Office Copilot: Externe KI-Modelle nutzen – So geht’s

von | 11.05.2026 | Digital

Lange Zeit war klar: Wer in Microsoft Office mit KI arbeiten will, bekommt OpenAI – Punkt. Copilot basierte praktisch ausschließlich auf den Modellen aus dem Hause OpenAI, an dem Microsoft bekanntlich erheblich beteiligt ist. Doch diese Exklusivität bröckelt. Microsoft öffnet Office schrittweise für externe KI-Modelle und gibt Nutzern damit mehr Auswahl bei Texten, Präsentationen und Auswertungen. Für Berufstätige, Studierende und Unternehmen ist das mehr als nur eine technische Randnotiz: Unterschiedliche Modelle haben unterschiedliche Stärken, und genau darauf könnt ihr künftig besser reagieren. Ich zeige euch, was sich konkret ändert, welche Modelle ins Spiel kommen, wie ihr die Funktion aktiviert – und wo die Stolperfallen liegen.

Welche KI-Modelle sind jetzt in Office Copilot verfügbar?

Microsoft hat angekündigt, dass Microsoft 365 Copilot künftig nicht mehr nur auf OpenAI-Modelle setzt, sondern auch Claude von Anthropic integriert. Damit haben Nutzer in ausgewählten Copilot-Funktionen die Möglichkeit, zwischen verschiedenen KI-Modellen zu wählen – je nach Aufgabe und Vorliebe. Das betrifft vor allem spezialisierte Werkzeuge in Copilot Studio, mit denen Unternehmen eigene Agenten bauen, sowie bestimmte Funktionen wie den Researcher-Agent und die Bearbeitung in Excel.

Der Hintergrund ist offensichtlich strategisch: Microsoft will sich weniger abhängig von einem einzigen Modellanbieter machen. Berichten zufolge investiert das Unternehmen massiv in eigene Modelle und kooperiert parallel mit weiteren KI-Anbietern. Für die Nutzer ist die Botschaft aber wichtiger als die Konzernpolitik: Office wird zur Plattform, auf der mehrere KI-Modelle parallel laufen können.

Praktisch bedeutet das: In bestimmten Copilot-Funktionen könnt ihr – sofern euer Administrator das freigibt – auswählen, welches Modell die jeweilige Anfrage bearbeitet. Die Bedienoberfläche bleibt im Wesentlichen gleich, der Motor darunter wird austauschbar. Die Verfügbarkeit der Modellauswahl variiert allerdings je nach konkreter Funktion: Während sie in Excel bei der Bearbeitung oder im Researcher-Agent zur Verfügung steht, ist sie nicht in allen Copilot-Funktionen universell verfügbar.

Wichtig zu wissen: Die Funktion ist für geschäftliche Microsoft-365-Kunden relevant, aber laut Microsoft auch für Nutzer mit Microsoft 365 Personal und Family verfügbar. Die Verfügbarkeit hängt allerdings von Region, Lizenz und Rollout-Phase ab.

Vorteile: Warum externe KI-Modelle eure Produktivität steigern

Bisher galt: Ein Modell für alles. Wer mit Copilot einen Vertragsentwurf zusammenfassen, eine PowerPoint bauen und nebenbei eine Excel-Formel erklären lassen wollte, bekam stets dieselbe KI-Stimme. Das war bequem, aber selten optimal. Modelle unterscheiden sich nämlich deutlich in ihren Stärken: Manche schreiben nuancierter, andere argumentieren strukturierter, wieder andere sind besser im Umgang mit Code oder langen Dokumenten.

Mit der neuen Wahlfreiheit könnt ihr Aufgaben gezielter zuweisen. Für viele Anwender ist das gerade bei längeren Dokumenten, bei juristischen oder wissenschaftlichen Texten sowie bei sensiblen Formulierungen ein echter Gewinn. Hinzu kommt: Wer in einem Unternehmen arbeitet, in dem Datenschutz und Compliance eine Rolle spielen, profitiert davon, dass Microsoft die Integration in seine bestehenden Sicherheits- und Governance-Strukturen einbettet. Die Daten verlassen also nicht einfach unkontrolliert die Microsoft-Welt.

Anleitung: KI-Modelle in Microsoft 365 Copilot aktivieren

Die gute Nachricht: Ihr müsst keine neue Software installieren. Die Modellauswahl wird in Microsoft 365 Copilot integriert und ist dort sichtbar, wo ihr ohnehin mit der KI arbeitet. In der Praxis läuft die Aktivierung typischerweise so ab:

  • Der IT-Administrator aktiviert die Nutzung externer Modelle im Microsoft-365-Admin-Center.
  • Nutzer sehen anschließend in unterstützten Copilot-Funktionen – etwa beim Bearbeiten in Excel, beim Researcher-Agent oder in Copilot Studio – eine Auswahlmöglichkeit für das gewünschte Modell.
  • Für einzelne Aufgaben – etwa eine Zusammenfassung, einen Entwurf oder eine Analyse – könnt ihr dann gezielt ein Modell auswählen.
  • Die Ergebnisse landen wie gewohnt direkt im Word-Dokument, der PowerPoint-Folie oder der Excel-Tabelle.

Falls ihr die Funktion nicht seht: keine Panik. Microsoft rollt solche Neuerungen meist schrittweise aus, abhängig von Tenant, Region und Lizenztyp. Zudem ist die Modellauswahl nicht in allen Copilot-Features verfügbar, sondern konzentriert sich auf spezifische Anwendungsfälle.

KI-Modell-Vergleich: Welches passt für eure Office-Aufgaben?

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Eine pauschale Antwort gibt es nicht – und wer sie verspricht, schummelt. Aber ein paar Daumenregeln helfen euch beim Start:

  • Texte und Schriftverkehr in Word/Outlook: Probiert beide Modelle aus. Claude gilt unter vielen Anwendern als besonders stark bei nuancierten, längeren Texten. OpenAI-Modelle punkten häufig bei kreativen Formulierungen.
  • Präsentationen in PowerPoint: Hier zählt vor allem Struktur. Lasst die KI zuerst eine Gliederung entwerfen, bevor ihr Folien füllen lasst.
  • Datenanalysen in Excel: Achtet darauf, dass die KI ihre Schritte erklärt. Verlasst euch nie blind auf Formeln – immer gegenprüfen.
  • Recherche und Zusammenfassungen: Lange Dokumente sind ein guter Testfall, um Modelle zu vergleichen.

Mein Tipp: Macht den Vergleich bewusst. Gebt dieselbe Aufgabe nacheinander an verschiedene Modelle und vergleicht die Ergebnisse. Nach ein paar Durchläufen entwickelt ihr ein Gefühl dafür, welches Modell zu eurem Arbeitsstil passt.

Datenschutz bei Office Copilot: Was ihr wissen müsst

Bei aller Begeisterung: Wenn ihr externe Modelle nutzt, verlassen eure Anfragen möglicherweise die reine Microsoft-Infrastruktur und werden an den jeweiligen Modellanbieter weitergeleitet – natürlich innerhalb der von Microsoft vertraglich abgesicherten Rahmenbedingungen. Für Unternehmen heißt das: Vorher prüfen, welche Daten überhaupt verarbeitet werden dürfen, und das Thema mit Datenschutz und Betriebsrat klären.

Speziell in Deutschland und in stark regulierten Branchen – Gesundheit, Finanzen, Verwaltung – empfehle ich, vor dem Rollout klare Richtlinien festzulegen: Welche Inhalte dürfen in die KI? Welche nicht? Und wer ist für die Qualitätskontrolle der Ergebnisse verantwortlich?

Einschätzung: Was die Copilot-Öffnung für die Zukunft bedeutet

Die Integration externer KI-Modelle in Office ist ein wichtiger Schritt – nicht nur technisch, sondern auch strategisch. Microsoft zeigt damit, dass Copilot keine Monokultur bleiben soll, sondern eine Plattform für verschiedene KI-Anbieter. Für euch als Nutzer bedeutet das mehr Auswahl, mehr Flexibilität und langfristig bessere Ergebnisse, weil ihr Modelle gezielt zu Aufgaben matchen könnt.

Gleichzeitig wächst die Verantwortung. Wer mehrere Modelle einsetzt, muss sich stärker mit ihren Eigenheiten beschäftigen – und mit den Datenschutzfragen, die jede einzelne KI mitbringt. Ich rate dazu, die neue Wahlfreiheit nicht als Spielerei zu sehen, sondern als Anlass, KI-Nutzung im Beruf endlich systematisch aufzusetzen: mit klaren Regeln, sauberen Prompts und einem geschulten Blick auf die Ergebnisse. Wer das tut, holt aus Office mehr heraus als je zuvor.