Die EU zieht endlich die Notbremse: Ab 2028 müssen auch Billig-Pakete aus China verzollt werden. Die bisherige 150-Euro-Freigrenze fällt weg. Eine längst überfällige Entscheidung, die den massiven Wettbewerbsverzerrungen durch Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress ein Ende setzt.
Ein Flickenteppich wird geschlossen
Bislang war es ein Paradies für Online-Schnäppchenjäger: Bestellungen unter 150 Euro aus Nicht-EU-Ländern kamen zollfrei ins Land. Klingt erstmal kundenfreundlich, hatte aber massive Nebenwirkungen. Während europäische Händler brav Mehrwertsteuer abführen, Sozialabgaben zahlen und strenge Umweltauflagen erfüllen müssen, konnten chinesische Plattformen ihre Ramsch-Ware praktisch ohne steuerliche Belastung in die EU pumpen.
Das Ergebnis? Eine beispiellose Marktverzerrung. Temu verschickt täglich Millionen Päckchen nach Europa – jedes einzelne unter der magischen 150-Euro-Grenze, versteht sich. Die Masche ist simpel: Extrem niedrige Preise dank minimaler Produktionskosten, quasi nicht vorhandener Arbeitsschutzstandards und eben dieser Zoll-Lücke.
Warum das neue Gesetz überfällig ist
Die Zahlen sprechen Bände: Täglich landen etwa 3,4 Millionen Kleinsendungen in der EU – Tendenz stark steigend. Das sind über eine Milliarde Pakete pro Jahr, die am Zoll vorbeirauschen. Für die heimische Wirtschaft ist das Gift. Wie soll ein deutscher Textilhändler konkurrieren, wenn Temu dasselbe T-Shirt für 2,99 Euro anbietet, das bei ihm 15 Euro kostet – nicht weil er gierig ist, sondern weil er anständige Löhne zahlt und Steuern abführt?
Die neue Regelung schafft endlich gleiche Bedingungen. Ab 2028 werden alle Sendungen in ein neues IT-System eingepflegt, verzollt und kontrolliert. Klingt bürokratisch? Ist es auch. Aber notwendig. Denn was wir hier haben, ist kein fairer Wettbewerb, sondern ein systematisches Ausnutzen von Schlupflöchern.
Mehrwertsteuer-Tricksereien inklusive
Dabei geht es nicht nur um Zölle. Auch bei der Mehrwertsteuer haben chinesische Plattformen jahrelang getrickst. Theoretisch mussten sie die deutsche Mehrwertsteuer schon immer abführen. Praktisch? Fehlanzeige. Die Kontrolle bei Millionen Kleinsendungen ist kaum möglich. Das Ergebnis: Der deutsche Staat und damit wir alle gehen leer aus, während Temu und Konsorten Kasse machen.
Das neue EU-Importkontrollsystem zwingt die Plattformen nun zur Lückenlosigkeit. Jede Sendung wird erfasst, jeder Euro Mehrwertsteuer eingetrieben. Das ist nicht Schikane, sondern Steuergerechtigkeit.
Was sich konkret ändert
Ab dem 1. Juli 2028 – so hat es das EU-Parlament mit großer Mehrheit beschlossen – gilt:
Keine Zoll-Freigrenze mehr: Egal ob du für 5 oder 500 Euro bestellst, es wird verzollt. Die Zollsätze variieren je nach Produktgruppe, liegen aber oft bei 5-12 Prozent.
Strengere Kontrollen: Ein neues IT-System erfasst alle Sendungen. Die Plattformen müssen vorab detaillierte Informationen liefern. Wer schummelt, fliegt auf.
Mehr Transparenz: Du siehst vor dem Kauf, welche Kosten wirklich auf dich zukommen. Keine bösen Überraschungen mehr beim Paketboten.
Besserer Verbraucherschutz: Mit den strengeren Kontrollen steigt auch die Chance, dass gefährliche oder illegale Waren aussortiert werden. Temu-Artikel fallen regelmäßig durch Produkttests – vom Kinderspielzeug mit Schadstoffen bis zur brandgefährlichen Elektronik.
Warum das gut für Deutschland ist
Ja, die Schnäppchen werden teurer. Und ja, das nervt erstmal. Aber schauen wir uns an, was wir gewinnen:
Faire Wettbewerbsbedingungen: Deutsche und europäische Händler können wieder mithalten. Arbeitsplätze hier vor Ort werden geschützt.
Steuereinnahmen: Der Staat erhält endlich die ihm zustehenden Abgaben. Geld, das in Schulen, Straßen und Infrastruktur fließen kann.
Weniger Müll: Die ultrabilligen Wegwerf-Artikel von Temu landen oft nach wenigen Wochen im Müll. Höhere Preise bedeuten bewusstere Kaufentscheidungen.
Bessere Standards: Wenn Produkte ordentlich kontrolliert werden, sinkt die Chance auf Schrott-Ware mit Schadstoffen oder ohne CE-Kennzeichnung.
Die Plattformen werden kreativ werden
Natürlich werden Temu und Co. nicht kampflos aufgeben. Sie könnten Lager in der EU aufbauen, um die Zölle zu umgehen. Oder neue Tricks entwickeln. Aber immerhin schließt die EU eine riesige Lücke, die jahrelang schamlos ausgenutzt wurde.
Die Umsetzung wird spannend. Das IT-System muss stehen, die Zollbehörden brauchen Personal, die Logistik muss funktionieren. Aber der politische Wille ist da – und das ist das Entscheidende.
Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung
Diese Entscheidung ist ein klares Signal: Wer in Europa Geschäfte machen will, spielt nach europäischen Regeln. Keine Sonderbehandlung mehr für chinesische Plattformen, die durch Dumpingpreise den Markt kaputtmachen.
Für dich als Konsument bedeutet das: Temu-Bestellungen werden ab 2028 deutlich teurer. Aber vielleicht ist das genau der Weckruf, den wir brauchen. Bewusster konsumieren, lokale Händler unterstützen, Qualität statt Quantität kaufen.
Der Ramsch-Rausch hatte seinen Preis – nur haben den bisher andere bezahlt. Jetzt wird es fair. Und das ist gut so.