Microsoft hat zwar Nokia geschluckt, aber nicht ganz Nokia, sondern “nur” die Smartphone-Sparte. Und die lebte als Microsoft Lumia weiter. Allerdings gibt es den Hersteller Nokia trotzdem immer noch. Mit dem Tablet N1 will Nokia sich als Tablet-Hersteller empfehlen und im Markt der Mobilgeräte wieder eine größere Rolle spielen. Ein Tablet – nicht unbedingt innovativ, der Gedanke. Aber weil Nokia durchaus schon so mancher Coup gelungen ist, lohnt ein genauer Blick auf das Konzept.

Das vorgestellte Nokia-Gerät, das Nokias Manager N1 getauft haben – es sollen also offensichtlich noch viele weitere Modelle folgen, wirkt hochwertig, schick und dank edlem Design auch ansehnlich. Das N1 ist allerdings ein vergleichsweise kleines Tablet, das am ehesten mit dem iPad Mini konkurriert. Es hat ein 7,9 Zoll Display mit IPS-Touchscreen und einer Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixel im 4:3-Verhältnis, was eine Pixeldichte von stolzen 324 ppi ergibt – wie beim Apple iPad Mini. Gorilla Glass schützt das rund 250 Euro teure und 6,9 Millimeter flache Gerät vor Kratzern.

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Schickes Design und hochwertige Verarbeitung

Technisch ist das N1 hochwertig ausgestattet, da kann man wirklich nicht meckern, zu einem fairen Preis. Das aktuelle Apple iPad Mini 3 fängt preislich bei 389 EUR an. Die Vorgängermodelle gibt es aber auch günstiger. Optisch erinnert das N1 an das neue iPhone 6. In Nokias Promovideo ist nicht auf Anhieb zu erkennen, ob einem da ein iPhone 6 oder ein N1 entgegen fliegt.

Doch die Unterschiede sind schnell zu erkennen, denn das N1 wird mit dem neuen Android 5.0 Lollipop betrieben. Zu kaufen gibt es das N1 allerdings noch nicht. In China geht’s im Februar los, Europa und andere Märkte sollen später folgen.


Promovideo von Nokia: Wenig über Funktionen, viel über Design

Schön gemacht, nur: Viel zu spät
Das N1 ist ein solides Tablet, schick, aber auch nichts, was einen aus den Schluppen haut. Wenn ein ehemals kreatives Unternehmen wie Nokia in einen bereits saturierten Markt eintritt, dann erwarte ich eigentlich – Überraschungen. Irgendwas, was andere nicht haben. Doch das konnte ich nicht entdecken.

Außerdem: Erst im Februar auf den Markt zu kommen, nach dem wichtigen Weihnachtsgeschäft und dann auch zuerst in China, das ist nicht nur eine Enttäuschung, sondern lässt auch große Fragezeichen aufkommen, ob das N1 ein Erfolg werden kann. Bis dahin vergeht noch eine Menge Zeit. Die Preise werden fallen, der Markt ist weiter gesättigt, neue Modelle kommen raus. Wer als Newcomer punkten will – und im Tablet-Markt ist Nokia nun mal ein Newcomer -, der muss Tempo vorlegen. Traben, nicht lahmen – das wäre das Motto.

Grundsätzlich hätte Nokia das Potenzil, mit einem schicken, erschwinglichen Tablet am Markt eine Rolle zu spielen, zumal das N1 mit aktueller Technik und Software ausgestattet ist. Aber noch drei, vier Monate verstreichen zu lassen, ist sträflich. So sind die Wettbewerber nur gewarnt – und nichts ist gewonnen. Sehr bedauerlich.