Facebook ist der mit Abstand größte Umschlag-Platz für Fotos: Über zwei Milliarden Menschen teilen hier täglich Fotos. Unzählige werden hoch geladen. Und Facebook weiß ganz genau, was wir da fotografieren und teilen, denn Algorithmen schauen sich die Fotos an. Das beweist ein neuer Service: Menschen mit Seh-Behinderung bekommen Fotos beschrieben. Auch Google weiß, was in Fotos zu sehen ist.

Facebook bietet einen neuen Service für Menschen mit Seh-Behinderung. Beginnend in den USA bekommen User auf Wunsch eine Beschreibung zu hören, was in einem Foto zu sehen ist.

Dazu versieht Facebook Fotos mit zusätzlichen Alt-Tags, die das jeweilige Foto beschreiben. Und diese Alt-Tags können von einem Reader vorgelesen werden: Menschen mit Seh-Behinderung bekommen dann nicht nur die Headlines und Teaser vorgelesen, sondern erfahren auch, was auf den Fotos zu sehen ist, die im Reader erscheinen.

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Beschreibung in den Alt-Tags der Bilder

Künstliche Intelligenz (KI) sorgt dafür, dass den Bildern die nötigen Beschreibungen verpasst werden. Keine schlechte Idee: Dadurch, dass nicht die verwendete Software die Aufgabe des Beschreibens übernimmt, sondern die Fotos in den Alt-Tags mit entsprechenden Zusatz-Infos ausgestattet werden, kann grundsätzlich jede Software die beschreibenden Infos verarbeiten – und zum Beispiel vorlesen.

Zwar startet Facebook erst mal mit der iOS-Version seines Readers, aber grundsätzlich ist dieser Service überall denkbar. “Image may contain”, so beginnt die Beschreibung in der Regel: Das Bild enthält möglicherweise … zum Beispiel zwei lächelnde Menschen vor Strand und mit blauem Himmel. Eine Pizza. Mehrere Bäume im Freien.

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Zwei Milliarden Fotos am Tag

Jeden Tag teilen die Menschen weltweit über zwei Milliarden(!) Fotos auf Facebook, WhatsApp, Instagram und dem Facebook Messenger. Eine Menge Holz. Mark Zuckerbergs Unternehmen ist damit zweifellos der wichtigste Umschlag-Platz für Fotos jeder Art. Doch Facebook weiß nicht nur, wer fotografiert und wer sich die Fotos anschaut, sondern eben auch, was in den Fotos zu sehen ist.

Das belegt der neue Service von Facebook eindrucksvoll: Software analysiert die Bilder und “sieht”, was da fotografiert wurde. Die Algorithmen funktionieren schon erstaunlich gut. Naiv zu glauben, dass Facebook diese Infos nur nutzt, um Menschen mit Seh-Schwäche eine Kurz-Beschreibung vor zu lesen. Selbstverständlich werden die automatisch erzeugten Meta-Daten auch für den eigentlichen Geschäfts-Zweck genutzt: Werbung.

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Auch Google kann in die Fotos hineinschauen

Es ist ja nichts Neues: Je mehr Online-Dienste über uns wissen, desto wertvoller sind wir für sie. Man muss sich also klar darüber werden, dass auch jede ins Netz geschickte Foto-Aufnahme etwas verrät: Welche Kamera ich verwendet habe, wo ich fotografiert habe – und eben auch: was. Ganz leicht für einen Algorithmus herauszufinden, ob jemand gerne reist, sich für Mode interessiert, gerne essen geht oder die Natur liebt. Solche Infos stecken in den Fotos, die er macht und teilt. Und natürlich sind solche Infos sehr spannend für ein Werbe-Netzwerk.

Google kann das natürlich auch. Wer seine Fotos im kostenlosen Foto-Archiv Google Photos ablegt, kann sie nach Inhalten durchsuchen, ohne vorher die Bilder mit Tags versehen zu haben. Kinder, Essen, Himmel, Strand, Berge, Auto-Reifen – alles Schlag-Wörter, die von der Such-Maschine verstanden werden. Sekunden-Bruchteile später erscheinen die entsprechenden Aufnahmen in der Übersicht. Das funktioniert schon erstaunlich gut.

Will sagen: Nicht nur was wir tippen, ist für Online-Dienste interessant. Auch was wir knipsen. Das können sie mittlerweile genauso gut verarbeiten wie Texte oder Klicks.

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