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Studie: Warum sich Fake-News in den Sozialen Netzwerken so schnell verbreiten

09.03.2018 | Von Jörg Schieb

Internet

Fake-News sind wahrlich kein neues Phänomen. Mittlerweile wissen wir: Vor allem in den Sozialen Netzwerken verbreiten sich Fake-News besonders schnell und effektiv. Aber was sind die genauen Gründe? Wissenschaftler aus den USA haben untersucht, wie sich Meldungen auf Twitter verbreiten. Ergebnis: Fake-News verbreiten sich dort besonders schnell und weitreichend.

Es ist die bislang umfangreichste Studie. Die Forscher vom MIT haben 126.000 Meldungen untersucht, die von mehr als drei Millionen Menschen in der Zeit von 2007 bis 2011 getwittert wurden. Die Wissenschaftler konnten eindeutig nachweisen: Fake-News verbreiten sich auf Twitter dramatisch schneller und erreichen mehr Menschen als wahre Meldungen.

Sie werden zum Beispiel auffällig häufig retweetet. Dadurch erreichen Fake-News zehn bis hundert Mal(!) so viele User wie wahre Geschichten – und sie verbreiten sich außerdem sechs Mal schneller. Und wer sorgt dafür? Die User selbst. Nix Bots. Wir User beschaffen den Fake-News Aufmerksamkeit, wir kommentieren, liken, leiten weiter.

pixel2013 / Pixabay

 

Die Bots spielen nur eine geringe Rolle

Bots spielen bei der Verbreitung von Falschmeldungen durchaus eine Rolle, aber keine so große, wie man bislang angenommen hat. Rund 20% aller Meldungen im politischen Bereich stammen von Bots. Aber das allein sorgt nicht für Verbreitung. Verantwortlich für den Schneeballeffekt sind ganz klar die User: Fake-News werden deutlich häufiger retweetet und erreichen zehn- bis hundertmal so viele Menschen wie reguläre Tweets.

Entscheidend für den Erfolg ist dabei vor allem der vermeintlich höhere Neuigkeitswert der Fake-News, auch der Überraschungseffekt solcher Fake-Meldungen. Leider haben die Forscher auch festgestellt: Die Quelle und ihre jeweilige Popularität spielen dagegen gar keine Rolle.

Wahrheit spielt keine Rolle, nur Emotionalität

Falschmeldungen verbreiten sich signifikant weiter, schneller, tiefer und breiter als die Wahrheit – und das in allen Kategorien der Information. Wahre Meldungen erreichen nur selten mehr als 1000 Menschen. Fake-News haben es leichter, die am weitesten verbreiteten Fake-News wurden von 1000 bis 100.000 Menschen gelesen und retweetet.

Außerdem sind wahre Meldungen träger, sie verbreiten sich sechs Mal langsamer. Der Schneeballeffekt setzt also vor allem bei Fake-News ein. Das Problem gibt es freilich nicht nur bei Twitter, sondern genauso bei Facebook und Co. Die Forscher haben Twitter nur exemplarisch untersucht.

Der Reiz der FakeNews

Die Forscher haben das genau analysiert. Entscheidend waren stets Neuigkeitswert und Überraschungsfaktor. Das schaffen Fake-News mühelos, schließlich behaupten sie Dinge, die uns überraschen und aufwühlen. Die Quelle der angeblichen Nachrichten, ob seriös oder nicht, spielt hingegen praktisch keine Rolle. Ein dramatisches Zeugnis.

Das nur den einen Schluss zulässt: „Soziale Netzwerke“ sind schädlich, da sie das Schlechte und Falsche stärken, nicht schwächen. Und wir machen mit. Und wir Journalisten sind auch nicht ganz unschuldig. Schließlich versorgen wir die Netzwerke mit seriösen News, oft ein Feigenblatt für die Dienste. Die seriösen Nachrichten werden nicht so stark wahrgenommen.

Schlüsse ziehen

Zunächst einmal die: Die Verantwortung liegt zu einem nicht unwesentlichen Teil bei uns. Bei uns Usern. Wir sollten uns gut überlegen, auf welche Meldungen wir reagieren. Es geht nicht mal nur darum, was wir liken oder teilen. Selbst die von Facebook gerne vorgeschlagene „Gegenrede“ ist kontraproduktiv: Sie suggeriert Interesse und macht Fake-Beiträge für die Algorithmen interessant. Die emotionale Wirkung der Inhalte entscheidet also über Erfolg und Misserfolg. Und eine emotionale Wirkung haben Fake-News zweifellos.

Das klare Fazit der Forscher: Denkt nach, bevor Ihr retweetet. Oder teilt.

 




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