Das sympathische Deich-Hörnchen

von | 17.08.2014 | Tipps

Allzu oft kommen einem die großen Tech-Konzerne wie Microsoft, Apple oder Google wie unnahbare Institutionen vor. Anfragen werden gar nicht oder nur sehr spät oder sparsam beantwortet. Umso überraschender, wenn es dann mal anders ist. Wie beim legendären Briefwechsel zwischen Michael und Timm Wiethe und der Google-Zentrale in Deutschland: Vater und Sohn haben deutlich gemacht, dass sie keine Onlinenutzer sind. Sie haben einen handgeschriebenen Brief an Google geschrieben – und wollten den Suchdienst von Google nutzen. Trotz fehlender Netzverbindung.

… da wir hier zur Zeit keinen Zugang zum Internet haben, möchten wir Sie bitten, in Ihrer gewohnt schnellen und umfassenden Weise, eine Suchanfrage zu beantworten. Wir benötigen Infos und Bilder zu:

„Deichhörnchen“

Eine Suchanfrage zum Stichwort „Deichhörnchen“. Diese witzige Anfrage aus dem Jahr 2014 ging damals viral – denn Google hat tatsächlich geantwortet. Ebenfalls handgeschrieben. Und im typischen Layout einer Google-Suchanfrage. Selbst kleine Grafiken und Platz für die typischen Anzeigen wurden berücksichtigt. Eine äußerst sympathische Art, mit einer solchen Anfrage umzugehen.

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Warum diese Geschichte heute noch relevant ist

Zehn Jahre später hat sich die Kommunikationslandschaft drastisch verändert. Was 2014 noch eine charmante Ausnahme war, würde heute vermutlich anders ablaufen. Googles Kundenservice ist mittlerweile stark automatisiert, und die meisten Anfragen landen bei Chatbots oder werden über Community-Foren abgewickelt. Die persönliche Note, die damals für Schlagzeilen sorgte, ist in der heutigen Tech-Welt zur Seltenheit geworden.

Aber die Geschichte zeigt etwas Wichtiges: Auch in einer digitalisierten Welt sehnen sich Menschen nach menschlicher Verbindung. Das gilt umso mehr in Zeiten von ChatGPT, Gemini und anderen KI-Assistenten, die zwar effizient antworten, aber oft die emotionale Komponente vermissen lassen.

Wie Tech-Konzerne heute kommunizieren

Die großen Plattformen haben ihre Kommunikationsstrategien grundlegend geändert. Google setzt heute auf Self-Service-Portale und KI-gestützte Hilfe. Meta (ehemals Facebook) hat seinen Kundenservice weitgehend automatisiert. Apple bietet zwar noch persönlichen Support, aber hauptsächlich für zahlende Kunden.

Interessant ist dabei der Kontrast zu kleineren Tech-Unternehmen und Start-ups. Viele von ihnen haben erkannt, dass persönliche Kommunikation ein Wettbewerbsvorteil sein kann. Companies wie Discord, Notion oder kleinere Software-Anbieter pflegen oft noch direkten Kontakt zu ihren Nutzern.

Die Macht der viralen Momente

Die Deichhörnchen-Geschichte zeigt auch, wie schnell sich positive PR-Momente verbreiten können. Was als simple Kundenservice-Anfrage begann, wurde zu einem PR-Coup für Google. In der heutigen Social-Media-Landschaft wäre die Verbreitung noch schneller und reichweitenstarker gewesen.

Solche authentischen Momente sind Gold wert für Unternehmen. Sie zeigen Menschlichkeit hinter der Corporate Identity und schaffen emotionale Verbindungen zu den Nutzern. Das ist in Zeiten von Corporate Social Responsibility und Authentizitätsansprüchen wichtiger denn je.

Analoge Anfragen in einer digitalen Welt

Was heute kurios erscheint, hatte damals durchaus praktische Gründe. Nicht jeder hatte 2014 stabiles Internet, besonders in ländlichen Gebieten Deutschlands. Der digitale Graben war noch deutlich spürbarer als heute. Mittlerweile haben 95% der deutschen Haushalte Internetzugang, und Mobilfunk ist flächendeckend verfügbar.

Trotzdem gibt es immer noch Menschen, die bewusst offline leben oder nur eingeschränkten Zugang haben. Die „Digital Detox“-Bewegung zeigt, dass manche Menschen ganz bewusst auf ständige Online-Präsenz verzichten. Für diese Zielgruppe wären alternative Kommunikationswege durchaus relevant.

Lehren für heute

Die Deichhörnchen-Geschichte lehrt uns mehrere Dinge: Erstens, dass Humor und Menschlichkeit in der Unternehmenskommunikation funktionieren. Zweitens, dass unkonventionelle Ansätze Aufmerksamkeit generieren. Und drittens, dass kleine Gesten große Wirkung haben können.

Für heutige Unternehmen bedeutet das: Auch in einer automatisierten Welt sollte Raum für persönliche Momente bleiben. Ob über Social Media, Community-Management oder Kundenservice – Authentizität zahlt sich aus.

Das sympathische Deichhörnchen bleibt ein Beispiel dafür, wie Konzerne mit Kreativität und Humor punkten können. Ein Reminder daran, dass hinter all der Technologie immer noch Menschen stehen – auf beiden Seiten der Kommunikation.

Zuletzt aktualisiert am 17.04.2026