Besser, größer, mehr: Der Smartphone-Markt entwickelt sich jeden Tag weiter. Dabei werden Display, Kamera, Leistung und Funktionsumfang weiterentwickelt. Ausgenommen sind die Speicherkarten. Die haben sich in den letzten Jahren kaum weiter entwickelt. Doch die Geschichte der Nano Memory Card zeigt, wie sich Standards im hart umkämpften Speichermarkt entwickeln.
Bisher galt die microSD-Karte als beste Lösung, wenn es darum geht, den Speicher des Smartphones zu erweitern. Mit der Vorstellung von Huaweis Smartphone-Generation Mate 20 und Mate 20 Pro 2018 hat der chinesische Hersteller mit der sogenannten Nano Memory Card ein neues Speichermedium auf den Markt gebracht – ein Experiment, das heute als gescheitert gilt.
Die NMC ging dabei einen kleinen, aber entscheidenden Schritt, der Smartphone-Herstellern neue Möglichkeiten beim Bau und der Ausstattung ihrer Geräte eröffnen sollte. Die Speicherkarte hatte die exakten Maße einer Nano-SIM-Karte, also 12,3 mm X 8,8 mm X 0,67 mm. Eine microSD ist hingegen 15 mm X 11 mm X 0,7 mm groß.
Die Ersparnis schien auf den ersten Blick unbedeutend gering. Allerdings können selbst durch nur wenige Millimeter mehr Komponenten verbaut werden, für die sonst kein Platz im Gehäuse wäre. Die immer seltener werdenden 3,5-mm-Kopfhörer-Anschlüsse waren dem Fortschritt anderer Features bereits zum Opfer gefallen. Mit einer Nano Memory Card bestand zumindest die Möglichkeit, diesen Anschluss wieder zurückzuholen, oder andere Komponenten weiterzuentwickeln.
Warum die Nano Memory Card gescheitert ist
Rückblickend zeigt sich: Die Nano Memory Card konnte sich nicht durchsetzen. Huawei verwendete das Format nur wenige Jahre in ausgewählten Modellen, bevor es wieder eingestellt wurde. Die Gründe für das Scheitern sind vielschichtig:
Fehlende Industrie-Unterstützung: Kein anderer Smartphone-Hersteller sprang auf den Zug auf. Ohne breite Unterstützung blieb die NMC ein Nischen-Format, das nur in wenigen Huawei-Geräten funktionierte.
Hohe Kosten: Die proprietären Karten waren deutlich teurer als microSD-Karten. Während eine 128-GB-microSD für unter 20 Euro zu haben war, kosteten die Nano Memory Cards das Doppelte bis Dreifache.
Begrenzte Verfügbarkeit: Die Karten waren schwer zu bekommen und nur über wenige Kanäle verfügbar. Das machte sie für Verbraucher unattraktiv.
Der aktuelle Stand der Smartphone-Speichererweiterung
Heute hat sich der Markt in eine andere Richtung entwickelt. Viele Premium-Smartphones verzichten komplett auf erweiterbaren Speicher. Stattdessen setzen Hersteller auf:
Mehr interner Speicher: Moderne Smartphones kommen standardmäßig mit 128 GB, 256 GB oder sogar 1 TB internem Speicher. Die Preise für Flash-Speicher sind so weit gefallen, dass großzügige Ausstattung wirtschaftlich möglich ist.
Cloud-Speicher: Services wie Google Drive, iCloud oder OneDrive haben die Notwendigkeit lokaler Speichererweiterung für viele Nutzer reduziert. Fotos, Videos und Dokumente landen automatisch in der Cloud.
Bessere Speicherverwaltung: KI-gestützte Funktionen räumen automatisch auf, komprimieren Fotos oder lagern selten genutzte Daten aus.
MicroSD lebt weiter – aber nicht überall
Die gute alte microSD-Karte ist keineswegs tot. Besonders in der Mittelklasse und bei Android-Geräten ist sie nach wie vor präsent. Moderne microSD-Karten erreichen mittlerweile beeindruckende Geschwindigkeiten und Kapazitäten bis zu 1,5 TB.
Die neuesten Standards wie SD Express versprechen Übertragungsraten von bis zu 4 GB/s – mehr als genug für 8K-Videos oder anspruchsvolle Gaming-Anwendungen. Auch die Haltbarkeit hat sich deutlich verbessert.
Wo microSD noch wichtig ist:
– Action-Kameras und Dashcams
– Nintendo Switch und andere Handheld-Konsolen
– Drohnen und professionelle Kameras
– Budget-Smartphones
– Tablets für Content-Ersteller
Die Lehren aus dem NMC-Experiment
Das Scheitern der Nano Memory Card zeigt, wie schwer es ist, etablierte Standards zu verdrängen. Selbst technische Vorteile reichen nicht aus, wenn die Industrie nicht mitspielt und Verbraucher keinen klaren Nutzen sehen.
Für die Zukunft zeichnen sich andere Trends ab: eSIMs werden physische SIM-Karten verdrängen und Platz schaffen. Dieser wird aber eher für größere Akkus, bessere Kühlung oder zusätzliche Sensoren genutzt als für Speicherkarten-Slots.
Die Nano Memory Card bleibt ein interessantes Kapitel der Smartphone-Geschichte – ein Beleg dafür, dass nicht jede technische Innovation automatisch zum Erfolg führt.
Zuletzt aktualisiert am 07.03.2026


