Warum Vectoring gescheitert ist und Glasfaser gewonnen hat

von | 24.11.2015 | Tipps

Die Zeiten von Vectoring sind vorbei – diese Technologie, die noch vor einem Jahrzehnt heiß diskutiert wurde, ist heute Geschichte. Was damals als Lösung für schnelleres Internet galt, wurde längst von modernen Breitband-Technologien abgelöst. Ein Blick zurück zeigt: Der Weg zu schnellem Internet war steiniger als gedacht.

Wir alle wollen schnelles Internet – das war schon 2015 so und ist heute noch viel wichtiger geworden. Doch was damals als revolutionär galt, wirkt heute geradezu nostalgisch: 100 MBit/Sekunde über Kupferkabel? Lächerlich! Heute streamen Familien gleichzeitig in 4K und 8K, arbeiten im Homeoffice mit Cloud-Anwendungen, nutzen AR/VR-Anwendungen und laden riesige Game-Updates herunter. Da reichen 100 MBit längst nicht mehr aus.

Vectoring war eine Übergangstechnologie, die versprach, aus alten Kupferleitungen das Maximum herauszuholen. Die Deutsche Telekom wollte damit DSL-Anschlüsse auf bis zu 100 MBit/Sekunde beschleunigen. Doch der Widerstand war groß: Konkurrenten befürchteten eine Re-Monopolisierung, da Vectoring nur funktioniert, wenn ein einziger Anbieter die Technik am Hauptverteiler kontrolliert.

Vectoring

Warum Vectoring scheiterte und was daraus wurde

Die Vectoring-Diskussion zeigt exemplarisch, wie Deutschland bei der Digitalisierung Zeit verschwendet hat. Während hierzulande noch über 100-MBit-DSL gestritten wurde, rollten andere Länder bereits Glasfaser in der Fläche aus. Südkorea, Schweden oder Estland waren schon damals weiter – heute liegen sie meilenweit vorn.

Vectoring wurde zwar teilweise eingeführt, erwies sich aber schnell als Sackgasse. Die Technologie war zu komplex, zu störanfällig und vor allem: viel zu langsam für die rasant wachsenden Anforderungen. Schon 2020 reichten 100 MBit nicht mehr aus, heute sind sie geradezu peinlich.

Stattdessen setzte sich durch, was Experten schon damals forderten: der direkte Sprung zur Glasfaser. Fiber-to-the-Home (FTTH) liefert heute Gigabit-Geschwindigkeiten und mehr – symmetrisch im Upload und Download. Das braucht ihr auch, denn moderne Anwendungen sind hungrig:

• Cloud-Gaming mit Xbox Cloud Gaming oder GeForce Now
• 8K-Streaming von Netflix, Disney+ und Co.
• Virtual Reality und Metaverse-Anwendungen
• KI-basierte Anwendungen, die massive Datenmengen übertragen
• Smart Home mit Dutzenden vernetzten Geräten
• Homeoffice mit 4K-Videokonferenzen und Cloud-Sync

Der Glasfaser-Boom: Deutschland holt auf

Was lange währt, wird endlich gut: Deutschland erlebt seit 2022 einen beispiellosen Glasfaser-Boom. Anbieter wie Deutsche Glasfaser, Inexio oder regionale Stadtwerke verlegen überall Fiber-Kabel. Selbst die Telekom setzt mittlerweile voll auf Glasfaser statt auf Kupfer-Aufhübschung.

Die Zahlen sprechen für sich: Ende 2025 hatten bereits über 40% der deutschen Haushalte Zugang zu Glasfaser-Internet – Tendenz stark steigend. In Neubaugebieten ist FTTH heute Standard, in Bestandsgebieten wird massiv nachgerüstet.

Dabei helfen auch neue Verlegetechniken: Micro-Trenching macht den Glasfaser-Ausbau schneller und günstiger. Statt aufwendiger Tiefbauarbeiten werden die Kabel in schmalen Schlitzen verlegt. Das reduziert Kosten und Bauzeit erheblich.

SpeedTest Download

Was heute Standard ist

Während 2015 noch um 100 MBit gerungen wurde, sind heute ganz andere Dimensionen normal:

Gigabit-Anschlüsse für Privathaushalte ab 40 Euro monatlich
10-Gigabit-Anschlüsse für Power-User und kleine Unternehmen
Symmetrische Übertragung: Upload genauso schnell wie Download
Niedrige Latenz: Unter 5ms für Gaming und Echtzeitanwendungen

Die Preise sind dabei drastisch gefallen. Was früher Luxus war, ist heute Mainstream. Vectoring mit 100 MBit würde heute niemand mehr akzeptieren – zu Recht.

5G und Glasfaser: Die perfekte Kombination

Parallel zum Glasfaser-Ausbau revolutioniert 5G das mobile Internet. Mit Geschwindigkeiten von mehreren Gigabit pro Sekunde überholt 5G sogar viele Festnetz-Anschlüsse. Moderne 5G-Router ersetzen in ländlichen Gebieten zunehmend DSL-Anschlüsse.

Das funktioniert aber nur, weil 5G-Masten per Glasfaser angebunden werden. Ohne Fiber-Backbone kein schnelles 5G. Die Technologien ergänzen sich perfekt: Glasfaser als Rückgrat, 5G für mobile Flexibilität.

Lehren aus der Vectoring-Debatte

Die Vectoring-Diskussion von 2015 zeigt, wie Deutschland tickt: Statt mutiger Entscheidungen wird endlos diskutiert, während andere handeln. Heute wissen wir: Der direkte Sprung zur Glasfaser war richtig, auch wenn er länger dauerte.

Für kommende Technologie-Entscheidungen sollten wir daraus lernen:
• Nicht an Übergangslösungen festklammern
• Mut zu zukunftssicheren Investitionen
• Weniger Bedenken, mehr Machen
• Internationale Standards nicht ignorieren

Vectoring ist Geschichte – zum Glück. Heute surfen Millionen Deutsche mit Gigabit-Geschwindigkeit, und das ist erst der Anfang. Die Zukunft gehört der Glasfaser.

Zuletzt aktualisiert am 11.04.2026