Surface Pro X: Wie ARM-Windows erwachsen wurde

von | 17.01.2020 | Hardware, Tipps, Windows

Die Surface-Reihe von Microsoft hat schon die eine oder andere Überraschung gebracht: Vom revolutionären Surface Book mit abnehmbarem Display bis zum faltbaren Surface Duo. Doch rückblickend war das 2019 vorgestellte Surface Pro X mit seinem ARM-Prozessor ein wichtiger Meilenstein – auch wenn es damals noch zu früh kam. Heute, 2026, sieht die Welt der ARM-basierten Windows-Geräte völlig anders aus.

Während das ursprüngliche Surface Pro X mit seinem SQ-1-Prozessor noch kämpfen musste, haben ARM-Prozessoren mittlerweile den Durchbruch geschafft. Apples M-Serie hat gezeigt, was möglich ist, und auch Qualcomm hat mit den Snapdragon X Elite und X Plus Chips nachgezogen. Microsoft selbst setzt inzwischen auf die neueste Generation der Snapdragon X-Prozessoren in den aktuellen Surface-Modellen.

Der größte Unterschied zu damals: Die App-Kompatibilität ist heute kein Problem mehr. Windows 11 auf ARM emuliert nicht nur 32-Bit-, sondern auch 64-Bit-x86-Programme nahtlos. Microsoft hat die Emulation drastisch verbessert – Performance-Einbußen sind heute minimal und im Alltag kaum spürbar. Dazu kommt: Viele wichtige Programme gibt es mittlerweile nativ für ARM64, von Adobe Creative Suite über Chrome bis hin zu den meisten Entwicklungstools.

Das ursprüngliche Surface Pro X war seiner Zeit voraus – heute verstehen wir, warum Microsoft diesen Weg eingeschlagen hat. Das Gerät selbst war schon damals beeindruckend: Das 13-Zoll-PixelSense-Display mit 2880×1920 Pixeln, die schlanken Ränder und das elegante Design in Mattschwarz wirkten modern und hochwertig. Mit 774 Gramm war es leichter als vergleichbare Intel-Geräte und bot trotzdem ein größeres Display.

Allerdings hatte das Gerät auch Schwächen, die heute Standard sind: Der fehlende 3,5mm-Kopfhöreranschluss war 2019 noch umstritten, heute selbstverständlich. Problematischer war der fehlende microSD-Slot – eine Entscheidung, die Microsoft bei neueren Modellen korrigiert hat. Die proprietäre SSD war ebenfalls ein Kritikpunkt, den die Konkurrenz besser löst.

Die zwei USB-C-Ports waren hingegen zukunftsweisend – heute Standard bei Premium-Tablets. Der Surface Connect-Port sorgte für Kompatibilität zu bestehenden Docks und Ladegeräten. Was damals fehlte und heute selbstverständlich ist: Thunderbolt-Unterstützung, die ARM-Geräte lange Zeit vermissen ließen.

Software-Kompatibilität: Von Problem zum Vorteil

2019 war die Software-Situation frustrierend: Antiviren-Programme versagten, 64-Bit-Apps liefen nicht, VPN-Tools machten Probleme. Office-Aktivierungen scheiterten an unerwarteten Stellen. Heute ist das Geschichte: Windows 11 auf ARM läuft praktisch alles, was auch auf Intel-Systemen funktioniert.

Der SQ-1-Prozessor war damals schwer zu bewerten, weil Benchmark-Tools nicht liefen. Das hat sich grundlegend geändert: Moderne ARM-Chips werden in denselben Tests gemessen wie Intel-Prozessoren – und schlagen diese oft in Sachen Effizienz.

LTE: Damals Luxus, heute Standard

Das integrierte LTE-Modul war 2019 noch etwas Besonderes. Microsoft spendierte nur wenigen Surface-Modellen diese Funktion. Der Nano-SIM-Slot unter dem Kickstand war elegant gelöst – Karte rein, PIN eingeben, fertig. So einfach wie beim iPad.

Heute haben praktisch alle Premium-Tablets 5G oder zumindest LTE an Bord. Was damals ein Alleinstellungsmerkmal war, ist Standard geworden. Moderne Surface-Geräte bieten sogar eSIM-Unterstützung für noch einfachere Aktivierung.

Windows Hello und Surface Pen: Reife Technologien

Die Infrarotkamera für Windows Hello funktionierte schon 2019 zuverlässig – heute ist die Gesichtserkennung noch schneller und präziser geworden. Der damals neue Surface Slim Pen mit induktiver Ladung im Type Cover war eine clevere Lösung. Die magnetische Ausrichtung verhinderte falsches Einlegen.

Heutige Surface-Stifte bieten noch bessere Drucksensitivität und geringere Latenz. Die Integration in die Type Cover ist zum Standard geworden, auch wenn die knapp 300 Euro Aufpreis nach wie vor schmerzen.

Akkulaufzeit: Versprechen vs. Realität

Microsoft versprach 13 Stunden Laufzeit – ein typisches Marketing-Versprechen. In der Praxis waren es maximal 8 Stunden bei normalem Gebrauch. Das war 2019 enttäuschend, heute sind solche Diskrepanzen zwischen beworbener und tatsächlicher Laufzeit leider normal geworden.

Moderne ARM-Geräte schaffen tatsächlich deutlich längere Laufzeiten – Apples MacBook Air mit M-Chip macht vor, was möglich ist. Microsoft hat hier nachgezogen: Aktuelle Surface-Geräte mit Snapdragon X erreichen tatsächlich Ganztags-Laufzeiten.

Rückblick und Ausblick

Das Surface Pro X war 2019 ein Experiment – zu früh für den Markt, aber wichtig für Microsofts Strategie. Es legte den Grundstein für die heutige Generation ARM-basierter Windows-Geräte, die deutlich ausgereifter sind.

Wer damals ein Pro X gekauft hat, konnte damit leben, wenn es ein Zweitgerät war. Als Hauptrechner war es frustrierend. Heute sieht das völlig anders aus: ARM-basierte Windows-Laptops und -Tablets sind vollwertige PC-Ersätze geworden.

Die damalige Frage „Warum Pro X statt Pro 7?“ hat sich erübtigt. Heute lautet sie eher: „Warum noch Intel, wenn ARM so viele Vorteile bietet?“ Bessere Akkulaufzeit, geringere Hitzeentwicklung, oft bessere Performance pro Watt – ARM ist erwachsen geworden.

Microsoft hatte mit dem Surface Pro X die richtige Vision, aber es war zu früh. Heute ernten wir die Früchte dieser mutigen Entscheidung: Windows auf ARM ist endlich das, was es immer hätte sein sollen.

Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026