Das Wachstum von WhatsApp ist beeindruckend: Als Facebook den Nachrichtendienst gekauft hat, hatte WhatsApp 450 Millionen Mitglieder. Mittlerweile ist die Marke von einer Milliarde regelmäßige Nutzer geknackt. Eine Welt ohne WhatsApp ist wohl nicht mehr vorstellbar – und das ist gruselig.

Die Schwelle ist geknackt: Mittlerweile zählt WhatsApp eine Milliarde Nutzer, das hat Mitgründer und WhatsApp-Chef Jan Koum jetzt auf Facebook mitgeteilt.

Ein atemberaubendes Wachstum, das WhatsApp da hingelegt hat, denn als Facebook den Nachrichtendienst 2014 für 22 Milliarden US-Dollar gekauft hat, waren es gerade mal 450 Millionen User. Der Deal hat sich für Mark Zuckerberg gelohnt – und wird sich noch richtig auszahlen. Denn allzu groß sind die Unterschiede bei den Nutzerzahlen von Facebook und WhatsApp nicht mehr.

WhatsApp kontrolliert sich selbst

Für Facebook und alle Aktionäre ist das Grund zur Freude, denn mittlerweile konkretisieren sich die Pläne, wie WhatsApp zur Cash-Cow werden kann. Bis dahin sammelt man erst mal fleißig weiter User (und Daten) und macht alle anderen Nachrichtendienste platt. Ist man erst mal unangefochtener Standard, kann man machen, was man will – jedenfalls fast.

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Und damit sind wir mitten drin: Es ist höchst bedenklich, wenn ein US-Unternehmen zum weltweiten Standard für mobile Kommunikation wird. Nicht nur, weil damit jede Menge Daten beim Konzern landen, sondern auch, weil dieser Quasi-Standard keinerlei Kontrolle unterliegt.

Die SMS verdrängt

Bei der SMS ist das ganz anders: Hier einigt sich ein Konsortium auf die technischen Standards. Die Last ist auf unzählige unabhängige Telcos weltweit verteilt – und die Daten eben auch. Mittlerweile tauschen wir 42 Milliarden Nachrichten täglich über WhatsApp aus und beliefern damit einen US-Konzern frei Haus mit Daten.

Niemand weiß konkret, welche Daten dort gespeichert werden und was mit ihnen passiert. Niemand weiß, was passiert, wenn WhatsApp mal eine Störung hat oder ausfällt. Und alle Umsätze gehen an einen(!!) Konzern. An der SMS haben Hunderte von Unternehmen verdient. Die müssen für die Infrastruktur zahlen. WhatsApp kann abkassieren.

Alternativen haben kaum eine Chance

Aber gibt es deswegen einen Aufstand unter der Userschaft? No! Juckt niemanden. Zuerst sind alle hin zu WhatsApp, weil es kostenlos ist. Dann sind alle hin, weil man auch Bilder verschicken kann – und Gruppen bilden. Heute sind alle dort, na ja: weil halt alle da sind.

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Denn was nutzen schicke und datentechnisch deutlich weniger beunruhigende Alternativen wie Telegram, Threema oder Wire, wenn sie niemand nutzt? Ich habe Accounts bei diesen Alternativen – und bekomme vielleicht zwei Nachrichten im Jahr.

Kurz nach den Snowden-Enthüllungen sind die Anmeldezahlen bei den solide verschlüsselten Kurznachrichtendiensten kurz etwas angestiegen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Nur Terroristen machen um WhatsApp einen großen Bogen. Sie werden schon wissen, warum.

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Man darf sich keinerlei Illusionen hingeben: WhatsApp ist heute schon ein Quasi-Standard. Es gibt bereits einen Gruppenzwang: Eltern von schulpflichtigen Kindern organisieren sich in Klassengruppen. Wer kein WhatsApp hat, schaut in die Röhre.

Alle nutzen WhatsApp. Kaum einer nimmt die Datenschutzbedenken ernst. Es gibt manche, aber es werden immer weniger. In der Firmenzentrale von Facebook lacht man sich ins Fäustchen – denn so weiß man, was in der Welt los ist. Und kann früher oder später Kasse machen. Zu Lasten von Dutzenden Telekommunikationskonzernen in aller Welt.

Eine Milliarde Nutzer bei WhatsApp ist kein Grund für große Freude.