Apple Pay ist mittlerweile fest in der deutschen Bezahllandschaft etabliert. Was 2018 als große Neuerung startete, gehört heute zum Alltag vieler iPhone- und Apple Watch-Nutzer. Doch die Konkurrenz ist gewachsen und neue Technologien verändern das mobile Bezahlen grundlegend.
Ein Freund von mir, Dirk, hat im gemeinsamen Spanien-Urlaub beim Bezahlen an der Kasse immer wieder einen Knicks gemacht – was lustig aussieht, bei einem Kerl seiner Statur. Doch mit der aller größten Freude hat er Restaurantrechnungen und einzelne Getränkeflaschen am Strand durch Hinhalten seiner Apple Watch bezahlt.
Was damals noch exotisch war, ist heute Standard. Apple Pay funktioniert mittlerweile mit praktisch allen deutschen Banken und Sparkassen – ein gewaltiger Fortschritt seit dem holprigen Start.
Fast alle Banken sind mit dabei
Die Zeiten der Verweigerung sind vorbei. Heute unterstützen alle großen deutschen Banken Apple Pay: Deutsche Bank, Commerzbank, ING, DKB, N26 und seit 2020 endlich auch die Sparkassen. Selbst die Volks- und Raiffeisenbanken sind größtenteils mit an Bord.
Bezahlen könnt ihr mit Apple Pay überall dort, wo kontaktloses Bezahlen möglich ist – und das sind heute fast 95% aller Terminals in Deutschland. Von der Tankstelle über den Supermarkt bis zum Bäcker um die Ecke.
Besonders praktisch: Apple Pay funktioniert auch für Online-Shopping und In-App-Käufe. Ein Doppelklick auf die Seitentaste des iPhones, kurz in die Kamera schauen (Face ID) oder den Finger auflegen (Touch ID) – fertig. Deutlich schneller als das Eingeben von Kreditkartendaten.
Neue Features und Konkurrenz
Apple hat sein Bezahlsystem kontinuierlich ausgebaut. Besonders spannend: Apple Pay Later ermöglicht Ratenzahlungen direkt im Bezahlvorgang – allerdings noch nicht in Deutschland verfügbar. Dafür gibt es hierzulande die Integration mit der Apple Card von Goldman Sachs für internationale Kunden.
Die Konkurrenz schläft nicht: Google Pay hat massiv aufgeholt und funktioniert mittlerweile mit noch mehr Banken. PayPal, Samsung Pay und neue Player wie die digitalen Wallets der Banken kämpfen um Marktanteile. Besonders interessant: Die EU arbeitet an einer digitalen Euro-Wallet, die alle bisherigen Systeme überflüssig machen könnte.
Ein echter Gamechanger sind die neuen biometrischen Verfahren. Während Apple weiterhin auf Face ID und Touch ID setzt, experimentieren andere Anbieter mit Handvenen-Scannern und Iris-Erkennung. Amazon hat bereits Handflächen-Scanner in einigen US-Filialen im Einsatz.
Sicherheit auf höchstem Niveau
Apple Pay gilt weiterhin als einer der sichersten Bezahldienste. Das liegt am Token-System: Bei jeder Transaktion wird eine einmalige Nummer generiert. Eure echten Kartendaten verlassen nie das Gerät. Selbst wenn jemand die Übertragung abfängt, kann er damit nichts anfangen.
Neu seit 2024: Apple hat die Sicherheit nochmals erhöht. Transaktionen über 50 Euro erfordern jetzt immer eine biometrische Bestätigung – auch bei der Apple Watch. Das verhindert Missbrauch bei Diebstahl.
Die Datenschutz-Situation hat sich ebenfalls verbessert. Apple verarbeitet Transaktionsdaten seit 2023 größtenteils in Europa, dank neuer Rechenzentren in Irland und Dänemark. Trotzdem fließen weiterhin Metadaten zu Apple in die USA – ein Punkt, der Datenschützern noch immer sauer aufstößt.
Was die Zukunft bringt
Das mobile Bezahlen steht vor der nächsten Revolution. Künstliche Intelligenz soll Kaufgewohnheiten analysieren und automatisch die beste Zahlmethode vorschlagen. Apple arbeitet an einem System, das bei verschiedenen Händlern automatisch die Karte mit den besten Konditionen wählt.
Spannend wird auch die Integration von Kryptowährungen. Während Apple sich noch zurückhält, haben andere Anbieter bereits Bitcoin und Ethereum in ihre Wallets integriert. Die Europäische Zentralbank plant für 2027 den digitalen Euro – dann könnte sich die gesamte Bezahllandschaft nochmals drastisch ändern.
Lohnt sich Apple Pay heute noch?
Klare Antwort: Ja, aber mit Einschränkungen. Wer bereits im Apple-Ökosystem lebt, bekommt die nahtloseste Erfahrung. Die Integration zwischen iPhone, Apple Watch und Mac funktioniert perfekt.
Allerdings ist Apple Pay nicht mehr der klare Gewinner von früher. Google Pay punktet mit besserer Flexibilität, die Bank-eigenen Apps werden immer besser und neue Anbieter drängen auf den Markt.
Mein Rat: Probiert verschiedene Systeme aus und entscheidet dann. Meist reicht es, zwei verschiedene Bezahl-Apps auf dem Handy zu haben – für den Fall, dass eine mal nicht funktioniert.
Die Zeiten, in die sich noch um mobile Bezahlsysteme gestritten wurde, sind vorbei. Heute ist die Frage nicht mehr ob, sondern welches System am besten zu euch passt.
Zuletzt aktualisiert am 06.03.2026


