Wenn Apple seine neue Smartphone-Reihe vorstellt, schauen alle gebannt nach Cupertino.  Dieses Jahr war es genauso. Große Überraschungen gabe es eigentlich nicht, denn die Gerüchte-Industrie läuft wie geschmiert. Die meisten im Vorfeld kolportierten Wahrscheinlichkeiten wie wasserdicht, keine Miniklinke mehr, drahtlose Kopfhörer, überarbeitete Kamera haben sich bewahrheitet.

Der große Knall ist auch das iPhone 7 nicht. Das Luxus-Smartphone wurde solode weiter entwickelt, ohne einen Wau-Effekt auszulösen. Wasserdicht? Können andere auch. Dual-Kamera? Haben andere auch. Bessere Fotoaufnahmen? Machen andere auch. Die einzige wirkliche Ungewöhnlichkeit ist der Verzicht auf die Miniklinke.

iPhone7

Verbesserte Kamera

Eine der vielleicht schönsten neuen Funktionen im iPhone 7 Plus kann man anfangs gar nicht nutzen. Denn die Software ist noch nicht bereit. Die Funktion wird nachgereicht. Das iPhone 7 Plus ist nicht nur mit einem neuen Bildsensor ausgestattet, sondern auch mit einem Dual-Kamera-System (aber nur das Plus-Modell). Tolle Sache, denn das ermöglicht unter anderem einen zweifachen optischen Zoom – und Fotos mit Tiefenschärfe.

Die Dual-Kamera ist für mich, der ich viele Fotos mache und Videos drehe, eine besonders reizvolle Sache. Sie ermöglicht nämlich das, was man sonst eher von Spiegelreflexkameras kennt. Im Portraitmodus verspricht Apple Tiefeneffekte: Person im Vordergrund scharf, der Hintergrund unscharf. Doch diese Funktion muss tatsächlich nachgereicht werden. Optik und Hardware sind vorhanden, doch die Software ist nicht so weit. Erst später.

So etwas hätte es unter Steve Jobs ganz sicher nicht gegeben: Eine neue Funktion, die man bestenfalls auf der Bühne zeigen kann, die Käufer aber erst später nachgereicht bekommen – per Software-Update. Wie frustrierend muss das sein, wenn man das Luxushandy tatsächlich kauft und auspackt, aber nicht gleich alle Funktionen nutzen kann. Zeit genug war doch eigentlich…

iPhone7 Linse Kamera

Kann das Gerät, nur jetzt noch nicht

Neue Funktionen und bessere Bildqualität waren dringend nötig, um zu anderen Topmodellen wie Samsungs S7 Edge zumindest aufzuschließen. Der neue Bildstabilisator, der bessere Bildsensor, die von fünf auf sieben Megapixel aufgerüstete Innenkamera sowie eine f/1.8-Blende können sich durchaus sehen lassen, heben das iPhone aber auch nicht über das Niveau anderer Smartphones.

Die Dual-Kameras im Plus-Modell hingegen ist vielversprechend, sie bietet viele Möglichkeiten – kennt man aber auch schon von Luxusmodellen wie dem LG G5 oder Huawei P9. Warum Apple das mit der Tiefenschärfe nicht von Anfang an hinbekommt, bleibt mir ein absolutes Rätsel.

Foto TIefenschärfe

Das nun staub- und spritzwassergeschützte iPhone 7 hat jetzt zwei eingebaute Lautsprecher, einen oben, einen unten. Beim Einsatz im Querformat ergeben sie einen Stereoeffekt. Doch nicht nur die Zahl der Lautsprecher ist doppelt, sondern auch die potenzielle Lautstärke: Doppelt so laut wie das iPhone 6s soll das neue iPhone 7 sein können.

Wer sich überlegt, dass das andere stören könnte und zum Kopfhörer greift, muss neue Kopfhörer benutzen. Denn die traditionelle Klinke ist verschwunden – stattdessen stöpselt man seinen Kopfhörer in den Lightning-Anschluss oder verwendet gleich drahtlose Kopfhörer. Weil aber auch Apple nicht möhte, dass wir all unsere alten Kopfhörer gleich entsorgen, liegt jedem iPhone7 ein Adapter bei. Den kann man in den Lightning-Anschluss stecken – und am anderen Ende einen alten Kopfhörer verwenden. Immerhin.

Apple Watch 2 jetzt wasserdicht

Doch Apple hat nicht nur sein neues Smartphone hergezeigt, sondern auch die zweite Generation der Apple Watch. Redet allerdings kaum jemand drüber – vermutlich, weil die Apple Watch doch arg teuer ist und der Akku nicht wirklich lange hält. Ich kenne nur Apple-Watch-Benutzer, die zwar happy mit den Funktionen sind, sich aber über die zu geringe Laufleistung des Akkus beschweren.

Ob sich das deutlich bessert, bleibt abzuwarten. Die neue Apple Watch 2 ist jetzt wasserdicht, kann also auch beim Schwimmen getragen werden. Doch was – zumindest für Sportler – viel wichtiger ist: Es gibt nun auch ein GPS-Modul. Die Watch braucht also nicht mehr das iPhone, um zu wissen, wo sie ist.

Apple Watch

Immerhin lässt sich die GPS-Funktion sofort benutzen und nicht erst „later this year“, nach einem Software-Update.

Alle neuen Geräte gibt es ab 13. September im Handel. Wie immer nicht gerade zu Discount-Preisen. Wer sich das Edel-Modell iPhone7 Plus mit 256 GByte Speicher gönnt, kann nahezu 1.200 EUR berappen.