Mehr Sicherheit im Netz: Schutz vor KI-Angriffen

von | 10.02.2016 | Tipps

Diese Woche war ja Safer Internet Day. Ihr wisst schon: An dem Tag sollen wir Computer- und Internetnutzer mal intensiver darüber nachdenken, was wir alles unternehmen können, um uns im Netz besser zu schützen. Da lauern ja durchaus einige Gefahren – und die werden immer raffinierter.

Der erste PC-Virus war Brain. Verteilt wurde er über Diskette. Der erste PC-Virus der Geschichte. Zum ersten Mal aufgetaucht im Januar 1986. Vor fast 40 Jahren also. Im Quellcode konnten Experten die Herkunft erkennen: Der Brain-Virus kam aus Pakistan. Heute gibt es jeden Tag über 450.000 neue Schadprogramme, die blitzschnell über das Internet verteilt werden. Mit Bedrohungen jeder Art.

Computervirus Brain; Rechte: F-Secure

Heute sollen Schadprogramme Geld verdienen

Während die ersten Viren und Würmer keinen wirklichen Schaden anrichten wollten, sieht das heute ganz anders aus. Heute wollen Kriminelle mit uns Geld verdienen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt kontinuierlich vor Ransomware. So wird Angriffs-Software genannt, die man sich irgendwo im Netz einfängt, die alle Daten auf der Festplatte verschlüsselt, dann einen Hinweis präsentiert, dass man an seine Daten nicht mehr rankommt – und dass man Lösegeld zahlen soll.

Ransomware-Angriffe haben sich 2025 nochmals drastisch erhöht. Besonders perfide: Moderne Ransomware verschlüsselt nicht nur lokale Daten, sondern auch Cloud-Backups und Netzlaufwerke. Die Kriminellen setzen zunehmend auf „Double Extortion“ – sie verschlüsseln nicht nur, sondern drohen auch damit, gestohlene Daten zu veröffentlichen.

Lösegeld – Englisch: Ransom. Daher der Name. Doch die Experten vom BSI warnen: Man soll auf gar keinen Fall bezahlen. Denn zum einen würde das die kriminellen Machenschaften belohnen, zum anderen ist gar nicht sichergestellt, dass man anschließend an seine Daten kommt. Statistiken zeigen: Nur etwa 65% der Unternehmen, die zahlen, erhalten ihre Daten zurück. Man soll Screenshots machen, Fotos also – und Anzeige erstatten.

KI-gestützte Angriffe und neue Bedrohungen

Neu sind 2026 KI-gestützte Cyberangriffe. Künstliche Intelligenz macht Phishing-E-Mails täuschend echt, Deepfake-Audio imitiert Stimmen von Chefs oder Verwandten für Betrugsanrufe. Diese „AI-powered Social Engineering“-Angriffe sind schwer zu erkennen, weil sie individuell auf das Opfer zugeschnitten sind.

Auch Supply-Chain-Angriffe nehmen zu: Dabei infiltrieren Hacker seriöse Software noch vor der Veröffentlichung. Wenn ihr dann das vermeintlich harmlose Update installiert, holt ihr euch die Schadsoftware direkt ins Haus.

Die eigenen Geräte wappnen und schützen

Wer verhindern will, dass so etwas auf seinem Rechner passiert, sollte sich vorher wappnen. Das Wichtigste in diesem Zusammenhang ist, mögliche Sicherheitslecks zu schließen, denn sie sind das Einfallstor für Viren, Würmer, Trojaner und alles, was Schaden anrichtet.

Der beste Schutz ist, seine Software immer auf den neusten Stand zu halten. Also: Updates einspielen für das Betriebssystem. Windows 11 und macOS Ventura haben beispielsweise deutlich verbesserte Sicherheitsfeatures. Auch den Browser immer aktualisieren – Chrome, Firefox und Edge erhalten mehrmals monatlich Sicherheitsupdates. Ebenso alle wichtigen, immer wieder benutzten Programme wie Office 365, Adobe Acrobat oder andere PDF-Reader.

2026 solltet ihr außerdem auf Zero-Trust-Prinzipien setzen: Niemals automatisch vertrauen, immer verifizieren. Das bedeutet: Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) für alle wichtigen Accounts aktivieren, am besten mit Hardware-Tokens oder Authenticator-Apps statt SMS.

superhacker

Auch Mobilgeräte schützen

Das gilt übrigens auch für Smartphone und Tablet: Es ist eine gute Idee, immer die neueste Version des Betriebssystems und der Apps zu benutzen, sofern möglich. iOS 18 und Android 15 bringen wichtige Sicherheitsverbesserungen mit. Besonders Android-Nutzer sollten nur Apps aus dem Google Play Store installieren – Sideloading ist ein Sicherheitsrisiko.

Außerdem sollte man Sicherheitskopien der wichtigsten Daten machen. Die kann man auf eine externe Festplatte kopieren – oder auf einen sicheren Cloud-Speicher. Hier hat sich viel getan: Neben etablierten Diensten wie SpiderOak oder Tresorit bieten auch Apple iCloud, Google Drive und Microsoft OneDrive mittlerweile Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Wichtig: Backup-Strategien nach der 3-2-1-Regel: 3 Kopien eurer Daten, 2 verschiedene Medien, 1 Kopie offline oder an anderem Ort. So seid ihr auch gegen Ransomware gewappnet.

Next-Generation-Sicherheit

So viel Schutz sollte heute also sein. Wer darüber hinaus auf seinem PC noch eine Schutz-Software einsetzt, etwa einen modernen Virenschutz mit Verhaltensanalyse und KI-Erkennung, der begeht sicher keinen Fehler. Microsoft Defender ist mittlerweile sehr gut geworden, für Zusatzschutz eignen sich Bitdefender, Kaspersky oder Norton 360.

Neu sind Endpoint Detection and Response (EDR)-Lösungen, die nicht nur bekannte Schädlinge erkennen, sondern verdächtige Aktivitäten überwachen. Auch für Privatnutzer gibt es inzwischen bezahlbare EDR-Tools.

Wichtig ist natürlich auch, nicht alles bedenkenlos anzuklicken, zu öffnen oder herunterzuladen. 2026 solltet ihr besonders vorsichtig sein bei QR-Codes (Quishing-Angriffe), bei Sprachnachrichten unbekannter Absender und bei zu gut klingenden Online-Angeboten.

Mehr Infos aus dem Web

Wer sich und seine Kinder über mögliche Gefahren aus dem Netz informieren will, dem empfehle ich Webangebote wie zum Beispiel klicksafe.de. Hier erfährt man nicht nur eine Menge über Gefahren, sondern auch, wie das Netz funktioniert. Zum Beispiel, dass viele YouTuber und TikToker mit Product Placement und Affiliate-Links Geld verdienen.

Auch das internet-abc ist ein empfehlenswertes Angebot. Beide Portale wurden 2025 umfassend überarbeitet und behandeln jetzt auch moderne Themen wie KI-Sicherheit, Deepfakes und Crypto-Scams.

Klicksafe

Museum mit Viren und Würmern

Einen Besuch wert ist auch das Malware Museum. Eine Online-Galerie mit Viren und Würmern aus den 80er und 90er Jahren. Hier könnt ihr euch risikolos anschauen, wie Malware früher ausgesehen hat. Das hier ist zum Beispiel der Computervirus „LSD“. Ganz amüsant, sich die Viren von früher mal gefahrlos anschauen zu können.

Heutige Schadprogramme sind leider deutlich aggressiver – und schwieriger zu entdecken. Sie geben sich nicht zu erkennen, agieren im Verborgenen, nutzen KI für perfekte Tarnung. Sie wollen an unsere Daten, unser Geld, unsere Identität. Deswegen solltet ihr auf der Hut sein und euren Rechner, euer Tablet und Smartphone immer gut im Blick behalten. Und eben schützen – auch wenn es ein bisschen Mühe macht. In Zeiten von KI-gestützten Cyberattacken ist Cyber-Hygiene wichtiger denn je.

Malware Museum

Zuletzt aktualisiert am 10.04.2026