Eye Contact bei Videokonferenzen: KI korrigiert deinen Blick

von | 29.09.2020 | Tipps

Videokonferenzen haben sich längst von der Pandemie-Notlösung zum Standard entwickelt: Statt Reisezeiten auf sich zu nehmen, bleibst du an deinem PC sitzen und nimmst virtuell an der Konferenz teil. Vollkommen unabhängig von Zeitzonen, Reisebeschränkungen und Fahrtzeiten. Eines aber ist bei der Teilnahme oft verwirrend und professionell störend: Die Kamera des Gerätes ist nicht immer in deiner Blickrichtung, und so schaust du für deine Gesprächspartner oft an ihnen vorbei. Was ursprünglich mit dem Surface Pro X begann, hat sich mittlerweile zu einem Standard-Feature entwickelt!

Das Problem kennst du sicher: Die Kamera ist im Monitor oder dem Display des Notebooks verbaut. Dieser Bildschirm ist aber nicht notwendigerweise dein Hauptbildschirm, auf dem auch deine Videokonferenz-Software läuft. Damit schaust du nicht direkt in die Kamera, sondern daran vorbei. Das wirkt unprofessionell und distanziert – gerade in wichtigen Business-Meetings ein echtes Problem.

Eye Contact wird zum Standard

Eye Contact hieß die ursprüngliche Lösung von Microsoft, die 2020 exklusiv für das Surface Pro X entwickelt wurde. Mittlerweile hat sich die KI-gestützte Blickkontakt-Korrektur zu einem weit verbreiteten Feature entwickelt, das in verschiedenen Formen verfügbar ist.

Die Technologie funktioniert mit maschinellem Lernen: Eine KI analysiert dein Gesicht in Echtzeit und korrigiert die Blickrichtung deiner Augen so, dass es aussieht, als würdest du direkt in die Kamera schauen. Der Algorithmus erkennt deine Augenbewegungen und berechnet, wie dein Blick aussehen müsste, wenn du tatsächlich in die Linse schauen würdest.

Wo Eye Contact heute verfügbar ist

Was einst eine Surface Pro X-Exklusivität war, findest du heute in vielen Geräten und Plattformen:

Microsoft Surface-Geräte: Neuere Surface Pro und Surface Laptop Modelle bieten Eye Contact standardmäßig. Die Funktion ist in den Surface-Einstellungen unter Kamera zu finden.

Windows 11 Studio Effects: Microsoft hat die Technologie in Windows 11 integriert. Über die Schnelleinstellungen oder Kamera-Datenschutzeinstellungen kannst du „Eye Contact“ systemweit aktivieren.

NVIDIA Broadcast: Die kostenlose Software von NVIDIA bietet nicht nur Noise Cancelling und Hintergrundeffekte, sondern auch „Eye Contact“ für alle Kameras – vorausgesetzt, du hast eine RTX-Grafikkarte.

MacOS Ventura und neuer: Apple hat eine ähnliche Funktion namens „Center Stage“ entwickelt, die nicht nur den Blickkontakt korrigiert, sondern auch automatisch den Bildausschnitt anpasst.

Logitech Webcams: Viele aktuelle Logitech-Modelle wie die Brio 500 oder MX Brio bieten Eye Contact über die Logi Tune Software.

So aktivierst du Eye Contact

Je nach System unterscheidet sich die Aktivierung:

Windows 11: Gehe zu Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Kamera > Kameraeffekte. Hier findest du die Option „Eye Contact“ zum Aktivieren.

Surface-Geräte: Öffne die Surface-App und navigiere zu den Kamera-Einstellungen. Aktiviere „Eye Contact“ und nutze die „Preview“-Funktion, um die Wirkung zu testen.

NVIDIA Broadcast: Lade die Software von der NVIDIA-Website herunter, wähle deine Kamera aus und aktiviere den „Eye Contact“-Effekt. Die virtuelle Kamera wird dann in deiner Videokonferenz-Software als Quelle verfügbar.

Performance und Grenzen

Die KI-basierte Blickkontakt-Korrektur ist rechenintensiv. Bei älteren Geräten kann es zu Performance-Einbußen kommen. Moderne Prozessoren mit NPU (Neural Processing Unit) wie die Intel Core Ultra oder AMD Ryzen AI-Chips bewältigen die Berechnung deutlich effizienter.

Eine Besonderheit: Die Korrektur funktioniert am besten bei frontaler Kopfhaltung und guter Beleuchtung. Bei extremen Kopfneigungen oder schlechten Lichtverhältnissen kann das Ergebnis unnatürlich wirken.

Datenschutz und lokale Verarbeitung

Ein wichtiger Vorteil der meisten Eye Contact-Implementierungen: Die Verarbeitung erfolgt lokal auf deinem Gerät. Deine Videodaten werden nicht an externe Server übertragen – ein entscheidender Punkt für datenschutzsensible Unternehmen.

Die Zukunft des Blickkontakts

2026 arbeiten Entwickler bereits an der nächsten Generation: Statt nur den Blick zu korrigieren, sollen zukünftige Systeme auch Mimik und Kopfbewegungen natürlicher erscheinen lassen. Erste Prototypen können sogar bei komplett abgewandtem Blick einen natürlichen Augenkontakt simulieren.

Eye Contact hat sich von einer Surface-Besonderheit zu einem Must-have-Feature für professionelle Videokonferenzen entwickelt. Wenn du regelmäßig in Video-Calls sitzt, solltest du prüfen, ob dein System diese Funktion bereits unterstützt – der Unterschied in der Wirkung auf deine Gesprächspartner ist beträchtlich.

Zuletzt aktualisiert am 27.02.2026