart
    Diether Sieghart sagte:

    ACTA schien ein Hoffnungsschimmer für meinen Sohn Jörg zu sein, der in den vergangenen Jahren eine kleine spezialisierte Musikproduktion in Berlin aufgebaut hatte und in zunehmendem Maße durch Raubkopien in seiner Existenz bedroht wurde. Knapp drei Tage nach dem Verkauf der ersten Playback/Playalong-CD’s konnten sich Interessenten diese schon kostenlos im Internet herunterladen. Ganz schlimm wurde es, als seine Frau, eine Sängerin und Gesangslehrerin Brustkrebs bekam, mit inzwischen schweren Operationen von Knochenmetastasen auf der rechten Seite und seit wenigen Wochen neue Knochenmetastasen auf der linken Seite und Lebermetastasen. Da was man von den Piraten und ACTA-Gegnern hört, klingt wie blanker Hohn für einen Kleinunternehmer, der um seine Frau und seine Existenz kämpft. Bisher kamen von diesen wilden Internetfreaks keine Vor-
    schläge, wie man „fair play“ auf diesem Gebiet überzeugend einführen kann.

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