Ob iPhone, Android oder Windows Phone: Die smarten Handys werden zunehmend auch zum Spielen benutzt. Die meisten Spiele dienen der puren Unterhaltung, dem Zeitvertreib. Doch es gibt auch Spiele, die einen ernsten Hintergrund haben, Spiele, bei denen man auch etwas lernen kann. Bestes Beispiel dafür ist „My life as a Refugee“, zu Deutch: Mein Leben als Flüchtling. Eine App, die zwar als Spiel angelegt ist – aber vor allem zum Nachdenken anregen soll.

My life as a Refugee ist ein ungewöhnliches Spiel mit ernstem Hintergrund. Man schlüpft hier in die Rolle einen Flüchtlings und muss versuchen sich durchzuschlagen, die richtigen Entscheidungen zu fällen. Das ist gar nicht so einfach, denn es geht nun mal ums nackte Überleben. Am Anfang entscheidet man sich für einen Charakter. Drei stehen zur Auswahl, drei fiktive Personen in leider gar nicht fiktiven Situationen: Merita, 27, verheiratet, die gerade ihr drittes Kind erwartet. Doch Merita lebt in einem Gebiet im Bürgerkrieg – und muss flüchten. Oder Paulo, 15 Jahre alt. Paulo will Arzt werden – aber er wohnt in einem Krisengebiet, in dem junge Männer wie er zu Soldaten gemacht werden. Das will er nicht – und muss flüchten.

Die skizzierten Situationen sind aus dem Leben von Flüchtlingen gegriffen – damit der Spieler einen möglichst realistischen Eindruck bekommt, wie es vielen Menschen geht. Nachdem man sich für einen Charakter entschieden hat, geht das „Spiel“ los. Der Spieler muss sich immer wieder entscheiden: Der Bruder ist gestolpert und hat sich den Knöchel verletzt. Zurücklassen – oder mitnehmen?  Viele der Entscheidungen sind innerhalb einer bestimmten Zeit zu fällen, wenige Sekunden bleiben einem – damit an nicht zu lange nachdenkt. Genau so ist es im echten Leben schließlich auch.

Die App kommt nicht als Actionspiel daher, sondern eher als interaktiver Comic mit Infotexten. Nach jeder Entscheidung, die man fällt, geht es in der jeweiligen „Geschichte“ weiter. Dann sieht man ein neues Bild, eine Collage aus Zeichnung und Fotografie, daneben erscheinen kurze Texte, die die aktuelle Situation beschreiben. Oft gibt es Zusatzinfos, die klar machen sollen, wie realistisch die geschilderte Situation ist. Man erfährt zum Beispiel, dass Kinder unter 15 Jahren laut internationalen Vereinbarungen eigentlich gar nicht zum Dienst an der Waffe herangezogen werden dürften, so etwas aber trotzdem ständig passiert.

„My life as a Refugee“ wurde unter der Schirmherrschaft des Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen entwickelt. Das Spiel ist kostenlos und soll es auch bleiben. Das Ziel ist schließlich klar: Die Vereinten Nationen wollen aufmerksam machen auf die Probleme vieler Flüchtlinge. Das gelingt der App wirklich ganz gut. Zu bekommen ist das Spiel derzeit für Android-Handys in Google Play oder in Apples App-Store für iPhone und ipad.

Nicht alle finden das Spiel gut. Es gibt durchaus kritische Stimmen, die sagen, man hätte das Geld, das in die Entwicklung der App gesteckt wurde, doch lieber in sinnvolle Projekte investieren sollen, in die Menschen, in Projekte, die den Menschen helfen. Das sind durchaus nachvollziehbare Argumente, allerdings hört man diese Art von Kritik häufig. Letztlich ist die App PR und Öffentlichkeitsarbeit – und je mehr Menschen von der Situation von Flüchtlingen wissen, umso besser.

Ich persönlich finde, dass es den Machern hervorragend gelungen ist, den richtigen Ton zu treffen: Ich finde die Geschichten der drei Charaktere ergreifend, Bilder und Texte sind sehr sensibel gewählt, die Macher sind sehr taktvoll vorgegangen. Das Ziel wird meiner Meinung nach auf jeden Fall erreicht: Man setzt sich intensiv mit der Problematik auseinander, und weil man selbst – wenn auch nur kurz – als Spieler in so eine Geschichte eintaucht, nimmt man die Informationen besser auf.

Link:
http://www.mylifeasarefugee.org/