Diese Woche hat Microsoft eine neue Spielekonsole vorgestellt, die Xbox One.  Microsofts neues Gerät will mehr sein als nur eine Spielekonsole. Sie ist nämlich mit einer Kamera ausgerüstet, die eine Menge kann und Datenschützern Sorgen macht – und sie soll in unser Wohnzimmer.  Das wirft einige Fragen auf, die ich beantworten möchte.

  • Microsoft hat diese Woche mit viel Tamtam die neue Xbox One gezeigt. Was kann das Gerät?

Die Xbox One ist der offizielle Nachfolger der aktuellen Xbox 360, die sich über 60 Millionen Mal verkauft hat und damit als sehr erfolgreich gilt. Natürlich gibt es bessere Grafik, realistischere Bilder, einen schnelleren Prozessor, der deutlich komplexere Spiele ermöglicht, man kann in der Cloud spielen, vernetzt, mit und gegen andere Spieler, man kann seinen Spielstand auf andere Geräte übertragen und vieles andere mehr. Das sind die normalen Entwicklungen bei den Spielekonsolen. Vergleichbares haben auch die Playstation 4 von Sony oder die Wii U von Nintendo zu bieten. Alle neuen Konsolen werden wohl im Herbst auf den Markt kommen, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.05-21Mattrick_Web

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Aber die Konsole ist eben nicht nur für Spielefans interessant, sagt Microsoft, sondern auch für alle anderen. Ein PC fürs Wohnzimmer sozusagen.

Stimmt: Microsoft will mehr als nur eine Spielekonsole anbieten. Das „One“ im Namen der Xbox One steht für „One in all“, ein Gerät für alles. Das meint Microsoft ernst: Man kann mit der Konsole auch Filme aus der Online-Videothek ausleihen, natürlich ins Internet gehen oder den Fernseher steuern, indem man mit der Konsole spricht. Man sagt einfach, welchen Kanal man schauen möchte oder welche Sendung, und die Konsole reagiert. Per Sprachsteuerung oder durch Gestensteuerung. Das ist schon interessant. Damit begibt sich Microsoft in Konkurrenz zu SmartTV-Geräten – und bietet etwas an, von dem man dachte, dass eigentlich Apple damit kommen würde.

  • Jetzt ist die Xbox One auch mit einer Kamera ausgerüstet, die Kinect-Steuerung. Microsoft ist stolz darauf – doch Datenschützer sind in Sorge. Was kann die Kamera und wieso die Bedenken?

Die Kinect-Steuerung ist eigentlich sehr beliebt: Man konnte sie bisher zur Xbox dazu kaufen. Eine Kamera, die Bewegungen erkennt. Damit lassen sich Spiele steuern, durch Gesten und Bewegungen. Microsoft hat die Kamera dramatisch verbessert und baut sie nun fest ins Gerät ein. Die neue Kamera sieht auch im Dunkeln und kann bis zu sechs Personen beobachten, die sich im Raum aufhalten. Die Software kann sagen, was die Personen machen, ob sie etwas in den Händen halten, ob sie ein fröhliches oder trauriges Gesicht machen und vieles andere mehr.

Es ist schon beeindruckend, was die Software alles können soll. Um Spiele zu steuern, zweifellos ideal: Man muss der Konsole nicht mehr sagen, wie viele Spieler im Raum sind, wer welchen Controller in der Hand hält – und man kann die Spiele durch kleinste Gesten steuern. Microsoft hat sich die neue Kamera und vor allem die Auswertungs-Software gerade patentieren lassen.

  • Aber warum ist das dann ein Problem für Datenschützer?

Es gibt die Sorge, dass die Kamera auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden könnte. Eben nicht in Spielen, sondern zum Beispiel, während wir fernsehen. Die Konsole könnte erkennen, mit wie vielen Personen wir vor dem Fernseher sitzen, ob wir einen Film mögen oder nicht, wie wir auf Werbung reagieren. Da könnten eine Menge Daten zusammenkommen, die übliche Quotenmessungen, in den USA von Nielsen durchgeführt, weit in den Schatten stellen.

Darüber hinaus sind aber auch andere Dinge denkbar. Es könnte so kommen, dass man mehr für einen online ausgeliehenen Film bezahlen muss, wenn man sich den Film mit mehreren Personen anschaut. Denn die Kamera kann ja feststellen, wie viele Leute auf dem Sofa sitzen. Auch das ist eine Sorge von Kritikern. Ehrlich gesagt kann ich mir das nicht wirklich vorstellen: Technisch machbar ist das zwar, aber das würde enorme Proteste bei den Kunden nach sich ziehen. Sie würden nicht nur eine andere Konsole benutzen, sondern sich die Videos auch woanders ausleihen, der Schuss würde sicher nach hinten losgehen. Aber diskutiert werden sollte das natürlich.

  • Warum will Microsoft mit aller Macht ins Wohnzimmer?

Die Gründe liegen auf der Hand: Hier gibt es eine Menge Geld zu verdienen. Wir verbringen viel Zeit im Wohnzimmer. Viele spielen. Die meisten schauen fern. Wir nutzen auch das Internet… Wenn wir das alles über ein Gerät machen, etwa über die Konsole Xbox One, dann liefern wir dem Anbieter eine Menge Daten, etwa über unser Fernsehverhalten, wir nutzen Onlinedienste, schauen uns Werbung an. Davon profitiert jedes Unternehmen. Microsoft hat das erkannt und versucht das nun konsequent umzusetzen.

Microsoft ist aber nicht alleine, auch andere Anbieter drängt es ins Wohnzimmer. Google versucht es mit Google TV, das in manchen Fernsehern bereits eingebaut ist. Auch Apple TV gibt es, als Settop-Bpx – und von Apple munkelt man ja schon lange, dass das Unternehmen sogar an einem eigenen Fernseher bauen will. Den gibt es noch nicht. Microsoft ist diesmal etwas schneller gewesen.