Facebook hat sich in den letzten Monaten und Jahren eine Menge geleistet: Datenpannen ohne Ende, Datenmissbrauch, Lecks, mangelnde Transparenz und Kontrolle. Der Ärger mit den Behören ist erheblich. Nun versucht Mark Zuckerberg es mit der Flucht nach vorne: Er hat einige Veränderungen angekündigt, die durchaus mehr Privatsphäre bringen könnten – aber weniger geht ja auch kaum.

Mark Zuckerberg ist keiner, der ein besonderes Talent für Einsicht hätte. Die zahllosen Skandälchen und Skandale der letzten Wochen und Monate haben ihn nicht sonderlich beeindruckt. Er hat beschwichtigt und gelogen, falsche Versprechungen gemacht und nur eins gezeigt: Geändert wird nur etwas, wenn es gar nicht mehr anders geht. Und das Geschäftskonzept ist heilig. Der Druck muss also wirklich groß sein, wenn Zuckerberg nun eine Art Wir-krempeln-alles-um-Post schreibt.

Zuckerberg macht Versprechungen

„Facebook verspricht mehr Privatsphäre“, meldet die Tagesschau (Kunststück, weniger geht ja auch nicht). „Zuckerberg will Facebook zum Privatsphäreunternehmen machen“, jubelt T3N.  Das erscheinen mir doch arg optimistische Blicke in die Zukunft zu sein. Wir sollten doch gelernt haben: Zuckerberg kann man nicht trauen. Und bloß, weil sich hier und da etwas ändert, wird Facebook nicht gleich zum Musterschüler.

Besser scheint es zu werden, wenn man den Ankündigungen von Zuckerberg Glauben schenken darf. Es soll mehr Verschlüsselung geben. Nachrichten werden verschlüsselt. Gruppen-Chats werden verschlüsselt.

Das ist in der Tat zu begrüßen, denn so bekommt Facebook weniger mit, was wir machen. Inhaltlich zumindest. Denn was Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist, bleibt sogar für Zuckerbergs Konzern unsichtbar. Doch die Metadaten werden nicht weniger: Wie alt bin ich, wo wohne ich, wo halte ich mich auf, wofür interessiere ich mich…

Eher Nebelkerze als Durchbruch

Was wir bei Facebook posten, soll weniger öffentlich stattfinden, verschlüsselt und mehr in Gruppen. Also im Grunde so ähnlich wie bei WhatsApp. Was Facebook zu einer Art WhatsApp+ machen könnte. Facebook und WhatsApp wachsen noch enger zusammen.

Natürlich bleiben trotzdem noch reichlich Informationskrumen übrig, die Zuckerbergs Server einsammeln und auswerten können. Und: Fake-News oder Hatespeech zu bekämpfen könnte dadurch schwieriger bis unmöglich werden. Denn was Facebook nicht lesen kann, das kann der Konzern auch nicht blocken.

Insgesamt scheint sich Facebook zu bewegen, aber im Schneckentempo. Der große Wurf ist das nicht. Eher eine Nebelkerze. Zuckerberg wird sich schon sehr genau überlegt haben, wie das dem Unternehmen nutzt. Dem Unternehmen, nicht den Usern.

Ich bleibe dabei: Ein wirklicher Durchbruch wäre Interoperabilität. Bei Messengern und bei Sozialen Netzwerken. Also jeder sollte sich mit jedem unterhalten und austauschen können. Egal, welcher Messenger am Start ist oder welches Netzwerk man nutzt. Denn dann wäre ich nicht auf Facebook angewiesen. Dann hätten auch neue alternative Netzwerke wie My2Cents eine Chance – und Facebook müsste sich wirklich anstrengen beim Schutz der Privatsphäre, um nicht so viele User zu verlieren.