Das Urteil war mit Spannung erwartet worden. Das bedeutet: Der so umstrittene wie populäre Werbefilter darf auch weiter eingesetzt werden. Nutzer hatten sowieso nichts zu befürchten, doch der Hersteller des AdBlockers hätte möglicherweise sein Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen müssen.
Ich kann User verstehen, die zu Werbefiltern greifen. Manche Webseiten quellen über vor Werbung. Und es ist oft nicht nur die schiere Masse, sondern auch die Art der Werbung: Unterste Schublade, laut, blinkend, poppend, overlayend. Kurz: Aufdringlich. So was möchte natürlich niemand gerne sehen.
Doch AdBlocker wie AdBlock Plus blockieren nahezu alle Werbung. Auch (hoffentlich) diskrete wie auf meiner Seite. Ich bezahle davon die Mitarbeiter, Autoren, Redakteure, die Technik, den Traffic. Und selbst dafür reicht es kaum. Werbung ist also für die meisten Anbieter im Netz die einzige Möglichkeit, ihre Arbeit und ihren Aufwand zu refinanzieren. Wenn dann eine große Zahl von Usern AdBlocker nutzt, macht sich das bemerkbar. Die Umsätze brechen ein.

Webseitenbetreiber können AdBlock-User aussperren
Deshalb hat der Axel Springer Verlag gegen die Firma geklagt, die den AdBlocker herausbringt. Doch der BGH hat geurteilt: Das Unterdrücken unerwünschter Werbung ist nicht wettbewerbswidrig. Verlage oder Blogbetreiber haben keinen Anspruch auf Unterlassung. Sie müssen damit leben, dass es Werbefilter gibt – und ihre Einnahmen schmelzen.
Der BGH hatte ein überzeugendes Argument: Wer nicht möchte, dass User mit Werbefilter ihre Inhalte lesen und nutzen, kann sie aussperren. Stimmt, kann man machen. Trotzdem bleibt es allerdings so, dass die Werbeeinnahmen dadurch geringer werden.

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Neue Entwicklungen seit dem BGH-Urteil
Seit dem wegweisenden BGH-Urteil hat sich die AdBlocker-Landschaft drastisch verändert. Browser-Hersteller haben nachgezogen: Chrome integrierte 2019 einen eingebauten Werbeblocker, Firefox verstärkte seinen Tracking-Schutz erheblich. Safari blockiert bereits seit Jahren aggressive Tracker und störende Werbung standardmäßig.
Die Entwicklung geht mittlerweile weit über simple Werbeblocker hinaus. Moderne Browser blockieren nicht nur Anzeigen, sondern auch Tracking-Skripte, Fingerprinting-Versuche und andere Datenschutz-verletzende Technologien. Das macht separate AdBlocker-Extensions teilweise überflüssig.
Das Geschäftsmodell von Eyeo unter Druck
Hinter AdBlock Plus steckt das Unternehmen Eyeo. Der Werbeblocker AdBlock Plus unterdrückt alle Anzeigen und Anzeigenformate, die in einer sogenannten Blacklist stehen. Besonders umstritten ist, dass sich Eyeo bezahlen lässt: Wer eine Gebühr an das Unternehmen zahlt, kann seine Werbung (unter bestimmten Umständen) auf eine Whitelist setzen. Die Werbung wird dann vom Filter nicht mehr blockiert. Aus diesen Einnahmen finanziert sich der Werbeblocker.
Doch dieses Modell steht heute unter enormem Druck. Viele Nutzer sind zu anderen, transparenteren Lösungen gewechselt. uBlock Origin etwa ist komplett kostenlos und verzichtet völlig auf Whitelisting gegen Bezahlung. Ghostery und Privacy Badger fokussieren sich auf Datenschutz statt auf Monetarisierung.
Die Industrie reagiert: Neue Werbeformate und Strategien
Die Werbebranche hat auf die AdBlocker-Herausforderung reagiert. Native Advertising, Influencer-Marketing und Content-Marketing sind stark gewachsen. Diese Formate lassen sich schwerer blockieren, da sie oft nicht als klassische Werbung erkennbar sind.
Viele Publisher setzen inzwischen auf Subscription-Modelle oder Paywall-Strategien. Die New York Times, The Guardian oder deutsche Medien wie Spiegel+ und Zeit+ zeigen: Nutzer sind durchaus bereit zu zahlen – wenn der Content stimmt.
Technische Wettrüstung geht weiter
Parallel entwickelt sich ein technisches Katz-und-Maus-Spiel. Anti-AdBlock-Scripte versuchen, Werbeblocker zu erkennen und Content zu sperren. AdBlocker wiederum umgehen diese Sperren. Manche Sites setzen auf Server-seitiges Rendering, um Werbung schwerer blockierbar zu machen.
Neue Technologien wie Web3 und Blockchain-basierte Micropayments könnten künftig alternative Monetarisierungsmodelle ermöglichen. Brave Browser etwa belohnt Nutzer mit Kryptowährung fürs Ansehen von Werbung.
Datenschutz wird wichtiger als Werbeblocker
Die DSGVO und ähnliche Gesetze haben das Bewusstsein für Datenschutz geschärft. Viele Nutzer blockieren heute weniger wegen der Werbung selbst, sondern wegen des damit verbundenen Trackings. Cookie-Banner und Consent-Management sind allgegenwärtig geworden.
Apples App Tracking Transparency und Googles geplanter Verzicht auf Third-Party-Cookies verändern die Branche fundamental. Datenschutz-freundliche Werbung wird zum Wettbewerbsvorteil.
Die Zukunft: Ausgewogenheit statt Extreme
Wie man es auch dreht und wendet: Das BGH-Urteil war ein Wendepunkt für alle, die mit Werbung ihre Inhalte refinanzieren. Die User haben sich darauf eingestellt und bezahlen heute häufiger für Inhalte – dann werbefrei. Deutsche Nutzer holen dabei langsam zu internationalen Standards auf.
Viele Publisher haben gelernt: Weniger, aber bessere Werbung führt zu weniger AdBlocker-Nutzung. Respektvolle, relevante Werbung wird seltener blockiert als aufdringliche Banner-Schlachten.
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Zuletzt aktualisiert am 10.03.2026