Wie URL-Shortener mit Affiliate-Links und Tracking Geld verdienen

von | 09.05.2015 | Tipps

URL-Shortener wie bit.ly machen aus langen Webadressen ganz kurze. Die lassen sich leichter weitergeben und verbrauchen nicht so viel Platz in Social-Media-Posts oder E-Mails. Deshalb sind URL-Shortener nach wie vor beliebt. Bit.ly ist einer der Platzhirsche: Mehr als 100 Milliarden Adressen wurden damit inzwischen verkürzt. Doch die Branche hat ein strukturelles Problem: Wie URL-Shortener-Anbieter Geld verdienen – und dabei oft intransparent agieren.

Bit.ly und andere URL-Shortener wie TinyURL, Rebrandly oder die in Social-Media-Plattformen integrierten Dienste bieten eine Menge Vorteile. Sie machen im Handumdrehen aus langen Adressen kurze. Oft passiert das sogar automatisch, zum Beispiel in X (ehemals Twitter), LinkedIn oder auch innerhalb von WordPress. Wir haben uns daran gewöhnt, dass kryptische Adressen erscheinen, hinter denen interessante Webseiten stehen können.

Wer mag, kann bei bit.ly sogar seine eigene Domain benutzen, das sieht dann besonders elegant aus: go.schieb.de/pro-gold. Keine Frage: Solche Kurz-Links lassen sich besser weitergeben und sparen vor allem in Social-Media-Posts wertvollen Platz. Wer solche Kurz-URLs erzeugt, hat noch andere Vorteile. Man kann zum Beispiel sehen, wie oft der Link angeklickt wurde, von wo die Klicks kommen und welche Geräte verwendet wurden.

shortened

Das Geschäftsmodell-Problem

Auch die Betreiber von URL-Shortenern müssen irgendwie Geld verdienen. Nicht ganz leicht, denn in die Links kann man keine Werbung einbauen – und auf die angesteuerten Webseiten hat man auch keinen Einfluss. Deshalb wird hauptsächlich mit Premiumdiensten Geld verdient, etwa mit Unternehmen, die den Shortener-Dienst intensiv nutzen und auf ausführliche Statistiken, erweiterte Branding-Optionen oder API-Zugang angewiesen sind.

Doch viele Anbieter versuchen auch auf andere Weise, Geld zu verdienen. Eine Praxis, die besonders problematisch ist: Das nachträgliche Hinzufügen von Affiliate-Parametern. Dabei ergänzen URL-Shortener Links auf bestimmte Onlineshops unbemerkt durch so genannte Affiliate-Daten. Die Folge: Kauft der Klicker im verlinkten Onlineshop ein, gibt es eine Provision für den Shortener-Anbieter.

Automatisch Affiliate-Links erzeugt

Der Benutzer merkt davon gar nichts. Er landet trotzdem im gewünschten Onlineshop, wie vom Erzeuger der Kurzadresse beabsichtigt. Allerdings ändert sich im Hintergrund eine Menge. Da durch die unbemerkt hinzugefügten Parameter oft ein Werbenetzwerk hinzugezogen wird, landen auch Tracking-Cookies auf dem Gerät des Benutzers.

Er wird zusätzlich überwacht. Das bedeutet: Selbst wenn derjenige, der den URL-Shortener benutzt, ausdrücklich keine Provision für eventuelle Verkäufe bekommen möchte und Tracking-Cookies verabscheut, bekommt der klickende User trotzdem solche Cookies untergejubelt. Das ist datenschutzrechtlich höchst bedenklich!

bitlyexpl

Neue Entwicklungen und Alternativen

Die Branche hat sich seit 2023 deutlich verändert. Google hat seinen URL-Shortener goo.gl bereits 2019 eingestellt. Twitter/X verwendet ein eigenes System, das weniger transparent ist als früher. Gleichzeitig sind neue Anbieter wie Short.io, T.ly oder Switchy.io auf den Markt gekommen, die oft mit besserer Transparenz werben.

Einige moderne URL-Shortener setzen auf offenere Geschäftsmodelle: Sie zeigen deutlich an, wenn Affiliate-Links verwendet werden, oder bieten komplett werbefreie Premiumversionen an. Andere wiederum haben das Problem verschärft und nutzen noch aggressivere Tracking-Methoden.

Sicherheitsrisiken bleiben bestehen

Der aktuelle Zustand macht ein grundlegendes Problem aller URL-Shortener deutlich: Man weiß schlichtweg nicht, was sich hinter einem Link verbirgt. Es kann ein nützlicher Inhalt sein, ein spannendes Video, es kann aber auch Werbung sein, Spam oder ein werblicher Inhalt. Schlimmstenfalls können sich auch Phishing-Seiten oder Malware hinter einer URL verbergen.

URL-Shortener haben also auch erhebliche Nachteile. Sie verschleiern und schaffen Intransparenz. Cyberkriminelle nutzen sie gerne, um ihre wahren Ziele zu verbergen. Besonders problematisch: Viele Sicherheitssysteme können verkürzte Links schwerer analysieren.

Schutz und Transparenz-Tools

Es gibt Browser-Extensions wie „URL Expander“ oder „CheckShortURL“, die vor dem Klicken anzeigen, welche URL sich hinter einer Short-URL verbirgt. Online-Dienste wie „Where Does This Link Go?“ oder „ExpandURL“ machen dasselbe. Diese Tools sind besonders nützlich, wenn ihr unsicher seid, ob ein Link vertrauenswürdig ist.

Moderne Browser wie Chrome, Firefox und Safari warnen inzwischen auch vor bekannten schädlichen Kurz-URLs. Dennoch: Vorsicht ist geboten, besonders bei Links aus unbekannten Quellen.

Empfehlungen für den Alltag

Wenn ihr URL-Shortener verwendet, achtet auf Transparenz beim Anbieter. Lest die Nutzungsbedingungen, besonders bezüglich Affiliate-Marketing und Datensammlung. Für professionelle Zwecke solltet ihr kostenpflichtige Dienste in Betracht ziehen, die oft ehrlichere Geschäftsmodelle haben.

Beim Klicken auf verkürzte Links: Nutzt Expander-Tools, wenn ihr unsicher seid. Besonders bei E-Mails oder Nachrichten von unbekannten Absendern ist Vorsicht geboten. URL-Shortener bleiben nützlich, aber die Intransparenz bleibt ein Problem, das sich in den letzten Jahren eher verschärft als verbessert hat.

Zuletzt aktualisiert am 15.04.2026