Es vergeht kaum ein Tag, an dem keien Sicherheitslecks, Datenpannen oder bewussten Verstöße gegen den Datenschutz bekannt würden. Auch die Politik bekleckert sich nicht mit Rum: So manches Ansinnen lässt den vernetzten Internetbürger wütend werden. Nicht umsonst ist die Piratenpartei auf Höhenflug.

Ja, angesichts dieser Situation kann man beinahe Mitleid mit der Jury des Big Brother Award haben. Qual der Wahl: Wer hat den Big Brother Award wohl am ehesten verdient, wer macht sich am wenigsten Gedanken um den Datenschutz?

Sieben „Preisträger“ gibt es dieses Jahr. Einen bekommt zum Beispiel der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU), der für die „Handydaten-Affäre“ verantwortlich ist: Nach einer Demonstration in Dresden hat die Polizei ungeniert über eine Million Datensätze von Handynutzern ausgewertet. Das Beispiel zeigt, wie gefährlich und verlockend es ist, wenn große Datenbestände verfügbar sind – allzu schnell wird darauf zugegriffen, ohne nachzudenken, ohne Skrupel.

Einen Big Brother Award bekommt „die Cloud“, die Datenwolke. Warum, ist mir ehrlich gesagt aber nicht ganz klar. Natürlich: In der Cloud werden große Datenmengen angehäuft. Aber die Cloud selbst steht weder für Kontrollverlust, noch für mangelnden Datenschutz. Bestenfalls die Art und Weise, wie von der Cloud Gebrauch gemacht wird, kann problematisch sein – und da müsste man sich den Einzelfall anschauen. Es käme ja auch niemand auf die Idee, der Festplatte einen solchen Anti-Datenschutz-Preis zu verleihen, dabei werden – am Ende – alle Daten auf Festplatten gespeichert. Daher halte ich diese Entscheidung für falsch.

Immer wieder und gerne wird der Eindruck erweckt, Dateien, die man auf der eigenen Festplatte speichert, wären automatisch sicherer. Das stimmt so nicht. Trojaner können Daten von der Festplatte holen, eine Festplatte kann verloren gehen oder gestohlen werden. Oder es verschaffen sich auf andere Weise Unbefugte Zugriff auf die Festplatte. Wer seine Daten sicher verschlüsselt in der Cloud speichert, fährt nicht unsicherer, als der, der die Daten auf der eigenen Festplatte speichert. Es kommt immer darauf an, welchen Cloud-Dienst man nutzt.

Eins gelingt dem Big Brother Award, der dieses Jahr bereits zum zwölften Mal vergeben wird, aber ganz sicher: Den Finger in die Wunde zu legen und Diskussionen anzustoßen. Das ist gut und richtig, denn Datenschutz ist ein hohes Gut, der sorgfältige Umgang mit Daten elementar (aber leider nicht selbstverständlich) und last not least die gesellschaftliche Auseinandersetzung, welche Daten wo und wie gespeichert werden dürfen ungemein wichtig.