Amazon hat seinen Prime-Dienst erneut um eine Funktion erweitert: Ab sofort können Prime-Kunden auch kostenlos einen Musik-Streamingdienst nutzen. Amazon Prime Music bietet rund eine Million Titel zur Auswahl an – User können so viel Musik hören, wie sie wollen. Ohne Zusatzkosten. Doch was taugt das Angebot wirklich?

In den USA können Prime-Kunden schon länger auf einen Prime Music getauften Streaming-Dienst zurückgreifen. Kostenlos. Als Extra für ihre Jahresgebühr. Für 49 EUR im Jahr bekommt man Pakete nicht nur besonders schnell und ohne Extrakosten zugestellt, sondern kann auch im Kindle-Shop ein eBook pro Monat kostenlos ausleihen, den Video-Streamingdienst Prime Instant Video ohne Zusatzkosten nutzen, Fotos online speichern – und jetzt eben nebenbei auch noch Musik anhören. Amazon schnürt ein Wohlfühl-Paket: Alles, was es sonst im Netz gibt, das kann man auch bei Prime bekommen.

Klingt erst mal gut – aber braucht man das?

Weniger als andere Dienste

Fest steht: Mit den Großen der Branche kann es Prime Music – zumindest derzeit – ganz sicher noch nicht aufnehmen. Während Spotify, Deezer, Apple Music und Co. allesamt rund 30 Millionen Songs zur Auswahl haben, stehen bei Prime Music „nur“ eine Million Titel zur Verfügung.

Die Auswahl ist bei Amazon also deutlich geringer. Natürlich: Dafür verlangen die anderen auch in der Regel acht bis zehn Euro im Monat, während Amazon den Streamingdienst oben drauf packt.

Amazon hat sorgfältig ausgewählt, welche Titel in der Bibliothek landen: Angeblich hat man die beliebtesten und besonders häufig gehörten Titel ausgewählt und ins Programm gestellt, auch von deutschsprachigen Künstlern wie Helene Fischer.

amazon prime music

Bedient den Massengeschmack

Da die führenden Streamingdienste rund 10 EUR im Monat kosten (wenn man nicht die nervige, mit Werbung durchzogene Gratis-Variante von Spotify wählt), kommt man auf 120 EUR Kosten im Jahr. Zu viel für viele Deutsche, denn laut Amazon geben 87% der Deutschen weniger als 25 EUR im Jahr für Musik aus. Glaube ich sofort.

Was Amazon uns damit sagen will? Sie haben ein Musikangebot am Start, das dem Durchschnitt des Massengeschmacks entspricht und für Leute gedacht ist, die für Musik nicht viel ausgeben können oder wollen. Für die Musikbranche also ohnehin ein wenig interessanter Markt.

Amazon Flex

Gestreamt wird mit 256 KBit pro Sekunde, das ist ordentlich und mit den Marktführern vergleichbar. Auch Offline-Hören ist möglich. Trotzdem: Das Angebot ist halbherzig. Amazon strengt sich nicht an. Man will mitspielen – aber nicht auf Augenhöhe. Entweder, Jeff Bezos hat an Biss verloren – oder er plant noch einen größeren Coup. Für Prime-Kunden ist das sicher „nice to have“, aber niemand wird deswegen zum Prime-Kunden werden.