Mit über 700 Millionen Mitgliedern ist das zu Facebook gehörende Whatsapp der mit Abstand beliebteste Kommunikationsdienst. Jetzt wagt Whatsapp in Schritt ins Web: Ab sofort lassen sich auch im Web Nachrichten empfangen und versenden. Das eröffnet neue Möglichkeiten – für die User, aber auch für Facebook.

Bislang gibt es Whatsapp nur fürs Smartphone. Selbst auf dem Tablet kann man Whatsapp offiziell nicht benutzen. Der mit über 700 Millionen Usern beliebteste Kommunikationsdienst hat eben strikte Regeln. Trotzdem würden sich viele User wünschen, sie könnten auch am Desktop Whatsapp-Nachrichten schreiben. Ist manchmal bequemer.

Rechner und Smartphone miteinansder verbinden

Ganz neu ist die Idee nicht, Desktop und Smartphone miteinander zu verbinde. Apple hat im neuen Mac OS X Yosemite eine ähnliche Funktion eingeführt. Apple-User können ihren Mac-Rechner mit dem iPhone oder iPad verbinden und sowohl iMessages wie SMS-Nachrichten austauschen. Lesen und Schreiben am Desktop ist so auch auf dem Desktop oder Notebook möglich.

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Diesem Vorbild will Whatsapp nacheifern. Unter ganz bestimmten Umständen kann man Whatsapp ab sofort auch im Web nutzen. Mit dem neuen WhatsApp Web lässt sich das Whatsapp im Smartphone quasi fernbedienen. Ab sofort kann man Textnachrichten, Fotos, Videos und Sprachnachrichten auch vom Desktop-Rechner versenden. Extra Software ist dafür nicht nötig, läuft alles im Browser ab.

Praktisch im Alltag

Der Webclient ist eine gute Lösung für alle, die auch am Arbeitsplatz gerne mal Whatsapp nutzen, aber nicht ständig zum Smartphone greifen wollen. Um den Dienst nutzen zu können, braucht man allerdings ein bereits aktives Whatsapp-Konto – und das muss dem mit Desktop verbunden werden. Es ist nicht möglich, im Web ein neues Whatsapp-Konto zu eröffnen, unabhängig von einem regulären Whatsapp-Konto. Es ist noch nicht möglich – denkbar wäre das für die Zukunft natürlich schon.

Um die Geräte zu koppen, erscheint auf der Webseite von Whatsapp ein QR-Code. Den muss man mit dem Smartphone scannen, um eine Verbindung herzustellen. Chats und Nachrichten werden dann ab sofort synchronisiert: Neue Nachrichten erscheinen auf dem Smartphone und auf dem Desktop. Ob man etwas auf dem Smartphone eingibt oder auf dem Desktop, ist egal. Voraussetzung ist allerdings, dass Desktop und Smartphone online sind, anderenfalls wird die Verbindung sofort abgebrochen.

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iPhone bislang außen vor

Schlechte Nachrichten für alle mit iPhone: Apple wird bislang nicht unterstützt. Alle anderen Welten wie Android, Windows und Blackberry allerdings sehr wohl. Und: Man muss Google Chrome verwenden. Whatsapp Web funktioniert derzeit nur mit dem Google-Browser. Das aber wirklich gut: Die Handhabung ist einfach, unkompliziert und komfortabel. Die aktuelle Version der Whatsapp-App braucht man dafür allerdings auch. Nur die ist in der Lage, sich mit Whatsapp Web zu synchronisieren.

Die Web-Version ist keine Spielerei von Whatsapp, sondern dürfte ein klares Ziel verfolgen: Geld verdienen. Denn auf dem Smartphone ist Whatsapp werbefrei und wird es sicher auch bleiben. Doch im Web gelten andere Spielregeln. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Mehr an Anzeigefläche auf dem Desktop früher oder später für Reklame genutzt wird, etwa für Videospots. Facebook braucht ständig neue Einnahmequellen – das könnte eine sein.