Diese Woche hat Hersteller Apple mal wieder für Aufsehen gesorgt. Nicht mit einer neuen sündhaften teuren „i“-Hardware, sondern mit einem neuen Onlinedienst. Apple Music. Musik kaufen, das kann man bei Apple schon sehr lange. Doch jetzt kann man auch Musik als Stream hören. Ende Juni soll es losgehen.

Apple will uns seinen neuen Musikdienst Apple Music in Videos schmackhaft machen. Die Message ist klar: Den Weg von der Schallplatte über Radio und CD zum Download haben wir bereits hinter uns. Der nächste logische Schritt ist: Klar, das Musik-Streaming. Musik aus dem Netz. Ohne Download. Am 30. Juni soll Apple Music starten – auch in Deutschland.

Auch wenn Apple gerade versucht, den Eindruck zu erwecken: Das Streaming erfunden hat Apple nicht gerade. Und Apple ist auch beileibe nicht das erste Unternehmen, das Musik als Streaming anbietet.

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Marktführer ist Spotify

Im Gegenteil: Anbieter wie Spotify, Deezer, Napster, last.fm und viele andere bieten teilweise schon seit Jahren Musik als Stream an und haben Millionen treuer Fans und Kunden. Klarer Marktführer ist Spotify, ein Streaming-Dienst aus Schweden.

Beim Streaming kauft man keine einzelnen Musikstücke oder Alben wie beim klassischen Musik-Download, sondern man bekommt einen Stream, einen Datenstrom. Es wird nichts auf dem Rechner oder Mobilgerät gespeichert. Die Musik wird sofort abgespielt – so ähnlich wie beim Radio.

spotify

Ausleihen – nicht besitzen

Die Musik gehört einem nicht. Dafür kann man hören was man will, so viel man will und so oft man will. Es gibt keine Einschränkungen. Musik, die im Angebot ist, kann man auch abspielen.

Ist man Nutzer bei einem Streamingdienst, kann man die Musik überall hören: Auf dem PC, im Smartphone, auf dem Tablet, teilweise sogar auf der Spielekonsole. Ohne Extrakosten. Ohne dass man die Musik hin und her kopieren müsste.

30 Millionen Songs

Apple Music bietet 30 Millionen Musiktitel. Die Konkurrenz Spotify bietet einen vergleichbar großen Pool an Musik. Man hat wirklich eine riesige Auswahl. Aber es gibt keineswegs alles in Streamingdiensten. Manche Titel fehlen. Die Künstlerin Taylor Swift zum Beispiel sperrt manche ihrer populären Titel für manche Streamingdienste.

Alle Musikdienste bieten die Möglichkeit, individuelle Playlisten anzulegen, die eigenen Playlisten mit Freunden zu teilen oder sich Empfehlungen geben zu lassen, die zum eigenen Musikgeschmack passen. Auf diese Weise lernt man Songs kennen, die man sonst niemals gehört hätte. Ein großer Vorteil von Streamingdiensten.

last.fm

Musik für Jogger

Man kann halt fast überall reinhören. Außerdem gibt es nette Gimmicks. Spotify hat vor kurzem eine neue Funktion eingeführt: Musik für Jogger. Da sucht Spotify automatisch Musik heraus, die zum aktuellen Laufrhythmus passt. Das haben andere nicht im Angebot.

Apple versucht sich durch andere Funktionen abzugrenzen. Zum einen gibt es eine eigene Radiostation, die 24 Stunden am Tag live Programm sendet. Musik. Interviews. Hintergründe. Das haben andere Streamingdienste bislang nicht. Allerdings gibt es weltweit nicht gerade einen Mangel an Radiostationen.

Redaktionelle Inhalte

Interessanter ist sicherlich, dass Apple redaktionelle Inhalte anbietet. Menschen aus Fleisch und Blut – und nicht nur Algorithmen – machen Musik-Empfehlungen, berichten über Konzerte und bieten Einblicke in die Musik-Branche. Gleichzeitig sollen Musiker über Apple Music in engeren Kontakt zu den Fans treten können.

Das macht Apple Music interessant – aber nicht unbedingt überlegen. Nett: Man kann mit dem Musikdienst sprechen. Siri, der Sprachassistent von Apple, versteht Anweisungen wie zum Beispiel „Spiele mir die Top Ten aus dem Jahr 1999“. Oder: „Spiele mir den Song aus dem Kinofilm Matrix.“ Oder „Spiele Top 10 Jazz“.

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Die Kosten

Fast alle Streamingdienste kosten 10 Dollar im Monat. Apple bietet für 15 Dollar eine Familienlizenz, da können alle in der Familie gleichzeitig Musik hören. Andere Anbieter wie Spotify, Deezer oder Simfy bieten Musik-Streams aber auch kostenlos an. Da wird die Musik immer wieder von Werbung unterbrochen, ist dafür aber gratis. Was einem am besten gefällt, muss jeder am Ende selbst entscheiden.