80 Milliarden Dollar versenkt: Meta beerdigt das Metaverse – und setzt alles auf KI

von | 20.03.2026 | Internet

Meta schaltet seine VR-Plattform Horizon Worlds ab – das Herzstück des Metaverse-Traums. 80 Milliarden Dollar Verluste, kaum Nutzer, verhöhnte Avatare: Was als Revolution des Internets angepriesen wurde, endet als teuerste Sackgasse der Tech-Geschichte. Mark Zuckerberg hat längst einen neuen Traum.

Der Stecker wird gezogen – und dann doch nicht ganz

Diese Woche hat Meta offiziell verkündet: Horizon Worlds, die Virtual-Reality-Plattform für Quest-Headsets, wird zum 15. Juni 2026 abgeschaltet. Schon Ende März verschwinden die ersten Welten aus dem Quest Store. Was einmal das Herzstück von Zuckerbergs Metaverse-Vision war, wird auf eine schlichte Smartphone-App zusammengeschrumpft.

Dann die Kehrtwende: Nur einen Tag nach der Ankündigung ruderte Meta-CTO Andrew Bosworth zurück. In einer Instagram-Story erklärte er, man habe sich „gerade heute“ entschieden, Horizon Worlds in VR doch weiterlaufen zu lassen – zumindest für bestehende Spiele. Der Grund: Ein paar Fans hatten sich beschwert. Dass ein Milliarden-Konzern seine Strategie innerhalb von 24 Stunden per Instagram-Story revidiert, sagt viel über den Zustand dieses Projekts.

Die teuerste Sackgasse der Tech-Geschichte

Die Zahlen sind brutal: Metas Reality-Labs-Abteilung hat seit 2020 rund 80 Milliarden Dollar an operativen Verlusten angehäuft. Allein 2025 waren es 19,2 Milliarden – mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Davon könnte man eine Million Dollar pro Tag ausgeben – 200 Jahre lang.

Was hat das Geld gebracht? Eine VR-Plattform, die nie über ein paar hunderttausend monatliche Nutzer hinauskam. Zum Vergleich: Roblox zählt regelmäßig über 100 Millionen täglich aktive Nutzer. Horizon Worlds war nie Mainstream – es war noch nicht mal Nische, es war ein teures Experiment ohne Publikum.

Erinnert ihr euch an Zuckerbergs legendäres Selfie im Metaverse? Die kartoffelförmige Avatar-Grafik, die aussah wie ein Handyspiel von 2008? Das Internet hat sich kaputtgelacht. Und Ex-Mitarbeiter berichten von einem Management, das konsequent an den Wünschen der Nutzer vorbei entwickelt hat. Die Plattform sei intern von mittlerem Management dominiert worden, das nützliche Tools abschaffte und Teams auf Ideen ansetzte, die niemand wollte.

Das Metaverse muss reguliert werden
Das Metaverse muss reguliert werden

Warum das Metaverse scheitern musste

Der Grundfehler: Zuckerberg hat 2021 alles auf eine Karte gesetzt, obwohl die Technologie nicht bereit war. VR-Brillen sind bis heute zu klobig, zu teuer und zu unbequem für den Massenmarkt. Selbst Apple hat es mit der 3.500 Dollar teuren Vision Pro nicht geschafft, VR in den Mainstream zu bringen – die Produktion wurde mangels Nachfrage zurückgefahren. Quest-Headset-Verkäufe sind 2025 um 16 Prozent gesunken.

Das Problem war nie die Idee einer immersiven digitalen Welt. Das Problem war das Timing. Meta hat versucht, ein Problem zu lösen, das es nicht gibt – die Menschen sind schlicht nicht bereit, regelmäßig VR-Headsets aufzusetzen. Und die, die es tun, wollen hochwertige Games und Erlebnisse, keine leeren virtuellen Welten mit Comic-Avataren.

Der neue Traum heißt Superintelligenz

Während das Metaverse beerdigt wird, hat Zuckerberg längst den nächsten großen Traum: Künstliche Intelligenz. Meta plant für 2026 Investitionen von bis zu 135 Milliarden Dollar – fast ausschließlich für KI-Infrastruktur. Ein eigenes „Superintelligence Lab“ wurde gegründet, Spitzenleute von der Konkurrenz abgeworben. Zuckerberg spricht von „persönlicher Superintelligenz für Milliarden von Menschen“.

Das klingt nach dem nächsten Größenwahn – aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zum Metaverse: KI funktioniert schon heute und bringt echtes Geld. Metas Werbegeschäft, das 95 Prozent des Umsatzes ausmacht, profitiert massiv von KI-gestützter Zielgruppenanalyse. Im letzten Quartal 2025 stieg der Gesamtumsatz auf fast 60 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig gibt es mit den Ray-Ban Smart Glasses einen echten Überraschungserfolg: Millionen verkaufte Exemplare, KI-gestützte Live-Übersetzung, visuelle Erkennung auf Knopfdruck. Das ist das, was beim Metaverse nie funktioniert hat – Technologie, die Menschen tatsächlich im Alltag nutzen wollen.

Mark Zuckerberg will uns das Metaverse schmackhaft machen
Mark Zuckerberg will uns das Metaverse schmackhaft machen

Was bedeutet das für uns?

Drei Dinge sollten wir mitnehmen:

Erstens: Auch die mächtigsten Konzerne können spektakulär danebenliegen. 80 Milliarden Dollar für eine Plattform, die kaum jemand nutzen wollte – das ist ein Warnsignal für jeden Tech-Hype. Wenn euch das nächste Mal jemand eine Revolution verkaufen will: Fragt, ob die Technologie heute schon funktioniert oder ob man auf eine Zukunft wettet, die vielleicht nie kommt.

Zweitens: Meta wird sich verändern – und damit unsere Erfahrung auf den Plattformen. KI steuert schon jetzt, was wir in unseren Feeds sehen, welche Werbung uns erreicht, welche Inhalte uns vorgeschlagen werden. Das wird noch intensiver. Meta baut KI-Chatbots in alle seine Apps ein. Ob das die Plattformen besser macht oder uns noch gläserner – das wird sich zeigen.

Drittens: VR ist nicht tot – aber es bleibt eine Nische. Wer ein Quest-Headset hat, kann es weiter nutzen – für Games, Fitness-Apps, immersive Erlebnisse. Aber die Vorstellung, dass wir alle bald mit VR-Brillen im Büro sitzen und in virtuellen Welten Meetings abhalten, ist vom Tisch. Die Zukunft der digitalen Interaktion liegt eher in smarten Brillen und allgegenwärtiger KI als in abgeschotteten 3D-Welten.

Im Silicon Valley gilt: Schnell umsteuern, Verluste akzeptieren, nächste Wette platzieren. Zuckerberg beherrscht dieses Spiel wie kaum ein anderer. Ob er mit der KI-Wette diesmal richtig liegt? Die Chancen stehen besser als beim Metaverse. Aber nach 80 Milliarden Dollar Lehrgeld sollte man vielleicht nicht gleich blind auf das nächste große Versprechen setzen.