Von Apple vs. Microsoft zu offenen App-Stores: Wie sich die Provisionsstreit entwickelt hat

von | 13.12.2012 | Tipps

Die großen Tech-Konzerne Apple, Google und Microsoft verdienen seit Jahren prächtig an ihren App-Stores. Doch was vor über einem Jahrzehnt mit einem Streit zwischen Apple und Microsoft über Office 365 begann, hat sich zu einer grundlegenden Diskussion über digitale Marktmacht entwickelt.

Damals wollte Apple selbst bei nachgelagerten Käufen wie Abo-Gebühren oder zusätzlichem Speicherplatz seine üblichen 30 Prozent Provision kassieren. Microsoft weigerte sich bei Office 365 und anderen Services wie OneDrive, diese Abgabe zu zahlen – was zu monatelangen Verzögerungen bei App-Updates führte.

Heute, 2026, hat sich die Lage dramatisch gewandelt. Der Digital Markets Act (DMA) der EU und ähnliche Gesetze in anderen Regionen haben die App-Store-Landschaft revolutioniert. Apple musste seine strikte App-Store-Politik lockern und alternative App-Stores auf iOS zulassen. Die berüchtigten 30 Prozent sind Geschichte – zumindest in der EU.

Die neuen Regelungen zwingen Apple zu einem flexibleren Provisionsmodell: Für kleine Entwickler mit weniger als einer Million Downloads pro Jahr sind es nur noch 17 Prozent. Größere Anbieter zahlen zwischen 10 und 25 Prozent, abhängig von der Art des Services. Bei reinen Abo-Diensten, die außerhalb der App verwaltet werden, entfällt die Apple-Provision komplett.

Microsoft hat diese Entwicklung geschickt genutzt. Seit 2024 bietet der Konzern seinen eigenen App-Store für iOS in der EU an – ein direkter Konkurrent zu Apples dominanter Position. Hier landen Microsoft 365, Teams, Xbox Game Pass und andere Services ohne jede Apple-Beteiligung.

Auch Google musste nachziehen. Der Play Store erlaubt seit 2025 alternative Zahlungsmethoden ohne Zusatzgebühren. Entwickler können ihre eigenen Payment-Systeme integrieren oder auf spezialisierte Anbieter wie Stripe oder PayPal setzen.

Die Streaming-Riesen Netflix, Spotify und Disney+ haben bereits reagiert: Sie umgehen die App-Store-Provisionen komplett, indem sie Nutzer für Abos auf ihre Websites weiterleiten. Apple und Google können das nicht mehr verhindern.

Eine besonders spannende Entwicklung: Epic Games ist mit seinem Epic Games Store erfolgreich auf iOS zurückgekehrt. Fortnite läuft wieder auf iPhones – aber nicht über Apples App Store. Das zeigt, wie sehr sich die Machtverhältnisse verschoben haben.

Für Verbraucher bedeutet das mehr Auswahl und oft günstigere Preise. Viele Apps sind 10-20 Prozent billiger geworden, da Entwickler die gesparten Provisionen teilweise weitergeben. Gleichzeitig müssen Nutzer aufpassen: Alternative App-Stores haben oft weniger strenge Sicherheitskontrollen.

Apple argumentiert weiterhin mit Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit. Der Konzern investiert Milliarden in App-Review-Prozesse und Malware-Schutz. Diese Argumente verfangen aber immer weniger, seit alternative Stores beweisen, dass Sicherheit auch ohne Apples Gatekeeper-Rolle funktioniert.

Die größten Profiteure sind Enterprise-Kunden. Unternehmen können jetzt maßgeschneiderte App-Stores für ihre Mitarbeiter einrichten, ohne Apple oder Google zu beteiligen. Microsoft, Salesforce und SAP bieten bereits entsprechende B2B-Lösungen an.

Interessant ist auch die Reaktion kleinerer Entwickler. Viele bleiben trotz Alternativen bei den etablierten Stores – aus Bequemlichkeit und wegen der größeren Reichweite. Apple und Google haben ihre Marktposition also nicht verloren, müssen aber faire Konditionen bieten.

China geht einen anderen Weg: Dort existieren schon lange alternative App-Stores von Huawei, Xiaomi und anderen Herstellern. Die chinesischen Anbieter expandieren nun nach Europa und bieten Entwicklern noch günstigere Konditionen als die etablierten Player.

Der Streit zwischen Apple und Microsoft war letztendlich der Katalysator für eine längst überfällige Marktöffnung. Was als Konflikt über Office-Abos begann, hat eine neue Ära der App-Distribution eingeleitet – zum Vorteil von Entwicklern und Nutzern gleichermaßen.

Zuletzt aktualisiert am 24.04.2026