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#OEZ #München: Wie Polizei und User die Social Media genutzt haben

23.07.2016 | Von Jörg Schieb

Tipps

Nach aktuellem Kenntnisstand hat gestern ein Deutsch-Iraner in München neun Menschen erschossen, noch viele mehr verletzt, unzählige in Angst und Schrecken versetzt – und sich am Ende selbst gerichtet. Lange war die Lage unklar. Die sozialen Medien, allen voran Twitter, haben während des ganzen Abends eine große Rolle gespielt. Es kursierten schnell Fotos und Videos im Netz – und die Polizei hat Twitter genutzt, um mit der Bevölkerung und den Medien kommuniziert.

Schnell haben sich erste Meldungen und Eindrücke aus München über die sozialen Netzwerke verteilt. Was zum Beispiel?

Vor allem Tweets auf Twitter, zum Beispiel mit ersten Augenzeugenberichten und Warnungen von Passanten. Aber auch Fotos und Videos wurden verteilt. Ich habe auch einen Periscope-Videolivestream gesehen von einem Passanten, der auf einer Straße in der näheren Umgebung des OEZ stand, und dieser Stream hat innerhalb kürzester Zeit über 35.000 Live-Zuschauer – nicht zuletzt, weil auch Fernsehsender den Stream live übernommen haben. Das Netz wurde geflutet mit Eindrücken, Fotos, Warnungen und Videos.

München

Aber auch die Polizei hat die sozialen Medien gekonnt genutzt, wie genau hat die Polizei Gebrauch gemacht?

Die Polizei hat immer wieder Warnungen an die Bevölkerung veröffentlich, die User auch geduzt. Die Polizei hat davor gewarnt, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, hat die Öffentlichkeit gebeten, nach Hause zu gehen oder das Zuhause nicht zu verlassen, Schutz zu suchen. Diese Warnungen wurden auch in Englisch und Französisch getwittert. Die Polizei hat die sozialen Medien wirklich sehr geschickt genutzt, während die traditionellen Medien damit beschäftigt waren, sich im Chaos zu orientieren. Dickes Lob an die Polizei.

 

Die Polizei hat alle, die Fotos oder Videos vom Tatort und vom Ablauf des Geschehens gemacht haben, gebeten, ihre Fotos und Videos zur Verfügung zu stellen. Was macht die Polizei damit?

Das stimmt. Wer Fotos und Videos gemacht hat vom Geschehen, soll sie später bei der Polizei hochladen. Da soll es noch einen gesonderten Bereich geben, man soll sie nicht in den Sozialen Medien hochladen. Die Ermittler können sich mit Hilfe der Aufnahmen dann einen besseren Eindruck vom Ablauf des Geschehens machen, sie können alle Puzzleteile zusammensetzen und alles chronologisch ordnen. Das hilft, neben den Zeugenaussagen, ein möglichst präzises Bild vom Geschehen zu bekommen.

 

Die Polizei hat aber auch gebeten, während der Fahndung keine weiteren Bilder ins Netz zu stellen. Wieso?

In der Tat: Die Menschen wurden gebeten, keine Aufnahmen von Einsatzkräften zu zeigen, um möglichen Tätern – man war ja davon ausgegangen, dass es mehrere sind und die sich noch im Stadtgebiet aufhalten –, um diesen Tätern keine Hinweise zu geben, wo sich Einsatzkräfte befinden. Auch sollten die möglichen Täter keinen Hinweis bekommen, wo sich Menschenmengen aufhalten.

 


Aber haben sich die User daran gehalten?

Einige vielleicht, aber keineswegs alle. Abgesehen davon haben auch die Fensehsender die Bilder und Videos mehr oder weniger live und in Dauerschleife gesendet und damit teilweise dem Wunsch der Polizei widersprochen; klar, Fernsehsender brauchen Bilder, da nimmt man, was man hat. Ich habe Anfragen von Fernsehsender auf Twitter-Timelines gesehen, ob Fotos oder Videos übernommen werden dürfen, auch von US-Sendern. Aber sicher haben nicht alle Sender vorher gefragt. Und auf Authentizität lassen sich die Bilder in der Kürze der Zeit, in der Eile auch kaum überprüfen.

 

Du sagst es: Wie lässt sich sagen, ob man wirklich Bilder sieht, die authentisch sind – es könnte sich ja auch um Fälschungen handeln?

Man kann Fotos und Videos überprüfen. Fotos zum Beispiel enthalten häufig in den so genannten Exif-Daten Hinweise, mit welcher Kamera fotografiert wurde, aber auch wann und wo, mit GPS-Daten. Hat jemand diese Informationen nicht bearbeitet und verschickt ein altes Foto, ist das leicht zu enttarnen.

viewexif

Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit speziellen Tools zu prüfen, ob es dieses oder ähnliche Fotos schon mal im Netz gab, also eine Kopie ist. Google bietet zum Beispeil so eine Rückwärtsssuche an, aber es gibst auch andere Tools wie TinEye. Bei Videos ganz ähnlich: für YouTube, Vimeo und Co. gibt es Werkzeuge, die versuchen herauszufinden, ob ein Videos älter ist und schon mal veröffentlicht wurde. Experten schauen auch nach, indem sie Google Maps und Co. bemühen, ob die Bild aus der Umgebung passen.

Last not least kann man auch überprüfen, ob das Wetter und der Sonnenstand stimmen. Das ist schon forensische Arbeit, die Experten aber machen. Das Netz verrät einem, wie das Wetter vor Ort ist oder war und wie der Sonnenstand ist. In der Tagesschau-Redaktion bemüht man sich, Fotos und Videos vorher zu prüfen, aber das machen längst nicht alle Redaktionen.

Ähnliche Bilder finden; TinEye

 

 

 

 




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