Lerne KI in neuem Online-Kurs, jetzt starten.

Nebenkostenprivileg beendet: So empfangt ihr 2026 euer TV-Programm

von | 09.05.2024 | Digital

Seit Juli 2024 ist Schluss mit dem Nebenkostenprivileg für Kabelanschlüsse. Was das für euch bedeutet und welche Alternativen ihr habt – ein Update zur aktuellen Lage.

Fast anderthalb Jahre nach dem Ende des Nebenkostenprivilegs haben sich die meisten der damals betroffenen 12,6 Millionen Kabelhaushalte entschieden: Entweder für einen eigenen Kabelvertrag oder für eine der Alternativen. Doch noch immer herrscht bei vielen Unsicherheit über die beste Lösung.

Zur Erinnerung: Bis Juni 2024 konnten Vermieter die Kosten für den Kabelanschluss automatisch über die Nebenkosten abrechnen – auch an Mieter, die das Kabel gar nicht nutzten. Diese Zwangsabrechnung ist Geschichte.

Der Kabelanschluss darf ab Juli nicht mehr über die Nebenkosten abgerechnet werden
Seit Juli 2024 müssen Kabelkosten individuell bezahlt werden

Was war das Nebenkostenprivileg?

Das Nebenkostenprivileg erlaubte es Vermietern, Kabelanschlusskosten als Betriebskosten auf alle Mieter umzulegen – unabhängig davon, ob diese das Kabel nutzten oder nicht. Eine Regelung, die seit den 1980er Jahren Bestand hatte, als Kabelfernsehen noch eine echte Innovation war.

Der Vorteil damals: Mieter bekamen ohne eigenen Aufwand Zugang zu deutlich mehr Fernsehprogrammen als über Antenne verfügbar waren. Der Nachteil: Auch wer eine Satellitenschüssel nutzte oder später auf Streaming umstieg, musste trotzdem für das ungenutzte Kabel zahlen.

Diese Zwangsfinanzierung passte nicht mehr in die Zeit der vielfältigen TV-Empfangsarten. Deshalb beschloss der Gesetzgeber 2021 das Ende zum 1. Juli 2024.

Große Programmauswahl beim Kabelfernsehen
Kabelfernsehen bietet nach wie vor eine große Programmvielfalt

Aktuelle Lage: Wie haben sich die Haushalte entschieden?

Die Umstellung verlief weitgehend reibungslos. Vodafone als größter Kabelanbieter berichtet, dass etwa 70% der betroffenen Haushalte einen individuellen Kabelvertrag abgeschlossen haben. Die anderen sind auf Alternativen umgestiegen.

Wer beim Kabel geblieben ist, zahlt nun zwischen 8 und 15 Euro monatlich – je nach Anbieter und Paket. Das sind tatsächlich 2-4 Euro mehr als früher über die Nebenkosten, aber dafür zahlt nur noch, wer das Kabel auch nutzt.

Die großen Kabelanbieter 2026: Vodafone (ehemals Unitymedia und Kabel Deutschland), Pyur (ehemals Tele Columbus) und regionale Anbieter wie NetCologne oder wilhelm.tel. Alle bieten mittlerweile flexible Tarife ohne lange Vertragslaufzeiten an.

Alternative 1: Satellitenempfang wird digitaler

Satelliten-TV bleibt die beliebteste Alternative. Über Astra 19.2° Ost empfangt ihr die öffentlich-rechtlichen Programme kostenfrei in 4K-Qualität. Das ist neu: Seit 2025 strahlen ARD und ZDF ausgewählte Inhalte bereits in Ultra-HD aus.

Kommerzielle Sender gibt es weiterhin in SD kostenfrei, HD kostet bei HD+ etwa 6-8 Euro monatlich. Seit Ende 2025 ist auch UHD/4K in den Premium-Paketen für 12-15 Euro enthalten.

Wichtig: Für die Satelliten-Installation braucht ihr die Zustimmung des Vermieters. Seit 2024 können Vermieter die Installation nur noch bei begründeten Sicherheitsbedenken oder denkmalgeschützten Gebäuden ablehnen.

IPTV: Das Internet liefert die Programme als Stream
IPTV und Streaming werden immer populärer

Alternative 2: DVB-T2 HD wird ausgebaut

Das terrestrische Antennenfernsehen hat seit 2024 deutlich an Qualität gewonnen. Die Senderabdeckung wurde erweitert, in Ballungsräumen empfangt ihr mittlerweile über 40 Programme in HD-Qualität.

Die öffentlich-rechtlichen Programme bleiben kostenfrei, private Sender kosten weiterhin etwa 7-9 Euro monatlich über freenet TV. Moderne Zimmerantennen ab 20 Euro reichen in den meisten städtischen Gebieten völlig aus.

Der große Vorteil: Keine Abhängigkeit vom Internet und keine Installation nötig. Einfach Antenne anschließen und loslegen.

Alternative 3: IPTV und Internet-Streaming boomen

Internet-TV ist der große Gewinner der Kabel-Umstellung. Die Telekom hat ihr MagentaTV-Angebot deutlich erweitert, 1&1 bietet seit 2025 ein eigenständiges IPTV-Paket an, und auch Vodafone kombiniert Kabel mit Internet-Streams.

Für stabiles IPTV braucht ihr mindestens 25 Mbit/s, besser 50 Mbit/s. 4K-Inhalte benötigen etwa 25 Mbit/s pro Stream. Die meisten modernen Smart-TVs haben die nötigen Apps bereits vorinstalliert.

Preislich liegt IPTV zwischen 10-20 Euro monatlich, oft kombiniert mit Internet-Tarifen. Der Vorteil: Timeshift, Aufnahme-Funktionen und Zugriff auf Mediatheken sind meist inklusive.

Alternative 4: Pure Streaming-Dienste

Viele jüngere Haushalte haben ganz auf klassisches Fernsehen verzichtet. Die Kombination aus ARD/ZDF-Mediatheken, Netflix, Amazon Prime, Disney+ und anderen Streaming-Diensten deckt ihren Bedarf ab.

Seit 2025 bieten auch RTL+ und Joyn erweiterte Live-TV-Pakete an. Für 8-12 Euro monatlich bekommt ihr die wichtigsten deutschen Privatsender in HD plus On-Demand-Inhalte.

Diese Lösung funktioniert aber nur mit stabilem, schnellem Internet – und verbraucht entsprechend Datenvolumen.

Was ist mit Sammelverträgen?

Einige Vermieter haben nach der Umstellung neue Sammelverträge mit Kabelanbietern abgeschlossen. Der Unterschied: Die Teilnahme ist freiwillig, ihr müsst explizit zustimmen. Diese Verträge sind oft günstiger als Einzelverträge, aber ihr seid an die Auswahl des Vermieters gebunden.

Prüft solche Angebote genau: Oftmals sind sie nur im ersten Jahr günstiger und werden dann teurer als die Konkurrenz.

Fazit: Die neue Wahlfreiheit nutzen

Das Ende des Nebenkostenprivilegs hat den TV-Markt belebt. Ihr habt jetzt echte Wahlfreiheit und zahlt nur noch für das, was ihr tatsächlich nutzt. Die öffentlich-rechtlichen Programme stehen über alle Empfangswege in bester Qualität zur Verfügung – viele sogar schon in 4K.

Nutzt diese Freiheit: Vergleicht die Optionen und wählt den Empfangsweg, der am besten zu eurem Nutzungsverhalten passt. Die Zeit der Zwangsfinanzierung ungenutzter Kabelanschlüsse ist endgültig vorbei.

Zuletzt aktualisiert am 16.02.2026

superboard small
schieb.de App Download
ebooks schlauer
Jörg Schieb bietet mit Pro, Plus und Flat digitale Newsletter, eBooks und Anleitungen für Menschen, die sich in der digitalen Welt zurechtfinden wollen.