Das Bundesgesundheitsministerium hat einen interessanten Deal mit der Suchmaschine Google ausgehandelt: Bei zunächst 160 wichtigen Krankheiten präsentiert die Suchmaschine an prominenter Stelle eine Box mit Infos aus seriösen Quellen dazu. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass falsche und verwirrende Inhalte oder Angebote stärker präsent sind. Bei derart wichtigen Themen eine gute Idee.

Ärzte und Mediziner sind in der Regel keine wirklichen Fans von Google. Der Grund liegt auf der Hand: So ziemlich jedes Symptom, so ziemlich jede Krankheit oder noch so absonderliches Wehwehchen lässt sich heute googeln. Dann erscheinen endlos viele Inforationen auf dem Bildschirm.

Die aus den seriösen Quellen verstehen die meisten nicht. Die aus den unseriösen Quellen sind – na ja, unseriös. Falsch. Daneben. Sie verunsichern. Und die Ärzte dürfen das dann erklären und auffangen.

Medizinische Infos bei Google

Meist die besonders schlimmen Verläufe

Im Netz berichten Patientinnen und Patienten meist die besonders schlimmen Verläufe – was auch nicht gerade zur Beruhigung von Menschen beiträgt, die sich gerade im Netz über medizinische Themen informieren wollen.

Doch seit Neuestem erscheint bei einer Google-Suchanfrage zu vielen wichtigen medizinischen Themen am rechten Rand – an prominenter Stelle – ein üppiger Infokasten. “Überblick”, “Symptome”, “Behandlungen”. Nützliche Informationen mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen. Ein neuer Service des Bundesgesundheitsministeriums. Die Infos kommen aus dem Portal gesund.bund.de.

Wichtig: Keine Weitergabe von persönlichen Daten

Zunächst gibt es diesen Extraservice für die 160 häufigsten Krankheiten. Die Informationen stammen etwa vom Deutsches Krebsforschungszentrum, dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, dem Robert Koch-Institut oder von medizinischen Fachgesellschaften. Zweifellos besser, hier informiert zu werden als bei einem Scharlatan, der Ängste kanalisieren und für sich nutzen möchte (soll es ja geben).

Der ein oder andere hat vielleicht Magenschmerzen wegen des Datenschutzes. Allerdings stellt das Ministerium klar: Es gehen keinerlei persönliche Daten an das Gesundheitsministerium. Google weiß sowieso, wer da nach “Migräne” oder “Covid19” sucht – da ändert sich also nichts.

Die Gesundheit mit Gadgets zu überwachen liegt voll im Trend

Im Interesse der Allgemeinheit

Ich finde, das ist eine interessante Kooperation. Hut ab, dass das Gesundheitsministerium es geschafft hat, Google vom Zweck dieser besonderen Zusammenarbeit zu überzeugen. Gewöhnlich sind die US-Konzerne doch eher sperrig, wenn es darum geht, Kontrolle aus der Hand zu geben.

Das Projekt zeigt: Es geht. Es ist durchaus möglich, große Portale davon zu überzeugen, im Interesse der Öffentlichkeit und Allgemeinheit wissenschaftlich fundierte Informationen bevorzugt anzuzeigen. Dasselbe wäre auch bei vielen anderen Themen denkbar, etwa dem Klimaschutz. All solche Themen, die für die Öffentlichkeit wichtig sind – und womöglich Desinformationen (die durch diese Kooperation ja nicht verschwinden) weniger Bedeutung bekommen.