Facebook will kommende Woche damit beginnen, die vielen Daten, die es über seine Mitglieder hat, noch intensiver für Werbezwecke zu nutzen. Facebook verkauft zwar keine Daten der User, bringt aber Werbetreibende und potenzielle Kunden zusammen. Nicht mehr nur auf der Facebook-Seite selbst, wie bisher, sondern überall im Netz. Facebook wird zum Werbemakler – so wie Google das schon lange macht. Doch Facebook kennt seine Mitglieder viel besser und kann deshalb präzisere Werbung schalten als andere Werbenetzwerke.

Beispiel: Wenn ein Fahrradladen junge Menschen im Alter zwischen 20 und 30 in einer ganz bestimmten Stadt ansprechen will, die gerne Fahrrad fahren – so ist das für Facebook kein Problem. Facebook kennt Wohnort, Alter und Vorlieben aller User – und kann die Anzeige gezielt schalten. Auf dem Rechner – oder auf dem Handy. Möglich wird das, weil wir Facebook so viel über uns verraten.

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Je besser Facebook einen User kennt, umso besser für den Onlinedienst. Das gilt für andere Onlinedienste wie Google, Yahoo, Microsoft oder Apple genauso. Denn je präziser eine Werbung auf die Interessen zugeschnitten ist, desto teurer ist die Anzeige – und so lässt sich mehr Geld verdienen.

Facebook startet eigenes Display-Netzwerk

Bislang gab es Anzeigen, für die Facebook seine Daten ausgewertet hat, nur auf der Homepage von Facebook oder in den Facebook-Apps. Doch ab nächster Woche vermittelt Facebook Werbeanzeigen auch auf andere Webseiten, die mit Facebook kooperieren, aber gar nicht von Facebook sind. Facebook wird zum Werbemakler. Google macht das schon lange und ist überaus erfolgreich damit.

Facebook // Ad Preferences from David Stanfield on Vimeo.

Umso wichtiger zu wissen, was Facebook alles an Daten über einen gespeichert hat. Die gute Nachricht: Man kann eine Art Info-Akte anfordern. Dazu muss man im Menü Einstellungen eine versteckte Funktion anklicken. Die Akte wird extra angefertigt. Das dauert in der Regel ein paar Minuten.

Danach kann man das Dossier laden. Da steht vieles drin, was Facebook über einen weiß. Vieles, aber längst nicht alles. Man kann aber auch eine Web-App fragen, die findet noch mehr heraus.

Privacy Awareness App

Die Privacy Awareness App ist eine Web-App, läuft also im Browser. Einfach die Adresse privacy-awareness-app.org eingeben. Anschließend muss man sich bei Facebook einloggen, falls noch nicht geschehen. Und danach: Geduld. Es dauert ein paar Minuten, bis alle Daten gesammelt sind und auf dem Bildschirm erscheinen. Danach präsentiert die App eine Übersicht.

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Die Ausbeute der App ist erstaunlich: Welche Fotos habe ich hochgeladen, welche Begriffe am häufigsten benutzt? Wo bin ich überall gewesen – und wann? Die Aufenthaltsorte sind in einer Onlinekarte eingetragen. Mit wem bin ich befreunde oder verbandelt? Die App findet es mit Hilfe von Facebook heraus – und zeigt es an.

Facebook verrät den Usern weniger als einer App

Das ist schon irritierend: Die App liefert deutlich mehr Daten über einen, als wenn man Facebook selbst fragt. Was eindeutig belegt, dass Facebook mehr Infos speichert als der Onlinedienst freiwillig verrät. Jede App kann also mehr über einen in Erfahrung bringen als man selbst.

Ein anderer Tipp von mir: Berechnen Sie mal die Webseute Privacy Score. Auf dieser Webseite bekommt man Tipps, wie man Facebook weniger Daten von sich selbst überlässt.

Auch Google, Microsoft und Co. sammeln Daten

Aber Facebook ist keineswegs der einzige Onlinedienst, der im großen Stil Daten sammelt. Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Je mehr Daten, desto wertvoller. Auch Google, Apple, Microsoft und andere sammeln Daten und werten sie aus. Und bei einigen kann man auch nachschauen, was sie über einen wissen.

Google bietet dafür das so genannte Google Dashboard an. Hier gibt es eine Übersicht, welche Dienste von Google man nutzt – und wie viele und welche Daten dort gespeichert sind. Hier bekommt man einen guten Überblick, was Google alles über einen weiß, sogar, wonach man in Google gesucht hat oder was sich der Browser Chrome merkt.

Andere Anbieter wie Apple, Yahoo, Microsoft und Co. sind deutlich zurückhaltender. Sie informieren kaum darüber, was sie über ihre User speichern. Ein Missstand, der dringend beseitigt werden müsste. Denn jeder Internetbenutzer hat ein Recht darauf zu erfahren, was die Onlinedienste über ihn wissen.