Was Google über euch weiß – und wie ihr es herausfindet

von | 06.12.2018 | Internet

Wer sich mit der Suchmaschine von Google über ein bestimmtes Produkt informiert, sieht danach auf unzähligen Webseiten Werbung für genau diesen oder einen ähnlichen Artikel. Dahinter stecken personalisierte Anzeigen von Google. Was Google über euch weiß, lässt sich mittlerweile über verschiedene Wege ermitteln – und das Ausmaß der Datensammlung ist beeindruckend.

So findet ihr euer Google-Werbeprofil

Welches Profil Google über euch als Nutzer angelegt hat, könnt ihr direkt in den Werbe-Einstellungen herausfinden. Dazu geht ihr auf www.google.de, meldet euch mit eurem Google-Konto an und öffnet anschließend die Seite https://adssettings.google.com/.

Hier erscheint nach ein wenig Scrollen eine Liste mit Stichwörtern, die Google als auf euch zutreffend einschätzt – zum Beispiel, für welche Hobbys ihr euch interessiert oder auch, wie alt ihr ungefähr seid.

Mein Google Dashboard: Der umfassende Datencheck

Viel detaillierter wird es in eurem persönlichen Google Dashboard unter myaccount.google.com. Hier findet ihr unter „Daten & Datenschutz“ eine wahre Fundgrube an Informationen, die Google über euch gesammelt hat:

  • Standortverlauf: Eine komplette Karte eurer Bewegungen, falls aktiviert
  • Web- & App-Aktivitäten: Jede Suchanfrage, jeden YouTube-Klick, jede Sprachsuche
  • YouTube-Verlauf: Alle Videos, die ihr jemals angeschaut habt
  • Werbe-ID: Wie ihr geräteübergreifend getrackt werdet

Besonders erschreckend ist oft der Standortverlauf. Google zeichnet minutengenau auf, wo ihr gewesen seid – selbst wenn ihr glaubt, die Funktion deaktiviert zu haben. Oft ist nur die „Standortfreigabe“ aus, aber der „Standortverlauf“ läuft weiter.

KI macht Googles Profiling noch präziser

Seit 2024 nutzt Google verstärkt KI-Modelle wie Gemini, um aus euren Daten noch präzisere Profile zu erstellen. Die künstliche Intelligenz erkennt Muster in eurem Verhalten, die Menschen nie entdecken würden. Sie weiß, wann ihr wahrscheinlich krank werdet (mehr Gesundheitssuchen), ob ihr vor einer Trennung steht (Änderung der Suchgewohnheiten) oder eine Gehaltserhöhung bekommen habt (teurere Produktsuchen).

Diese „Insights“ verkauft Google nicht direkt, aber sie machen die Werbung so präzise, dass Unternehmen bereit sind, deutlich mehr dafür zu zahlen.

So schränkt ihr die Datensammlung ein

Möchtet ihr in Zukunft keine personalisierten Anzeigen von Google mehr sehen, schaltet ganz oben die Option für Personalisierte Werbung aus. Das stoppt aber nicht die Datensammlung – nur die personalisierte Nutzung für Werbezwecke.

Für echte Kontrolle müsst ihr tiefer graben:

  1. Web- & App-Aktivitäten pausieren: Stoppt das Tracking eurer Suchanfragen
  2. Standortverlauf deaktivieren: Verhindert die Aufzeichnung eurer Bewegungen
  3. YouTube-Verlauf löschen: Entfernt alle Daten über eure Video-Gewohnheiten
  4. Automatische Löschung aktivieren: Neue Daten werden nach 3, 18 oder 36 Monaten automatisch gelöscht

Alternative: Privacy-Tools und andere Suchmaschinen

Immer mehr Nutzer steigen auf datenschutzfreundliche Alternativen um. DuckDuckGo speichert beispielsweise keine persönlichen Daten, Startpage nutzt Google-Ergebnisse ohne Tracking, und Brave Search entwickelt sich zu einer ernsthaften Alternative.

Browser-Extensions wie uBlock Origin, Ghostery oder Privacy Badger blockieren viele Tracking-Mechanismen. Aber Vorsicht: Auch diese Tools haben ihre Grenzen, besonders bei Google-eigenen Diensten wie YouTube oder Gmail.

Das Geschäft mit euren Daten

Warum sammelt Google überhaupt so viele Daten? Die Antwort ist simpel: Geld. 2025 hat Google über 200 Milliarden Euro mit Werbung verdient – fast ausschließlich durch personalisierte Anzeigen. Je genauer das Profil, desto höher der Preis pro Klick.

Ein durchschnittlicher Google-Nutzer ist für das Unternehmen etwa 150-200 Euro pro Jahr wert. Power-User mit hohem Einkommen und vielen Suchanfragen können sogar über 1000 Euro jährlich generieren.

Tipp: Welche weiteren Werbeanzeigen ihr zu sehen bekommt, könnt ihr ermitteln, wenn ihr ganz unten auf der Werbeeinstellungen-Seite nach zusätzlichen Optionen sucht oder eure Werbe-ID in den Geräteeinstellungen prüft.

Fazit: Bewusster Umgang ist möglich

Google komplett zu vermeiden ist unrealistisch – aber ihr könnt bewusster entscheiden, welche Daten ihr preisgeben möchtet. Schaut regelmäßig in eure Google-Einstellungen, nutzt die automatische Löschung und überlegt bei jeder App-Installation, ob sie wirklich Zugriff auf euer Google-Konto braucht.

Transparenz ist der erste Schritt zu mehr digitaler Souveränität. Wenn ihr wisst, was Google über euch sammelt, könnt ihr informierte Entscheidungen treffen.

Zuletzt aktualisiert am 06.03.2026