Der Games-Markt explodiert: 30 Prozent Plus in 2020, abermals 20 Prozent Plus im ersten Halbjahr 2921. Die Pandemie verführt zum Zocken. Auf dem Kongress, der parallel zur Gamescom stattfindet, diskutieren Expertinnen und Experten darüber, ob und wie Games in der Schule eine tragende Rolle einnehmen können. Einige sagen: Sie sollten es sogar.

Die Gamescom: Sie ist die weltgrößte Messe für Computer- und Videospiele. Und findet jedes Jahr – eigentlich – in Köln statt. Doch pandemiebedingt auch in diesem Jahr wieder nur rein virtuell. Im Netz. Auf der Gamescom werden nicht nur die neuesten Games vorgestellt, sondern im parallel stattfindenden Kongress auch wichtige Themen diskutiert. Etwa, dass Games nicht nur der Unterhaltung dienen. Sie können auch lehrreich sein. Sogar bilden. Selbst in Schule sollten mehr Games eingesetzt werden, fordern mittlerweile sogar einige Medienpädagogen.

Mit Games lassen sich viele Kinder und Jugendliche motivierten, sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihnen sonst eher fern liegen oder schwerfallen. Klar: Es macht vermutlich mehr Spaß, virtuelle Experimente am Bildschirm durchzuführen als nur nackte Zahlen oder Formeln zu studieren. Ein sehr schönes Beispiel ist das „Bridge Constructor Portal“. In diesem Spiel ist die Herausforderung, Brücken zu bauen. Erst kleine Brücken, dann immer größere und komplexere.

Bridge Constructor

Es geht um Statik – und letztlich auch Physik. Was kann eine Brücke aushalten, wie hängen die Dinge zusammen… Das weckt die Lust am Ausprobieren – und die Spieler merken gleich, welche Brückenmodelle funktionieren und welche nicht.

Solche „virtuellen Experimente“ sind für naturwissenschaftliche Fächer ideal – und davon gibt es eine ganze Reihe. Davon mehr im Unterricht, lautet eine Forderung, die immer öfter zu hören ist – nicht nur aus der Games-Branche, sondern auch von Medienpädagogen und sogar aus der Politik. Die „Stiftung Digitale Spielkultur“ erforscht aktuell für eine Studie in NRW und Berlin, wie digitale Spiele im schulischen Regelunterricht eingesetzt werden können.

Mit Games pauken – OK. Aber Sprachen lernen? Geht auch!

Nun gut, dass man mit einer Mathe-App gut Mathe und Rechnen pauken kann, das kann man sich ja noch vorstellen. Aber wenn ich das richtig verstanden habe, geht die Forderung ja noch weiter: Mit Games auch Deutsch lernen zum Beispiel. Wie das?

In der Tat: Gut gemachte Computerspiele sind heute regelrechte Geschichten zum Mitmachen. Wenn die sich mit einem bestimmen Thema beschäftigen, etwa Klimawandel oder die Gründe für Flucht und die Spieler in Rollen schlüpfen können, dann betrachten sie im wahrsten Sinne des Wortes spielerisch Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln.

Sie können sich auch ausprobieren – und lernen mehr. Selbst Sprachen lassen sich so lernen. Beispiel: Das gefeierte und 2019 mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnete Game „Trüberbrook“ eigne sich gut, sagen Medienpädagogen, um die deutsche Sprache zu lernen. Denn hier wird mit viel Witz eine Geschichte erzählt, die in der deutschen Provinz spielt. Im Grunde wie eine literarische Vorlage: Man muss gut aufpassen, kann Charaktere kennenlernen – und es könnte die Aufgabe sein, später das Geschehen nachzuerzählen.

Trüberbrook

Informatik an der Schule

Ein Argument ist ja auch: Wir brauchen mehr Nachwuchs, denn es gibt einen riesigen Fachkräftemangel in Deutschland im Bereich IT.

Das Fach Informatik müsste eine größere Rolle spielen. Da bewegt sich auch was. Natürlich hilft es, wenn Kinder programmieren lernen, dann so funktioniert Informatik. Aber das ist viel Mathematik – und das liegt nicht jedem. Deshalb ist es so wichtig, in Schule auf allen Ebenen den Umgang mit digitalen Medien zu erlernen – und da können Games ein guter Anfang sein.

Problem: Mangelnde Ausstattung

Ehrlich gesagt habe ich mir Schwierigkeiten mir vorzustellen, an deutschen Schulen Games statt Lehrbücher einzusetzen – allein wegen der Ausstattung.

Vollkommen klar: Sollte die Studie nachweisen, dass sich in bestimmten Bereichen mit Games tatsächlich bessere Lernerfolge und mehr Motivation erzielen lassen, dann wäre das natürlich auf jeden Fall schon mal ein kultureller Umbruch. Sollten Games tatsächlich in Schulen Einzug halten, dann braucht es auch eine vernünftige Ausstattung.

Es braucht Notebooks und Tablets in Klassenstärke, es braucht vernünftige Internet-Anbindung – und auch Pflege, Wartung und Administration von Geräten und Software. Das klappt an den meisten Schulen nur, wenn sich Lehrer finden, die bereit sind, diese Aufgaben zu übernehmen. Aber im Grunde braucht es dafür professionelle Betreuung: Wartung der Geräte, Reparatur, Ersatz, Aufspielen neuer Software etc. Eine Art „Hausmeister“ für die digitale Welt. Wer also darüber nachdenkt, Games im Unterricht einzusetzen, kann das nicht, ohne Schulen komplett anders auszurüsten. Auch die Lehrer – und die müssen auch geschult werde. Das kann dauern…

Kids am PC