Warum Apple Flattr und andere Bezahldienste aus dem App Store verbannt

von | 01.06.2012 | Tipps

Die digitale Welt sucht seit Jahren nach fairen Bezahlmodellen für Content-Creator. Während Apple mit seinem App Store ein geschlossenes Ökosystem geschaffen hat, kämpfen alternative Bezahldienste um ihren Platz – oft vergeblich.

Das Flattr-Konzept: Mikro-Spenden für Creator

Flattr war einer der Pioniere im Bereich der freiwilligen Mikro-Bezahlung. Das Konzept war simpel: Nutzer konnten auf Webseiten, in Blogs oder Apps einen kleinen Betrag spenden – ganz nach eigenem Ermessen. Am Monatsende wurde das gesammelte Geld an die Content-Creator ausgezahlt. Niemand wurde damit reich, aber für viele kleinere Anbieter war es eine willkommene Finanzierungshilfe.

Doch Apple machte diesem Modell einen Strich durch die Rechnung. Der Konzern verbannte alle Apps aus dem App Store, die Flattr-Buttons enthielten oder sich über solche alternativen Bezahlsysteme finanzierten.

Apples eiserne Kontrolle über Bezahlvorgänge

Der Grund für Apples hartes Durchgreifen liegt in der strikten App Store-Politik. Apple erlaubt grundsätzlich nur die hauseigenen Zahlungsmittel – also In-App-Käufe über das Apple-Zahlungssystem. Von jedem Bezahlvorgang kassiert Apple eine Provision von 15 bis 30 Prozent. Alternative Bezahldienste umgehen diese „Apple-Steuer“ und sind deshalb unerwünscht.

Die heutige Situation: Epic vs. Apple als Wendepunkt

Der rechtliche Kampf zwischen Epic Games und Apple hat die Diskussion um App Store-Monopole neu entfacht. In Europa brachte der Digital Markets Act (DMA) seit 2024 erste Lockerungen: Apple muss EU-weit alternative App Stores und Bezahlmethoden zulassen. In den USA kämpfen Entwickler weiterhin gegen die strikten Vorgaben.

Was aus Flattr wurde

Flattr selbst hat mehrere Wandlungen durchgemacht. Nach der Übernahme durch Eyeo (die Macher von Adblock Plus) wurde der Service 2020 eingestellt. Die Marke wurde später wiederbelebt, fokussiert sich aber nun auf andere Geschäftsmodelle. Das ursprüngliche Mikro-Spenden-Konzept lebt in anderen Formen weiter.

Moderne Alternativen zu Flattr

Heute gibt es zahlreiche neue Ansätze für Creator-Finanzierung:

Patreon und Ko-fi haben das Abo-Modell für Creator etabliert. Fans zahlen monatliche Beträge und erhalten dafür exklusive Inhalte.

GitHub Sponsors und Buy Me a Coffee bieten einmalige oder wiederkehrende Spenden für Entwickler und Content-Creator.

Brave Browser hat mit BAT (Basic Attention Token) ein Kryptowährungs-basiertes Belohnungssystem entwickelt.

Twitch und YouTube haben eigene Spenden- und Abo-Systeme integriert, die – Überraschung – über die jeweiligen App Store-Kanäle laufen.

Die App Store-Problematik heute

Apples restriktive Haltung bei Bezahlsystemen ist geblieben, auch wenn sich durch regulatorischen Druck einiges bewegt. Die „Apple-Steuer“ bleibt ein Streitpunkt zwischen dem Konzern und Entwicklern. Besonders kleinere Creator leiden unter den hohen Provisionen.

Was das für Nutzer bedeutet

Als iPhone- oder iPad-Nutzer habt ihr weniger Auswahl bei Bezahlmethoden und zahlt indirekt die Apple-Provision mit. Viele Creator weichen deshalb auf webbasierte Lösungen aus oder nutzen externe Plattformen für ihre Finanzierung.

Ausblick: Mehr Konkurrenz durch Regulierung

Die EU-Regulierung zeigt Wirkung. Apple kündigte 2024 alternative App Stores für Europa an – wenn auch widerwillig und mit Einschränkungen. In anderen Regionen dürfte der Druck auf Apple weiter steigen.

Die Flattr-Geschichte zeigt exemplarisch, wie ein tech-Gigant Innovation im Zahlungsbereich bremsen kann. Während Apple Sicherheit und Nutzererfahrung als Argumente anführt, geht es letztendlich um die Kontrolle über einen lukrativen Markt. Für Content-Creator bleibt die Suche nach fairen Finanzierungsmodellen eine Herausforderung – auch 2026.

Zuletzt aktualisiert am 25.04.2026