Facebook will zum Medienanbieter werden. Jetzt hat Mark Zuckerbergs Unternehmen bekannt gegeben, dass ab sofort auch diverse bekannte deutschsprachige Medien aus Deutschland, Österreich und Schweiz als Partner bei Facebook Instant Articles mitmachen. Sie beliefern das Soziale Netzwerk mit Texten, Fotos und Geschichten, die direkt im Facebook-Netzwerk präsentiert werden.

Sechs deutschsprachige Partner starten sofort, darunter Spiegel Online, Bunte und Bild, weitere Partner gehen in den nächsten Tagen an den Start, darunter auch die Tagesschau. Instant Articles gibt es damit ab sofort nicht mehr länger nur in den USA, sondern auch bei uns in Deutschland.

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Große und bedeutende Namen machen mit

Instant Articles sind Artikel, die direkt bei Facebook hinterlegt sind. Der Leser bekommt also nicht nur einen kurzen Anriss (Teaser) geboten und muss bei Interesse auf das Onlineangebot des Anbieters wechseln, sondern kann die komplette Geschichte inklusive Fotos und Videos innerhalb von Facebook lesen, anschauen und kommentieren. Vorteil für den Nutzer: Er muss Facebook nicht verlassen. Die Inhalte sind blitzschnell geladen. Außerdem ist es möglich, Artikel zu kommentieren, zu teilen und zu liken. Das übliche Besteck in sozialen Netzwerken.

Der Druck ist groß: Facebook hat 1,5 Milliarden User weltweit und hat dadurch eine Menge Einfluss. Selbst riesige Verlagshäuser sehen sich gezwungen, bei dem Spiel mitzumachen. Klar, denn immer mehr Menschen konsumieren Nachrichten unterwegs auf ihren Mobilgeräte.

Muss man mitmachen?

Das schätzt auch ARD-aktuell-Chefredakteur Dr. Kai Gniffke so ein: „Die sozialen Medien spielen bei der Nutzung von Nachrichten mittlerweile eine wichtige Rolle. Es ist der Anspruch der Tagesschau, Nachrichten überall dort anzubieten, wo Menschen nach Informationen suchen. Deshalb machen wir beim Testlauf von Facebook Instant Articles gern mit.“

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Ich kann jeden verstehen, der als Anbieter Instant Articles ausprobiert. Allerdings gibt es ein erhebliches Risiko: Die zunehmende Abhängigkeit. Wer sich darauf einlässt, bei kommerziellen Anbietern wie Facebook Inhalte anzubieten, der hat keinerlei Kontrolle mehr darüber, wie die Inhalte präsentiert werden, wie die Zukunft aussieht. Facebook wird in diesem Zusammenhang zum Über-Publisher. Das Unternehmen stellt nicht einfach nur eine Plattform bereit, sondern definiert auch komplett den Rahmen, in dem die Inhalte präsentiert und verteilt werden.

Das Risiko lautet Abhängigkeit

Man gewöhnt die User daran, dass sie sich direkt in Facebook informieren können – das erhöht die Abhängigkeit noch. Denn je mehr Medienhäuser, Verlage und Sender mitmachen, um so größer ist der Druck, nicht außen vor zu bleiben. Mark Zuckerberg kann sich die Hände reiben: Sein Geschäft floriert dadurch. Seine Bedeutung und Macht nimmt zu.

Auch wenn ich die neuen Möglichkeiten aus technischer Perspektive interessant finde, so beobachte ich die Entwicklung gleichzeitig mit großer Sorge. Denn es sind US-Unternehmen, die ungehemmt die Regie übernehmen – und keiner unternimmt etwas. Natürlich: Es geschieht auf freiwilliger Basis. Aber es geschieht. Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, wie es andersherum wäre: Niemals käme ein US-Verleger auf die Idee, im eigenen Land seine Inhalte einem deutschen Container unterzuordnen. Wir machen das aber. Gefährlich.

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